Porträt

Wie Bridgit Google disrupten will

Bridgit will revolutionieren, wie Menschen ihre Informationen sammeln. (Foto: Shutterstock)

Das Startup Bridgit will revolutionieren, wie wir im Internet Informationen suchen, diskutieren und verwalten, und wurde dafür am 25. Februar von der Europäischen Kommission mit dem Next Generation Internet Award ausgezeichnet.

„Die Suche, wie wir sie kennen, ist zerstört“ – Daveed Benjamins Hände kneten die Luft vor sich, als versuchte er, hier und jetzt das Internet heilen. „Und das wollen wir, nein, das müssen wir ändern.“ Benjamin ist der Gründer von Bridgit, einem Startup aus Oakland in Kalifornien, das sich nichts Geringeres vorgenommen hat als das Internet wieder zu der basisdemokratischen egalitären Kraft zu machen, die es einmal hätte sein sollen. „Wann hat das letzte Mal jemand gesagt: Ich surfe im Web?“ – die Antwort hat Benjamin natürlich bereits selbst. „Das ist Jahre her. Vielleicht sogar ein Jahrzehnt. Weil wir nicht mehr durchs Internet stöbern. Wir googeln heute. Und deshalb bestimmt Google alles, was wir sehen vom Internet. Durch bezahlte Werbung. Aber auch durch ihren Algorithmus. Wir sehen das Internet durch ein kleines Fenster. Und wir hüpfen hin und zurück. Zwischen einzelnen Seiten und Google. Wir sehen nicht mehr das gesamte Bild.“

Die Idee von Daveed Benjamin ist, eine Erweiterung von Browsern zu entwickeln, die er das Overweb nennt. Dies soll den Nutzern erlauben, so genannte Brücken zwischen Inhalten anzulegen. Dabei liegt das Augenmerk nicht auf einer Internetseite so wie bei klassischen Links, sondern auf jedwedem Element von Information. Es kann also eine 15 Sekunden lange Sequenz eines Videos mit einem Absatz eines Nachrichten-Artikels verbunden werden. Damit wollen Benjamin und seine Kollegen erreichen, dass die Nutzer selbst festlegen, welche Inhalte eine relevante Verbindung zueinander haben. „Ein Problem ist natürlich die kritische Masse“, erklärt Benjamin. „Ein solches Overweb wird dann spannend, wenn Millionen Menschen dazu beitragen. Dann kristallisiert sich ein Netz aus Informationen heraus, mit schwachen und starken Verbindungen, mit Informationspfaden, die die Menschen nutzen können.“ Wenn er über diese mögliche Zukunft seines Projekts redet, dann bekommen seine grünbraunen Augen einen energischen Ausdruck. Benjamin glaubt an seine Idee. So wie seine mittlerweile 23 Mitstreiter. Alle arbeiten ohne Gehalt, sie werden bisher noch in Optionen auf spätere Einnahmen von Bridgit bezahlt.

Informationen für später speichern

Das Overweb soll sich nicht nur im Verknüpfen von Informationseinheiten erschöpfen. Nutzer sollen im fertigen Produkt auch Diskussionen führen, Inhalte kommentieren und einander auf Verknüpfungen hinweisen können. Bridgit will auch revolutionieren, wie Menschen ihre Informationen sammeln. „Wenn wir etwas gefunden haben, das uns interessiert, dann können wir ein Bookmark setzen, oder uns auf Facebook einen Beitrag merken. Manche Nutzer schicken sich selbst E-Mails, andere speichern sich Links in Word-Dateien. Am Ende steht ein riesiges Durcheinander aus Informationsschnipseln, das keiner mehr durchschaut. Noch mehr Informationen, die uns eigentlich interessiert haben, gehen einfach verloren.“ Das Overweb wie Benjamin es sich vorstellt will seinen Nutzern die Möglichkeit geben, alle Informationen, die sie im Netz gefunden haben, für sich zu speichern, damit sie sie tatsächlich nutzen können.

Noch sind Benjamin und seine Mitstreiter mit ihrem Projekt am Anfang. Im Januar 2018 haben sie mit der Arbeit begonnen, bisher steht ein erster Proof-of-Concept, der aber erst wenige Funktionalitäten abbildet. Da ihr Projekt nicht zum Ziel hat, möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften, sondern „das Internet zu einem besseren Ort zu machen“, wie Benjamin sagt, ist die Suche nach Investoren schwierig. Aber es ist ihnen bereits gelungen, Menschen von ihrer Idee zu überzeugen. Am 25. Februar hat das Team in Barcelona den Next Generation Internet Award überreicht bekommen, der von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde. Bridgit hat die Auszeichnung als Treiber einer disruptiven Technologie gewonnen.

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5 Reaktionen
Julia Nikolaeva

Interessantes Projekt. Drücke den Jungs die Daumen.

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Datenoktupus

Wahrscheinlich will das Projekt auch so ein Datenhungriges Unternehmen werden wie Google & Co. Mit einer Browsererweiterung kann man den Nutzern ganz bequem bei jeder Tätigkeit über die Schulter schauen.

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Bandicood

Disrupten wird für mich das dümmste Wort des Jahres 2019!

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Bernhard

SOLLTE das Projekt den Anschein erwecken relevant zu werden, wette ich dauert es nur 5 Minuten bis eine Armee von Spam-Dienstleistern darüber her fällt.

Es gibt einen Grund warum google die dominante Suche ist: INNERHALB der Trefferlisten ist die Auswahl das objektiv bestmögliche was google dazu findet. Wie das regelmäßige Jammern der SEO-Dienstleister deutlich macht: Schmutzige Tricks werden regelmäßig enttarnt und das Wettrüsten geht permanent weiter. Das Problem ist nicht die Verlinkung der Inhalte, sondern RELEVANZ. Ich möchte nicht die Links von anderen Nutzern sehen. Ich möchte die für mich RELEVANTEN Links sehen.

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Daniel Blum

Was wills? Disrupten??!!

Alter komma klar Vong Sprache her!

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