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Brexit-Ratgeber für Onlinehändler: Was beim ungeregelten Austritt passiert

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Darüberhinaus muss geprüft werden, für welche Waren in Großbritannien Genehmigungen und Einfuhrlizenzen nötig sind. Dasselbe gilt für Ausfuhrlizenzen aus der EU.

Bankkonten in Großbritannien und SEPA-Zahlungen

Das SEPA-System arbeitet voraussichtlich weiterhin mit den nationalen Zahlungssystemen in Großbritannien zusammen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Großbritannien die Zusammenarbeit mit einem Brexit beenden würde.

Unternehmenskonten in Großbritannien sind bis zu einer Neuregelung weiterhin über den europäischen Einlagensicherungsfonds abgesichert.

Geoblocking-Verordnung, Datenschutz, Widerruf

Die Geoblocking-Verordnung bleibt für Onlinehändler mit Sitz in der EU bestehen, britische Kunden dürfen weiterhin nicht aufgrund des Wohnsitzes diskriminiert werden.

Der Datenschutz gestaltet sich komplex: Die Regelungen der DSGVO würden zwar nicht mehr für britische Kunden greifen, aber für die Sammlung von Daten europäischer Kunden in Großbritannien. Dafür müssten Onlinehändler außerdem noch die Zustimmung des Kunden einholen – zumindest bis die EU-Kommission das Datenschutzniveau von Großbritannien als angemessen befindet.

Zum Widerrufsrecht ist bisher nichts bekannt; da das dortige Widerrufsrecht auf EU-Recht basiert, müsste der britische Gesetzgeber das erst regeln.

Eine Gewährleistungspflicht für Händler wird weiterhin bestehen, Reparatur oder Ersatz kann bei Neuwaren in England, Wales und Nordirland sechs Jahre lang eingefordert werden, in Schottland fünf Jahre lang. Unklar ist das Thema Beweislastumkehr, das bisher auf der Basis von EU-Recht festlegt, dass nach sechs Monaten der Kunde nachweisen muss, dass die Ware von Anfang an fehlerhaft war. Hier müsste der britische Gesetzgeber ebenfalls Regelungen schaffen.

Limited als Gesellschaftsform

Laut der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer und beispielsweise der IHK München wird eine Limited mit deutschen Verwaltungssitz meist nicht bestehen bleiben. Die Rechtsform wird in Deutschland dann nicht mehr anerkannt. Das Unternehmen würde dann in Deutschland wie eine Personengesellschaft behandelt werden und die persönliche Haftung der Gesellschaft tritt ein.

Die Handelskammern empfehlen Unternehmen eine Verschmelzung mit einer deutschen GmbH oder UG, um so als Rechtsnachfolger der bisherigen Limited zu gelten, oder eine Umformung in eine belgische Gesellschaft mit beschränkter Haftung (BV). Sollte die englische Limited liquidiert werden, ist das neue Unternehmen kein Rechtsnachfolger.

Die schnelle Brexit-Checkliste

  1. Einfuhrumsatzsteuernummer beim HMRC beantragen.
  2. Falls Umsatzsteuer nicht vom Paketdienst abgeführt werden soll, sondern Händler selbst überweisen wollen: beim Umsatzsteuer-Onlineservice des HMRC anmelden.
  3. Prozess für Zollanmeldungen definieren. EORI-Nummer und Zugang zur Zoll-Software Atlas beantragen. Für Waren mit anfallender Verbrauchssteuer zusätzlich Zugang zum britischen EMSC beantragen.
  4. Gegebenenfalls bisher gezahlte Umsatzsteuer in Großbritannien schnellstmöglich – also vor dem 31. Oktober – zurückfordern
  5. Prüfen, ob genehmigungspflichtige Waren (zum Beispiel Medizinprodukte) vertrieben werden. Notwendige Genehmigungen müssen bei den zuständigen Behörden in Großbritannien erneut eingeholt werden.
  6. Kann ein Nachweis des Warenursprungs erbracht werden, falls nötig?

Weiterführende Informationen zum Brexit

Neben Leitfäden der EU-Kommission, der britischen Regierung und des deutschen Zolls hat auch Ebay einige Informationen zusammengetragen. Auch die IHK München und die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer haben eigene Brexit-Ratgeber zur Verfügung gestellt.

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Ein Kommentar
con2art
con2art

Ihr habt vergessen zu erwähnen, dass alles seine Gültigkeit verliert. Ihr sprecht nur von „Genehmigungen“.

Technische Geräte, Bekleidung, Spielzeug, alles was auch Holz, Plastik oder anderen Materialen besteht, muss erst zertifiziert werden. Nahrungsmittel und lebende Wesen müssen ärztlich begutachtet werden. Gefahrenstoffe (Wie Batterien oder Treibstoffe) müssen gesondert genehmigt werden.

Warum?
Weil jegliche Vereinbarung wegfällt, nicht nur so simple Dinge wie die „Zollvereinfachungen“, sondern alles. Keinerlei Abkommen, keine Zertifizierungen mehr, gar nichts.
Ob Fahrzeuge überhaupt über die Grenze kommen, ist auch fraglich, schon allein, weil die Anerkennung der Führerscheine, wie auch der Fahrzeugzulassungen wegfällt.

Drittland ist zwar richtig, aber eigentlich der falsche Begriff. Man müsste eigentlich sagen „Land, dass mit der EU dann weniger Vereinbarungen hat, als Nordkorea.“

Antworten

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