Interview

Die App dieses Mannes hat 300 Millionen Nutzer – jetzt plant er einen ICO

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t3n.de: Warum habt ihr euch bei Kin für Ethereum entschieden?

Wir haben eine ganze Reihe unterschiedlicher Blockchains analysiert und sind dann zu dem Schluss gekommen, dass Ethereum am fortschrittlichsten ist. Allerdings ist auch Ethereum nicht perfekt. Bitcoin ist der Ursprung, Ethereum ist quasi Blockchain 2.0, weil man digitale Verträge jetzt mit einer Logik versehen kann. Allerdings glaube ich auch, dass wir eine Blockchain 3.0 benötigen, die auch wirklich skaliert. Das große Problem an Ethereum ergibt sich für uns aus der Tatsache, dass selbst, wenn wir jedem unserer Nutzer nur fünf Kin geben wollen, die Ethereum-Blockchain für ganze 23 Tage verstopft ist.

t3n.de: Und ihr würdet bei eurem ICO auf ERC20 Tokens auf der Ethereum-Blockchain setzen?

Ja, genau. Wobei die Skalierbarkeit echt unser größtes Problem ist. Es fühlt sich für mich einfach ein wenig wie die Dial-up-Ära der Blockchain an. Wir brauchen aber Kabelmodems.

t3n.de: Bist du denn zuversichtlich, dass die Ethereum-Community das Problem lösen wird? Derzeit ist ja zum Beispiel Casper im Gespräch.

Casper und Proof of Stake sind vielversprechend, aber wir verfolgen einen agnostischen Ansatz. Am Ende des Tages gibt es zwei mögliche Szenarien: Die erste Option ist, dass Ethereum auf Proof of Stake umgestellt wird und dadurch besser skaliert. Die zweite Option ist, dass eine völlig neue Blockchain das Licht der Welt erblickt und das mit Ethereum macht, was Ethereum mit Bitcoin gemacht hat. Ich hoffe, dass wir unsere Pläne mit Ethereum durchsetzen können, aber wir müssen aktuell einfach abwarten.

t3n.de: Habt ihr euch EOS angesehen?

Absolut! Das Gute ist, dass wir ein Team von rund 150 Menschen haben, das jede mögliche technische Option evaluiert. Aktuell ist meiner Meinung nach einfach nicht klar, welche Blockchain gewinnen wird.

t3n.de: Also seid ihr doch noch nicht sicher, ob ihr auf Ethereum setzen wollt?

Nein, derzeit warten wir auf eine skalierende Lösung und bieten auf mehrere Pferde.

t3n.de: Das wirft natürlich die Frage auf, wann genau man mit eurem ICO rechnen kann.

Wir wollen sicherstellen, dass wir das Ganze richtig machen. Daher lassen wir uns Zeit. Und darum kann ich aktuell nicht mehr sagen als: sobald wie möglich.

t3n.de: Ihr wollt beim ICO zehn Prozent der Token öffentlich ausgeben. Unter anderem wollt ihr Kin aber auch an Entwickler ausschütten. Was genau steckt dahinter?

Wir nehmen einen Großteil von Kin und verteilen die Coins an Entwickler, die uns dabei unterstützen, das Ökosystem weiterzuentwickeln. Es geht im Kern darum, dass Nutzer in Kik quasi Kin verdienen und ausgeben können. Entwickler können Dienstleistungen innerhalb von Kik bauen und werden dafür belohnt. Anders als bei Bitcoin belohnen wir damit nicht eine kleine Minderheit, die die Infrastruktur betreibt, sondern wir belohnen Entwickler, die das Ökosystem rund um die Kryptowährung vorantreiben.

Wir sagen dem Entwickler also: Hey, wenn du Kin in deine Apps und Dienste integrierst, baust du einen Ort, an dem Kin verdient und ausgegeben werden kann. Das wiederum steigert die Nachfrage, was den Wert der Währung insgesamt steigert.

t3n.de: Wie groß ist denn der „Großteil“, von dem du sprichst?

Wir verkaufen zehn Prozent aller Coins. 30 Prozent legen wir für künftige Investitionen zurück und 60 Prozent gehen in die Kik Foundation, deren primäres Ziel ist, Entwickler für ihre Arbeit zu belohnen. Das Coole daran ist, dass wir den monopolistischen Tech-Konzernen nicht allein die Stirn bieten können – aber wenn wir diese Kryptowährung richtig hinbekommen, können wir ökonomisch eine große Gruppe von Entwicklern hinter uns vereinen, um den Kampf gemeinsam aufzunehmen.

