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Brave 1.0: Neuer Browser will Privatsphäre und Werbung vereinen

Brave 1.0 ist da. (Grafik: Brave Software)

Nach vier Jahren Entwicklungszeit hat Brave Software die Version 1.0 des eigenen Browsers offiziell vorgestellt. Ziel des Browsers ist einerseits der Schutz der Privatsphäre der Nutzer und andererseits der Aufbau eines neuen Werbemodells zur Finanzierung von Netz-Inhalten.

Mit der Version 1.0 bringt Brave sein auf Krypto-Token basierendes Zahlungs- und Vergütungsmodell erstmals auch auf iPhones und iPads. Unter Android, Windows, macOS und Linux funktionierten die sogenannten BAT (Basic Attention Token) schon länger.

Das ist Brave

Brave ist ein verhältnismäßig neuer Browser, der von einem Startup rund um den ehemaligen Mozilla-Mitgründer und JavaScript-Erfinder Brendan Eich für alle wichtigen Betriebssysteme entwickelt wird. Der Fokus des Seitenbetrachters liegt klar auf dem Schutz der Daten seiner Benutzer. Deshalb gehört es zu seinen wichtigsten Features, konventionelle Online-Werbung sowie sämtliche Tracker ab Werk komplett zu blocken.

Brave kommt mit eigenem Krypto-Token

Da Brave allerdings durchaus erkannt hat, dass ein Netz komplett ohne Werbung einen großen Teil seiner Finanzierungsgrundlage verliert und so auf Dauer verödet, gibt es innerhalb des Browsers ein eigenständiges Werbemodell, das nicht nur die Seitenbetreiber für das Anzeigen, sondern auch die Nutzer über die sogenannten Brave Rewards für das Anschauen von Bannern und anderen Werbeformen vergütet.

Kern dieser Idee ist das Brave-eigene Zahlungssystem, Basic Attention Token (BAT) genannt. BAT basiert auf Krypto-Technologien, kann also zur anonymen Zahlung von Leistungen im Netz verwendet werden. Das bereits im Jahr 2017 eingeführte System konnte bislang schon genutzt werden, um Seitenbetreibern Micropayments für ihre Leistungen zukommen zu lassen und ist ebenso dafür konzipiert, dass Werbetreibende Werbeplätze bei Seitenbetreibern damit bezahlen.

Brave steht auf allen wichtigen Plattformen bereit. (Quelle: Brave Software)

Brave steht auf allen wichtigen Plattformen bereit. (Bild: Brave Software)

Grundlegend andere Werbetechnologie schützt Privatsphäre

Dafür gibt Brave nicht etwa das strikte Blocking von Bannern und Trackern auf, sondern stellt seine eigene Werbetechnologie daneben. Die verlagert die Auswahl der anzuzeigenden Banner auf den lokalen Rechner des Benutzers. Hierzu wird eine Datenbank mit gebuchten Anzeigen heruntergeladen.

Die Personalisierung der Anzeigen, also die Entscheidung über die konkret anzuzeigende Werbung, findet per KI ebenfalls lokal statt. So kann Werbekunden weiterhin das lukrativere Targeting-Geschäft angeboten werden, ohne dabei jedoch Nutzerdaten in die Cloud senden zu müssen. Lediglich die ausgewählte Anzeige wird über das Netz geladen, ohne dabei den Nutzer zu tracken.

Brave-Nutzer werden nicht in dieses System gezwungen, sondern können auch weiterhin jede Form von Werbung automatisch blocken lassen. Braves Werbemodell setzt die Einwilligung der Nutzer im Rahmen eines Opt-in voraus.

Brave basiert auf Chromium und Webkit

Der Brave-Browser basiert auf Chromium und steht für Windows, macOS, Linux, Android und iOS zur Verfügung. Unter iOS nutzt Brave nicht den Unterbau von Chromium, sondern Safaris Webkit. Das liegt nicht an den Entwicklern, sondern an Apple. Nach den Review-Richtlinien des App-Stores ist unter iOS die Webkit-Nutzung Pflicht für Apps, die Webviews zeigen.

Die Werbeplattform auf der Basis der BAT funktioniert plattformübergreifend. Allerdings können sich Wallets auf unterschiedlichen Geräten bislang nicht synchronisieren. So können Nutzer etwa ihren auf dem Desktop vorhandenen BAT-Bestand auf mobilen Geräten nicht verwenden, sondern müssen dort einen eigenen führen. Diese Einschränkung will Brave im kommenden Jahr beseitigen.

