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Interview

Blockchain-Jobs: Neuer Trend auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Blockchain-Jobs: „Fast die Hälfte der Jobs richten sich an Software-Entwickler“ (Foto: Shutterstock-Tsyhun)

Die Blockchain gilt als der Tech-Trend der kommenden Jahre. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt lassen sich derzeit einige Entwicklungen dazu beobachten, verrät Annina Hering vom Indeed Hiring Lab.

Annina Hering ist Economist im Hiring Lab der Jobsuchmaschine Indeed. Als Teil eines internationalem Teams, bestehend aus Ökonomen und anderen Wissenschaftlern, analysiert sie globale Arbeitsmarktentwicklungen. Im Rahmen einer kürzlich erstellten Untersuchung auf der eigenen Plattform haben die Analysten einen neuen Trend in Deutschland bemerkt: Von Januar bis Dezember 2017 wuchs die durchschnittliche Zahl der Stellen mit Bezug zu Blockchain-Technologie um 625 Prozent. Im selben Zeitraum nahmen die Suchanfragen um 661 Prozent zu. Ob es sich da um einen kurzfristigen Hype oder einen langfristigen Trend für den Arbeitsmarkt handelt, war Thema unseres Gesprächs mit der Ökonomin.

Blockchain-Jobs: „Fast die Hälfte der Jobs richten sich an Software-Entwickler“

Annina Hering ist Economist im Hiring Lab der Jobsuchmaschine Indeed und identifiziert Blockchain-Jobs als neuen Trend auf dem deutschen Arbeitsmarkt. (Foto: Indeed)

t3n.de: Annina, die Blockchain-Technologie soll nicht nur kräftig an den Grundpfeilern der Finanzwelt rütteln, sie weckt in Verbindungen mit Kryptowährungen auch echte Goldgräberstimmung. Den Aktivitäten auf Indeed nach zu urteilen, beeinflusst das Thema jetzt auch den deutschen Arbeitsmarkt. Inwiefern?

Annina Hering: Obwohl der Bitcoin-Kurs die größten Sprünge in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 verzeichnet hat, wächst das Interesse an der Blockchain-Technologie sowohl bei Unternehmen als auch bei Jobsuchenden bereits seit Anfang 2017. Das heißt allerdings nicht, dass das Interesse des Arbeitsmarktes an der Blockchain-Technologie völlig unabhängig vom Bitcoin-Kurs verläuft. Die Zahl der Stellenausschreibungen und Suchanfragen hat seit Herbst 2017 stärker zugenommen als zuvor – zu dieser Zeit verzeichnete der Bitcoin enorme Kursgewinne. Spannend ist auch, dass die Schwankungen des Kurses seit Mitte Dezember 2017 nicht dazu geführt haben, dass das Interesse von Unternehmen und Jobsuchenden an der Blockchain-Technologie gesunken ist. Der Trend hat sich also schon ein stückweit vom Bitcoin-Kurs abgekoppelt.

t3n.de: Welche Berufe profitieren von der Entwicklung am meisten?

Knapp die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen in diesem Bereich richten sich an Software-Entwickler. Die zentrale Anforderung für Blockchain-Softwareentwickler ist dabei die Kenntnis verschiedener Programmiersprachen. Spezielle Blockchain-Kenntnisse sind unserer Beobachtung nach allerdings meist keine Voraussetzung. Grundsätzlich scheinen Unternehmen nach Programmierern zu suchen, die dazu in der Lage sind, sich neues, notwendiges Wissen im Blockchain-Bereich anzueignen.

t3n.de: Wie sind diese Jobs ausgeschrieben?

Der hohe Anteil an Stellen für studentische Mitarbeiter und Praktikanten zeigt, dass viele Unternehmen noch nicht bereit sind, Vollzeit-Experten einzustellen. Nach Auswertung unserer Indeed-Daten sind Entdeckergeist, Kreativität und Innovation gefragt, was sich Unternehmen im Rahmen von Bachelor-, Master- sowie Doktorarbeiten erhoffen.

t3n.de: Welche Branchen und Unternehmen stechen bei der Talentsuche jetzt schon besonders heraus?

An Berichten und Einschätzungen von Experten, die von einem möglichen bahnbrechenden Einfluss der Blockchain-Technologie auf viele Branchen sprechen, mangelt es ja derzeit nicht. Mit Blick auf die Stellenausschreibungen sehen wir bisher allerdings keine Vorreiter. Es sind quasi alle Branchen vertreten, allerdings zeigt sich ein ganz klarer Fokus auf die IT-Branche. IT-Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen sind bei der Suche nach Blockchain-Experten vorne dabei. Die Top-Drei-Unternehmen bei den Stellenausschreibungen sind IBM, SAP und T-Systems.

t3n.de: Warum gerade diese Unternehmen?

Es scheint, dass IT-Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen innovativer reagieren und sich mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen, Talente früh rekrutieren und sie aufbauen wollen. Bisher gibt es noch relativ wenige echte Blockchain-Experten. Sollte dann die Nachfrage in weiten Teilen der Wirtschaft in den kommenden Jahren steigen, verfügen sie über wertvolle Spezialisten, deren Wissen sie an andere Unternehmen und Branchen verkaufen können.

t3n.de: Was glaubst du, wie sich der Trend 2018 weiter vollziehen wird? Wird der Bedarf zunehmen, auf dem Level bleiben oder eher zurückgehen?

Wir gehen von einer weiteren Zunahme dieses Trends aus. Drei Gründe unterstützen diese Einschätzung: Zum einen sehen wir in Stellenausschreibungen und Suchanfragen, dass die Blockchain-Technologie von der Bitcoin-Aufmerksamkeit profitiert. Gleichzeitig zeigt sich kein Rückgang des Interesses, wenn sich der Bitcoin-Kurs verschlechtert. Das bedeutet, der Trend hat sich schon ein stückweit positiv verselbständigt. Blockchain-Jobs sind allerdings noch weit weg von einer Etablierung. Ein weiterer Punkt, der für eine Zunahme des Trends in diesem Jahr spricht, ist, dass Unternehmen bisher noch experimentieren und oftmals noch nicht bereit sind, Vollzeitstellen zu schaffen.

t3n.de: Sollte es zu einer Etablierung kommen: Wann wird die passieren?

Experten prognostizieren einen langfristigen Erfolg der Technologie. Gartner sieht die Blockchain für 2018 als wichtige strategische Entwicklung. Bis zur Etablierung wird es den Experten nach allerdings noch fünf bis zehn Jahre dauern. Sollte sie sich bis dahin etablieren, werden in dem Feld neben Softwareentwicklern auch Blockchain-Experten in anderen Bereichen gesucht werden – beispielsweise im Business-Development, für IT-Security als Business-Analysten oder auch in Marketing und PR.

t3n.de: Annina, danke für das Gespräch!

Übrigens, die Blockchain wird nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft verändern – das glauben zumindest ihre Verfechter. Die t3n-Ausgabe 50 nimmt die Technologie und ihr Potenzial unter die Lupe. Hier erhältst du einen Einblick in das Magazin: t3n 50 – Die goldene Ära der Blockchain

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