Mit unserem Kin-Reward-Programm für Entwickler werden wir erstmals ein nachhaltiges Geschäftsmodell für all die kleinen Entwickler erschaffen. Wir bieten nicht einen einzigen großen Service, sondern wir bereiten Tausenden von Services den Weg, die sich an individuellen Bedürfnissen orientieren können.

t3n.de: Werden denn die Nutzer, die am öffentlichen ICO teilnehmen, ihre Coins nur innerhalb von Kik nutzen können? Oder werden sie auch auf den Exchanges handelbar sein?

Ich denke, Kin wird so oder so auf den Exchanges landen. Das Schöne an Kryptowährungen ist doch: Sobald ich einen Coin gekauft habe, gehört er mir und ich kann damit machen, was ich will. Wenn du dein Kin auf Kraken handeln willst, warum nicht?

t3n: Abschließend noch eine Frage zum ICO. Wird es – wie bei vielen vergangenen ICOs geschehen – einen Presale geben?

Der Presale ist eigentlich schon abgeschlossen und hat sich in erster Linie an Großinvestoren gerichtet. Da wir uns ja auch noch gar nicht final für eine Blockchain entschieden haben, lief der Presale für ICO-Standards eher ungewöhnlich nicht mittels anderer Kryptowährungen ab.

t3n.de: Ted, ich danke dir für das Gespräch!

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6 Kommentare
Zoran

Ein sehr interessanter Artikel, ich wundere mich allerdings dass IOTA http://iota.org hier nicht erwähnt wird. Man ist geneigt zu sagen, „da gibt’s schon etwas, nennt sich IOTA“.

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ogdima
ogdima

Volle Zustimmung

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Alex
Alex

Wenn Kik so wahnsinnig viel Research betrieben hat, wie kommt es, dass sie an Iota vorbeiresearched haben? Immerhin ist Iota auf Platz 8 bei Coinmarketcap und hat untertrieben gesagt nur Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Blockchain Cryptocurrency, keine Fee, Quantum Secure, unendlich skalierbar um nur ein paar Vorteile zu nennen…

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Patrick
Patrick

Muss mich meinen Vorredner anschließen, IOTA hat bereits die Probleme der blockchain und des Ethereum-ledger gelöst. IOTA braucht keine miner und Blöcke, ist quantencomputersicher, 100% skalierbar, hat keine Transaktionskosten und ermöglicht dadurch micropayments. Mehrere große Unternehmen (Bosch,Cisco,Innogy etc.) arbeiten bereits mit der IOTA foundation zusammen. IOTA ist außerdem Teil des Bundesverbands Blockchain.
Habt ihr die bei eurer Recherche tatsächlich übersehen? Dann holt das gerne hier nach

http://iota.org
https://www.reddit.com/r/Iota/
http://www.tangleblog.com
Oder einfach mal googlen, gibt mittlerweile dutzende Artikel

Die neuste Partnerschaft: SatoshiPay phases out Bitcoin, partners with IOTA Foundation
https://twitter.com/SatoshiPay/status/886833676180492288

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Andreas Lenz

naja, IOTA ist Theorie und hätte inhaltlich in den Artikel gepasst. Kik dagegen hat 300 Millione Nutzer, ein Tencent Backup (wechat) und ist seit Jahren Aktiv. Weiter handelt es sich ja um ein dediziertes Kik-CEO-Interview und nicht um einen vergleichenden Artikel.

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Alex
Alex

Hi Andreas, das stimmt so nicht, Iota wird aktiv genutzt, z.B. hat Satoshipay gerade entschieden, Iota anstatt Bitcoin als Backbone zu verwenden. Es war auch keine Kritik am Artikel, bitte verstehe mich nicht falsch, sondern an der Argumentation eine neue Blockchain entwickeln zu müssen, die letztlich die typischen Probleme nicht wirklich löst, sondern den ursprünglichen Sinn, nämlich dezentralisierung, ad absurdum führt. Zudem gibt es mit Iota eine Technologie, die existent ist und der Blockchain in allen Punkten überlegen ist. Keineswegs Theorie, sonst wäre Iota nicht auf Platz 8 in Coinmarketcap. Und ich hätte kaum Geld damit ins Ausland überweisen können…

Letztlich ist das Kritik an Kik…

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