Ratgeber

Blockchain statt Datenbank? Diese Argumente sprechen dafür

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Was hätte das mit herkömmlicher IT bedeutet?

Wenn wir unser Beispiel, der Transfer von Softwarelizenzen zwischen verschiedenen Nutzern, mit einer Datenbank abbilden möchten, benötigen wir zusätzlich zur klassischen Datenbank mindestens eine weitere Komponente, die eine Identifizierung der Lizenzen und Teilnehmer umsetzt. Innerhalb eines Unternehmens wird diese Anforderung üblicherweise durch eine PKI und Zertifikate umgesetzt. Mit Einsatz der DLT-Technologie können wir diesen Aspekt nahezu ignorieren. Digitale Assets wie Softwarelizenzen können hier immer eindeutig einem Besitzer zugeordnet werden. Das steht auf der Haben-Seite.

Auf der Verlust-Seite: Der dezentral hergestellte Konsens der Blockchain ist zwar sicher, aber auch langsam, und die Architektur der verteilten Blockchain-Anwendungen komplexer als das bekannte Client-Server-Modell. Deswegen bleiben Datenbanken auf Basis klassischer Infrastruktur-Komponenten für alle Anwendungsfälle wesentlich besser geeignet, in denen ihr auf das eingebaute Vertrauen verzichten könnt. Dann braucht es jedoch im Wettbewerbskontext oft eine neutrale dritte Instanz, die die Korrektheit von Daten in Transkationen verifiziert. Das übernehmen häufig Clearing-Gesellschaften.

Status quo am Beispiel Clearing-Systeme

Gerade in Branchen mit starken B2B-Integrationen, etwa im Energiesektor, gehören Transaktionen von digitalen Gütern – oder Geld – zwischen Teilnehmern zum Tagesgeschäft. Hier kommen Clearing-Gesellschaften ins Spiel. Unter „Clearing“ wird laut Wikipedia das Feststellen gegenseitiger Forderungen, Verbindlichkeiten und Lieferverpflichtungen verstanden. Das „Feststellen“ übernehmen dabei Clearinggesellschaften, die als „Central Counterparty“ Transaktionen für die verschiedenen Parteien abwickeln.

Da es beim Clearing in den meisten Fällen um die Abrechnung von Verbindlichkeiten und Einnahmen geht, sind diese Prozesse aus naheliegenden Gründen aufwändig durch Individualsoftware oder die Integration entsprechender Netzwerke umgesetzt. Die Komplexität liegt dabei darin, die unterschiedlichen Datenformate und Protokolle der Teilnehmer eines Clearingsystems miteinander sprechen zu lassen, und das fehlende Vertrauen zwischen den einzelnen Parteien herzustellen. Hierbei müssen und wollen die Teilnehmer in der Regel der Clearinggesellschaft vertrauen. Oftmals wird der vor knapp 30 Jahren geschaffene EDI-Standard mehr oder weniger aufwändig implementiert. Die technische Dienstleistung, das damit verbundene Risiko und die Dienstleistung des „Vertrauens herstellen“ lassen sich die Gesellschaften natürlich entlohnen. Das Stichwort Vertrauen bringt DLT als neuen Standard ins Spiel: Sie könnten sich als Alternative zu bestehenden Lösungen etablieren.

Die Blockchain als neuer Standard

Die folgenden Eigenschaften zeichnen die Blockchain hierfür besonders aus:

Schnittstellen: Kommerzielle Anbieter wie Corda oder IBM Hyperledger, aber auch öffentliche DLT Netzwerke wie Ethereum und Bitcoin, bieten zahlreiche direkte und indirekte Schnittstellen für die Kommunikation mit der Blockchain an.

Hohe Sicherheit: Alle abgelegten Daten sind unveränderlich und damit revisionssicher. Kommerzielle Angebote bieten Zusatzfunktionen wie Identitätsmanagement und ermöglichen damit zum Beispiel Blockchains mit Zugriffsbeschränkungen („Permissioned Blockchains“).

Standardisierung: Die Ablage der Daten (zum Beispiel einer Rechnung als PDF-Datei) erfolgt je nach Anforderung zentral oder dezentral, aber nicht direkt auf der Blockchain. Referenziert werden die Daten über Prüfsummen, die selbst nur wenig Platz in Anspruch nehmen und bei denen das Format der referenzierten Datei für die Verarbeitung der Transaktion selbst keine Rolle spielt.

Smart Contracts: Ein Smart Contract ist Code, der in einem Public Ledger hinterlegt wird. Smart Contracts ermöglichen die programmatische Verarbeitung von Informationen durch vorab definierte Aktionen, die im Smart Contract hinterlegt sind. (Christoph Niemann gibt darüber hinaus Code-Beispiele.) So kann zum Beispiel eine Ladesäule über einen Smart Contract die Zahlung eines Elektro-Autos ohne menschliche Interaktion verarbeiten und dafür den Akku des Autos aufladen. Vorstellbar wäre auch, dass ein Haus selbständig geeignete Hausratsversicherungen vergleicht und am Ende der Laufzeit zum günstigsten Anbieter wechselt.

Zum Schluss folgt ein Überblick über die innovativsten Bl0ckchain-Projekte und was sie auszeichnet.

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Eine Reaktion
Paul

Schöner Beitrag, gibt ein guten Überblick.
Bei NetFederation nennen wir die Blockchain auch gerne die Internet Datenbank.

Antworten

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