Nutzerzahlen insgesamt eher niedrig

Nach eigenen Angaben konnte Brave schon 8,7 Millionen aktive Nutzer für sich gewinnen. Das Team des Software-Hauses ist auf über 100 Mitarbeiter angewachsen. Die Finanzierung stellt sich als machbar dar. Vor allem der Name Brendan Eich hat in der Branche eine hohe Zugkraft.

Dennoch sind knappe zehn Millionen Nutzer im Vergleich zu einer Milliarde Chrome-Nutzern und rund 250 Millionen Firefox-Nutzern eine vergleichsweise geringe Basis. Das könnte insbesondere die Werbe-Plattform für Kunden weniger interessant erscheinen lassen.

Brave verspricht deutlich bessere Performance

Browser-Nutzer hingegen freuen sich über die deutlich gesteigerte Performance des Brave-Browsers im Vergleich zu den populäreren Alternativen. Brave verspricht eine doppelte Geschwindigkeitssteigerung auf dem Desktop und eine zwei bis acht Mal höhere Performance unter Mobilsystemen.

Den Brave-Browser könnt ihr hier und in den großen App-Stores herunterladen.

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9 Kommentare
yadd
yadd

„Brave 1.0: Neuer Browser will Privatsphäre und Werbung vereinen“

Jetzt neu: Murmel 2.0 will den runden Würfel herausbringen

Werbung ist toxisch, immer.

„Da Brave allerdings durchaus erkannt hat, dass ein Netz komplett ohne Werbung einen großen Teil seiner Finanzierungsgrundlage verliert und so auf Dauer verödet, …“

Diese „Erkenntnis“ kommt aus der Jauchegrube derjenigen, die mit Werbung Geld machen.

Mit kommt keine Werbung ins Haus, ich möchte sie nicht, sie bringt mir keine Erkenntis, kostet Bandbtreite und Energie und Screenestate. Warum also?

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Dieter Petereit

Jawoll. Die Argumentation kennen wir zur Genüge.

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yadd
yadd

Weil sie 1. richtig ist und man sie 2. nicht genug wiederholen kann, so lange irgendwelche Personen damit kommen, dass alles montetarisiert werden müsste.

Dieter Petereit

Nehme an, du gehst rein ehrenamtlich arbeiten oder monetarisierst du deine Zeit etwa?

Daniel
Daniel

Vielleicht weil Server, Content und und und auch Geld kosten? Nur so ein Gedanke. Schließlich werden Sie auch nicht nur mit Luft und Liebe für ihre Arbeit bezahlt.

Die Erkenntnis das Webseiten und Apps finanziert werden müssen kommt eigentlich jedem der nur ein wenig ökonomischen Sachverstand besitzt. Bis jetzt gibt es entweder Werbung oder Paywalls. Ersteres ist das kleinere Übel. Aber vielleicht sind Sie ja ein großer Paywall Befürworter.

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yadd
yadd

Es ist nicht die Aufgabe eines Browsers für die Monetarisierungsumgebung für eine Seite oder einen Service zu sorgen. So funktionieert das Netz nicht, denn dann sind die gatekeeper die einzigen, die darüber bestimmen, was Inhalt des Netzes ist.

Die Lösung ist einfach. Services die sich nicht als Abo tragen oder eben kostenlos sind, brauchen wir nicht.

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Kasulke
Kasulke

Blödsinn bleibt Blödsinn. Egal in welcher Verkleidung er formuliert wird.

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Sacha Heck

Ich nutze Brave schon länger, vielleicht 2 Jahre oder so und ich liebe den Browser. Er funktioniert super, hat nützliche Tools an Bord. Vor allem die Privacy Features sind schon toll. Laut Browser hab ich seither 3,5 Stunden Zeit gespart dadurch das er schneller lädt und halt verschiedene Ads und Tracker blockt. Ich mag auch die Shield Anzeige wo man auf einen Blick sieht welche Cookies gesetzt werden. Hier z.B. gerade 8 Cross-Site Trackers ;-)

Viele Grüße,
Sacha

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Mitch

Lustig, ublock origin sagt „14 requests blocked“. Ok, muss nicht vergleichbar sein :-)

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