Ratgeber

Bonpflicht: Das sind die digitalen Alternativen zum neuen Gesetz

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Das Unternehmen rechnet vor, der Händler spare damit ja Papier und könne durch die digitale Lösung zwei Drittel der bisherigen Kosten sparen. Ob die Händler bereit sind, dafür zu zahlen, bleibt indes abzuwarten. Interessanter dürften da schon die Unternehmensdaten sein, die zwar nicht auf den einzelnen Kunden heruntergebrochen werden können, durchaus aber in der aggregierten und anonymisierten Form Rückschlüsse auf Kaufverhalten und Kundensegmente geben und so dabei helfen können, die eigene Kundschaft besser kennenzulernen.

Ein weiteres System für die digitalen Kassenzettel ist Bill Less, das von zwei jungen Gründerinnen verantwortet wird. Man will hier bewusst dem Kunden so viele Bons wie möglich anbieten, um daraus entsprechende neben der Aufbewahrung auch die Auswertung im Sinne eines persönlichen Haushaltsbuchs zu ermöglichen. Auch hier argumentiert man mit Papierverschwendung, Allerdings dürfte das Projekt derzeit noch auf etwas kleinerer Flamme gekocht werden als etwa Admin: Die Rede ist von einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne im Umfang von 12.000 Euro.

Ein drittes Startup in dem Bereich ist Smartbeleg, das gegenüber dem Handel, der ja der eigentliche Kunde ist, argumentiert, man könne so offline die Kundendaten, die man online ohnehin habe, vervollständigen. In der Tat eignet sich das System auch  dazu, den Kunden über entsprechende Gutscheine, die offline gültig sind, anzusprechen. In eine ähnliche Richtung geht Wunderbon, eine App, die das Sammeln von Belegen händlerübergreifend ermöglichen soll, damit man praktisch auch ganz auf gedruckte Belege verzichten kann. Neben dem Aspekt, mehr Überblick über ausgegebenes Geld zu bekommen, können preissensitive Kunden auch mit entsprechenden Rabatten angesprochen oder über eine Cashback-Aktion animiert werden, sich beim Händler oder Hersteller zu registrieren.

Ausblick: Es geht beim digitalen Kassenbon um Marktanteile

Doch die Beispiele – weitere vergleichbare Dienste bitte gerne in den Kommentaren posten – zeigen mehr oder weniger deutlich, wie problematisch eine solche Digitalisierung von Kassenzetteln zumindest nach heutigem Stand der Technik im Offlinehandel ist: Nützlich ist ein solches Tool nur, wenn es eine entsprechende Marktreife und Verbreitung findet. Erfolg versprechender wäre hier eine Lösung, die beispielsweise mit einem entsprechenden Bezahldienst zusammenarbeitet, und bei der man sicher sein könnte, dass es sie in einigen Jahren noch gibt. Das würde sowohl den Händlern als auch den Kunden mehr Planungssicherheit bescheren. Wie gut das funktionieren kann, zeigen ja beispielsweise große Händler im Onlinebereich wie Amazon: Dort kann sich der Kunde auch Jahre später seine Belege holen.

Dass Deutschland ab 2020 ein erfolgreiches Gesetz zur Bekämpfung von kreativer Kassenführung in vielen Bereichen der Wirtschaft bekommt, ist dagegen unwahrscheinlich. Denn zum einen sind bis Herbst ja ohnehin die Kontrollen ausgesetzt und zum anderen bleiben zahlreiche Schlupflöcher, die in anderen europäischen Ländern nicht mehr existieren.

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7 Kommentare
Dieter van Acken
Dieter van Acken

Ja, die Bäcker mischen gerade richtig auf, mit viel Emotion und wenig Hintergrundwissen. Da wird geschimpft und gewettert und eine Menge Leute springen mit auf, statt sich richtig zu informieren. (Danke für euren Beitrag.) Bei uns in Ahaus im Münsterland ist es an der Tagesordnung mit dem Smartphone zu bezahlen. Gerade die Gastronomie ist da schon weit und setzt auf digitale Bestell- und Bezahlsysteme, ohne Papier mit digitalem Bon. Geht auch beim bestellen viel schneller. :-)

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Werner
Werner

Mein Friseur hat jeden Betrag per Bleistift notiert..es ging ihm gut.
Klar ist es unfair Lohnsteuer direkt abzuziehen, während andere ’nach Bedarf‘ versteuern können.
Einige Geschäfte werden sich in Zukunft wohl nicht mehr lohnen.
Kritikwürdig ist aber auch unser unersättlicher Staat mit reichlich Verschwendung einerseits und der andererseits alles denkbare besteuert. Mobilfunk Lizenzen z.B. ..derer Verkaufspreis die Bürger via Gebühr mitfinanzieren müssen..Man hat aus UMTS nichts gelernt, Hauptsache Einnahmen.

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Shred
Shred

Admin, Smartbeleg, Wunderbon… Das kann doch nicht die Lösung sein, dass jeder sein Süppchen kocht und der Kunde am Ende gleich mehrere Apps installiert haben muss. Der Staat muss hier dringend eine offene Schnittstelle vorgeben! Dann würde eine App reichen, und es hätten auch Open Source-Apps eine Chance, die nicht daran interessiert sind, die gesammelten Daten zusätzlich zu monetarisieren.

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Tobias Weidemann

Mich wundert in der Tat auch, dass es da keine (im Ausland erprobte, wir Deutschen erfinden da das Rad ja nicht neu!) Lösung gibt, die man dann „einfach“ auf deutsche Verhältnisse überträgt.

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Peet
Peet

Ich kaufe im Supermarkt eine Milch und eine Banane.
Oder im Café eine heisse Schokolade. Ich zahle bar und will keinen Bon.
Und schon gar keinen QR Code scannen oder eine App nutzen. Warum auch?

Das sollte mir als Kunden auch alles egal sein.
Dann muss beim Händler automatisch ein Beleg fürs Finanzamt digital gespeichert werden.

Dann muss ich als Kunde kurz warten, bis eine grüne Lampe leuchtet.
Dann weiss ich, dass der Prozess ordnungsgemäss abgelaufen ist.
Das halte ich für zumutbar als Kunde.

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Dieter Petereit

Das sehe ich noch etwas anders. Mir als Kunde muss es vollkommen wurscht sein dürfen, was der Händler für einen Struggle mit seinem Finanzamt hat. Ich bin doch kein Steuergehilfe.

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Jannik

Wir bei soil beschäftigen uns ebenfalls mit dem Thema digitaler Kassenzettel. Schaut doch mal auf unserer Webseite vorbei: http://www.greensoil.io.

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