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Brandbrief an die Bundesregierung: Netzbetreiber wehren sich gegen flächendeckendes 5G-Netz

(Foto: Shutterstock)

5G soll das Internetzeitalter noch einmal revolutionieren. Doch wird Deutschland wirklich zur funklochfreien Republik? Die Netzbetreiber wehren sich dagegen, das neue mobile Super-Internet überall anzubieten.

Es ist eine Entscheidung mit enormer Tragweite für Bürger und Unternehmen: Zwischen Regierung und Netzbetreibern ist ein heftiger Streit über die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G entbrannt. Dieser soll für viel schnelleres Internet als bisher sorgen. In einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) drohen Manager von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica mit Klagen und warnen vor einer „extensiven Ausweitung von Versorgungsauflagen“ – also der Pflicht, auch alle ländlichen Regionen zu hundert Prozent mit teuren 5G-Masten abdecken zu müssen.

Die Manager werfen der Politik eine Erwartungshaltung vor, „die ökonomisch in keiner Weise darstellbar und rechtlich nicht haltbar“ sei. Bis Ende des Monats will die Bundesnetzagentur festlegen, unter welchen Auflagen im Frühjahr 2019 5G-Frequenzen versteigert werden.

Möglicherweise am Freitag, vielleicht erst nächste Woche verschickt die Behörde das Regelwerk an den Beirat – stehen die Bedingungen da schwarz auf weiß drin, dürften wesentliche Änderungen schwer machbar sein. Die Zeit drängt also – für die Netzbetreiber, um die Auflagen niedrig zu halten, und für die Politiker, um den Bürgern und damit ihren Wählern ein umfassendes mobiles Internet verkünden zu können.

5G-Ausbau „unfassbar teuer“

Das Thema 5G sorgt auch innerhalb der Berliner Regierungskoalition für Knatsch. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) betont seit längerem, ein flächendeckender 5G-Ausbau sei „unfassbar teuer“. Die Haltung Brauns passt aber mehreren Ministern, auch aus der Union, und dem Koalitionspartner SPD gar nicht. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach am Donnerstag von einer „politischen Bankrotterklärung“, wenn Braun sich mit einer 5G-Versorgung der Ballungsgebiete zufriedengebe.

Das 5G-Thema beschäftigte am Donnerstag auch das Bundeskabinett bei einer Klausurtagung zum Thema Digitalisierung in Potsdam. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannte sich dort zum Ausbau des mobilen Internets in Deutschland, sagte aber, dass dies „natürlich nichtfür alle 5G umfassen kann“. Klingbeil betonte hingegen für die SPD-Spitze: „Wir brauchen eine Ausschreibung, die sicherstellt, dass alle Menschen in Deutschland Zugang zu 5G bekommen, unabhängig davon, wo sie wohnen.“ Merkels Kanzleramtschef Braun bekam auch von Unionskollegen Gegenwind: Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) forderten auch 5G für alle.

Eine Sprecherin Seehofers sagte, das Ziel müsse eine 100-prozentige Abdeckung sein. Eine Versorgung mit dem Hochgeschwindigkeits-Internet nur für 98 Prozent der Haushalte, wie es bisher die Vorgaben für die 5G-Versteigerung der Bundesnetzagentur vorsehen, bedeute, dass rund 15 bis 20 Prozent der Fläche nicht damit versorgt würden. „Und das sind naturgemäß ländliche Regionen.“ Klöckner sagte der Rheinischen Post: „Es gibt zu viele weiße Flecken auf der Landkarte.“ Ziel sei eine „zeitnahe Abdeckung von 99 Prozent aller Haushalte“, die restliche Lücke solle dann über Förderprogramme geschlossen werden.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es aus der Mobilfunk-Branche, die Erwartung einer Vollabdeckung sei ein völlig unrealistisches Wunschkonzert. Würde man Vorgaben zu einem flächendeckenden 5G-Ausbau umsetzen, käme es zudem zu einer „Verspargelung“ der Landschaft. Denn die leistungsstarken 5G-Masten haben eine geringere Reichweite als 4G-Anlagen, es müssten deutlich mehr gebaut werden als beim aktuellen 4G-Netz. Außerdem: Privatkunden bräuchten ohnehin kaum 5G, für die meisten Mobilsurfer reiche 4G völlig aus, heißt es aus der Branche.

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3 Reaktionen
Snafilu

"Privatkunden bräuchten ohnehin kaum 5G, für die meisten Mobilsurfer reiche 4G völlig aus, heißt es aus der Branche." - Bitte merken, wenn sie Euch dann teurere Tarife aufquatschen wollen.

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Paul Simon

Das läuft in Deutschland einfach komplett falsch, der Staat sollte für die Netze sorgen, welche dann von Anbietern "gemietet" werden können. Dann bräuchte auch nicht jeder Provider sein eigenes Netz aufbauen und für Bürger wäre eine Versorgung garantiert. Das betrifft auch kabelgebundene Netze.

Andere Länder machen es vor, aber unsere Politiker lassen sich lieber von den Unsummen der Frequenzversteigerung blenden. Zu kurz gedacht und darum schlecht gemacht.

Ein Trauerspiel.

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Titus von Unhold

Die Auktion dient schlussendlich dazu die Kassen zu füllen und nicht Technologie bereit zu stellen.

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