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Interview

BMW-Digitalisierungsmanager Jens Monsees: „Die Coolness machen die Mitarbeiter selbst“

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t3n.de: Ihr kooperiert mit Startups, wie jeder Konzern, der heutzutage etwas auf sich hält. Von welchen Innovationen versprichst du dir am meisten?

Wir haben mit dem „BMW i Venture Fonds“ verschiedene Suchfelder definiert. Auf deren Grundlage suchen wir nach strategischen Partnerschaften. Natürlich haben wir auch ein monetäres Interesse dabei. Die Investments sollen sich auch lohnen und weiter wachsen. Das ist, glaube ich, legitim. Interessant sind für uns besonders Artificial Intelligence, Additive Manufacturing und auch 3-D-Druck.

t3n.de: Wie weit bist du mit dem Drucken?

Wir drucken Teile. Das findet hier ganz in der Nähe statt und ist superspannend, weil man hierdurch natürlich viele Prozesse individualisieren, aber auch im Ersatzteilgeschäft das ein oder andere Teil günstiger produzieren kann, als es bisher möglich war.

t3n.de: Wann finden solche Entwicklungen in die Praxis?

In der Massenproduktion sehe ich das in den nächsten drei Jahren noch nicht besonders relevant, es wird aber ganz sicher kommen.

t3n.de: Man wartet derzeit auf den, wie man bei Google wohl sagen würde, „Moonshot“ bei BMW, das nächste große Ding. Wann ist der zu erwarten?

Das wird das voll autonom fahrende Auto sein.

t3n.de: Der iNext?

Genau. Wir müssen schauen, wann wir mit ihm auf die Straße kommen können. Bei einem solchen „Moonshot“ wird allerdings auch die Nasa keinen genauen Monat nennen können. Und so ist das bei uns auch. Wir können aber sagen: Der BMW i Next kommt 2021.

t3n.de: Was gibt es da noch zu klären?

Wir brauchen eine vernünftige Regulatorik und müssen uns das Thema Produkthaftung genau ansehen. Da geht es zum Beispiel um Fragen der Verantwortung, wenn mal ein Unfall passiert. Wie wird die Haftungsfrage in Zukunft schnell geklärt? Außerdem kümmern wir uns darum, wie sich das Fahrzeug mit den anderen Autos verständigt. Und wir müssen uns mit Vokabeln wie „Fußgängeraufenthaltswahrscheinlichkeitsberechnung“ befassen – und damit, was sie für uns als Hersteller bedeuten. Zur Klärung all dieser Themenkomplexe brauchen wir Juristen, Technologien, und vor allen Dingen Kooperationen, weil die volle Bandbreite ein OEM nicht alleine stemmen kann.

t3n.de: Auf welche Kooperationen ist man bei BMW als OEM denn angewiesen? Die großen digitalen Player sind ja hauptsächlich in den USA anzutreffen …

Wir sprechen von einem Ecosystem, das wir zum Beispiel mit Firmen wie Mobileye und Intel bilden. Hierbei handelt es sich um eine offene Plattform, bei der Dritte auch mitmachen können. Was digitale Player angeht: Ich weiß gar nicht, ob wir so wenige Tech-Player haben in der deutschen Industrie. Wenn man an SAP denkt, die Telekom mit T-Systems und Siemens …

t3n.de: Wobei die ja eher Infrastruktur zur Verfügung stellen, während die US-Amerikaner anwenderfreundliche und wahrscheinlich auch deshalb weltweit bekannte Consumer-Produkte und Software herstellen.

Das stimmt.

t3n.de: Stimmt es auch, dass solche Unternehmen, die primär in Software denken, in der Regel auch mehr wagen, wie Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management, sagt?

Da bin ich mir nicht sicher. Ich denke, es geht um die Kombination von Soft- und Hardware. Ich gebe mal ein Beispiel: Amazon ist sicher ein sehr interessantes Softwareunternehmen und lebt auch von der Software. Diese muss aber über ein Device überhaupt erst einmal zum Kunden kommen. Und deswegen rollt der Konzern ja jetzt auch seine „Alexa“ aus, die im Wohnzimmer herumstehen soll. Ohne dieses Device wäre das Unternehmen nicht in den Privatwohnungen. Grundsätzlich muss man sich als Unternehmen fragen, welche Dinge man selbst gut kann und wofür man sich Kooperationspartner holt.

t3n.de: Wie hältst du es denn bei eurer eigenen Connected-Car-Lösung für Fahrzeuge, „Connected Drive“, mit Kooperationen?

Dort arbeiten wir ganz bewusst mit vielen verschiedenen Services. Ob das nun Apple-CarPlay ist, Spotify, oder auch andere Musiklieferanten. Wichtig ist, dass man standardisierte und offene API-Schnittstellen hat, kompatibel ist und quasi agnostisch agiert. Schon deshalb, weil die Halbwertszeit von heutigen Diensten sehr viel kürzer ist als noch vor wenigen Jahren. Niemand baut mehr Dienste für die Ewigkeit.

t3n.de: Ist man da eher getrieben?

Ja, von den Bedürfnissen der Konsumenten.

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