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Jede vierte Bank hat schon ein Fintech gegründet

Wie verhalten sich etablierte Banken gegenüber Fintechs? Eine Studie hat die Strategien untersucht. (Foto: Vichie81/Shutterstock)

Banken suchen „eindeutig Nähe zu digitalen Innovatoren”, sagen die Autoren der Studie. Die Aufgeschlossenheit gegenüber der Zusammenarbeit mit bestehenden Finanz-Startups hänge jedoch vom Bankentyp ab.

Ist die Bankenbranche doch innovativer als gedacht? Das zumindest legen nun die Ergebnisse des neuen „Branchenkompass Banking 2017” von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut nahe. Die Banken in Deutschland, heißt es dort, würden sich „unter die Fintechs mischen”. Jedes vierte Institut und somit ganze 27 Prozent hätten selbst ein Fintech gegründet, beispielsweise in Form einer selbstständigen Digitaleinheit unter dem Konzerndach oder als komplett losgelöste Marke.

Immerhin 61 Prozent der Institute würden „in irgendeiner Form mit einem Finanztechnologieunternehmen zusammenarbeiten”. Übernahmen hingegen seien „weniger verbreitet”. Die Banken, sagen die Autoren der Studie, suchten damit „eindeutig die Nähe zu den digitalen Innovatoren”. Ziele seien, Kundenerlebnis und Abläufe zu verbessern sowie digitale Leistungen wie im Zahlungsverkehr durch mobile Verfahren sowie in der Beratung durch Robo-Advisor voranzutreiben.

„Fintech-Affinität” hängt mit Geschäftsmodell zusammen

Je nach Bankentyp, heißt es, unterscheide sich die Aufgeschlossenheit gegenüber der Zusammenarbeit mit einem Finanz-Startup. Die Fintech-Affinität der Banken hänge im Wesentlichen mit dem Geschäftsmodell zusammen. Vor allem die Direktbanken seien aufgeschlossen gegenüber einer Zusammenarbeit. Häufige Partner sind Plattformen wie Lendstar, Moneymeets und Wikifolio.

„Die Großbanken ergänzen Leistungen eher selektiv, beispielsweise beim Scannen von Überweisungen per Smartphone. Zudem entwickeln diese Institute mehr selbst”, sagt Stefan Lamprecht, Division-Director Banking von Sopra Steria Consulting. Ein inzwischen verbreiteter Weg für mehr Inhouse-Innovationen sei die Gründung eigener Fintechs, wie die von der Deutschen Bank gegründete „Digitalfabrik”.

Solche Gründungen seien inzwischen genauso verbreitet wie die punktuelle Zusammenarbeit mit Startups. Weniger attraktiv hingegen sei der Kauf eines Technologieunternehmens. Nur 16 Prozent der Bankentscheider berichten von umgesetzten Fusionen, wie es etwa der Kauf von Easyfolio durch die Privatbank Hauck & Aufhäuser gewesen ist.

Aufkauf bedeutet hohe Investitionen

Diese Zurückhaltung an einer Übernahme, heißt es in der Studie, habe Gründe: So verspreche der Kauf erfolgreich am Markt tätiger Fintechs zwar eine exklusive Nutzung der vom Startup entwickelten Technologien. Eine Akquisition sei jedoch mit großen finanziellen Belastungen verbunden. „Viele Fintechs werden im Markt sehr stark bewertet. Ein Aufkauf bedeutet hohe Investitionen zur Weiterentwicklung. Dazu kommt die schwierige Integration beider Unternehmenskulturen”, sagt Stefan Lamprecht. Unklar sei so beispielsweise, ob die Gründer nach der Übernahme „weiter am Ball bleiben und die digitale Einheit wie bisher vorantreiben”.

Durch Kooperationen ließen sich dagegen mit wenig Aufwand und Risiko schnell Leistungen ergänzen. „Der Markt ist sehr schnell. Es ist ungewiss, welche Produkte sich letztendlich durchsetzen und vom Kunden akzeptiert werden. Mit Kooperationen sind kurzfristige Wechsel der Anbieter und der Technologien je nach Marktentwicklung steuerbar”, sagt Lamprecht.

Banken-Führungskräfte im Think-Tank

Die Ergebnisse der Studie „Branchenkompass Banking 2017” wurden in zwei Schritten erhoben. Sopra Steria Consulting und das F.A.Z.-Institut haben erstmals Banken-Führungskräfte in einem Think-Tank zusammengebracht und mit ihnen über die Themen diskutiert, die die Branche bewegen. Regulatorik, Operations-Management und Digitalisierung standen hierbei im Fokus, sagen die Studienautoren.

Im Mai 2017 wurden darüber hinaus 103 Führungskräfte aus Banken und Kreditinstituten zu den Branchentrends, Herausforderungen und Strategien befragt. Die Online-Befragung wurde unter Entscheidern von Banken mit Bilanzsummen über 500 Millionen Euro durchgeführt.

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