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Bundesbank-Chef warnt vor Risiken für Finanzstabilität durch Stable Coins

(Foto: Shutterstock)

Facebooks Libra schlägt derzeit weltweit hohe Wellen. Nun äußert sich auch der Vorstand der Bundesbank zum Thema Stable Coins.

Burkhard Balz warnt vor der Unvorhersehbarkeit von Kryptowährungen für die Finanzbranche. Sogar für die globale Finanzstabilität sieht der Banker Risiken. Zudem betont er die Notwendigkeit von innovativeren Zahlungsmethoden in institutionalisierten Finanzstrukturen.

Nachdem in den letzten Tagen Regierende und Finanzbeamte aus aller Welt Stellung zu Libra bezogen haben, meldet sich auch der Vorstand der deutschen Bundesbank zu Wort. In einer Pressemeldung auf der Bundesbank-Website zeigt sich der Banker kritisch gegenüber Stable Coins. Die Meldung vom 21. Juni trägt den Titel „Makroprudenzielle Policies durch die Linse von Sherlock Holmes“. Sie erschien anlässlich der fünften jährlichen Macroprudential Conference.

Makroprudenzielle Maßnahmen richten sich auf die Stabilität eines Finanzsystems als Ganzes. Sogenannte Kapitalpuffer für systemrelevante Banken zählen beispielsweise dazu. Grundsätzlich sollte der Einsatz dieser finanzpolitischen Instrumente nur dann erfolgen, wenn das System nicht in der Lage ist, notwendige Korrekturen und Regulierungen selber durchzusetzen. Sie sind demnach als Ausgleichsmaßnahmen der Zentralbanken in finanzökonomisch instabilen Zeiten gedacht. In Deutschland ist es unter anderem die Bundesbank, die solche makroprudenziellen Maßnahmen beschließt.

Bundesbank bezieht Krypto in makroprudenzielle Politikplanung ein

Balz bemüht zunächst die Metapher von Sherlock Holmes’ forensischer Linse, mit der er deduktive Beobachtungsmethoden der Realität darstellt. Im Klartext heißt das: Der Bundesbank-Vorstand plädiert dafür, finanzpolitische Entscheidungen auf der Basis von Risikoanalysen und wissenschaftlichen Daten zu treffen.

Hinsichtlich Distributed-Ledger-Technologien und Kryptowährungen verweist Balz dementsprechend auf potenzielle Gefahren. Diese bestehen vor allem in der Frage, wie man die 1:1-Kopplung von Stable Coins garantieren kann. Auch diskutiert er mögliche makroprudenzielle Reaktionen auf die skizzierten Risiken. Eine Kopplung über Treuhandfonds bietet demnach nur begrenzte Lagerkapazitäten und erfordert globale Richtlinien zur Regulierung.

Weiterhin merkt der Bundesbank-Vorstand an, dass Stable Coins das Businessmodell von Banken angreifen können, wenn sie Anklang bei den Nutzern finden. Dann könne man eine wechselseitige Stützung zwischen Zentralbanken und Stable-Coin-Providern (wie etwa Facebook) in Erwägung ziehen. Diese Lösung kann allerdings in Krisenzeiten destabilisierende Effekte auf das Geldsystem haben. Der Bundesbank-Vorstand verweist auch auf die G7-Taskforce zum Thema Kryptowährungen. Diese legt im Juli beim Finanzminister- und Zentralbankchefmeeting in Chantilly einen Report zu Stable Coins vor.

Zum Schluss konstatiert Balz, dass Zentralbanken dem Ruf der Zeit nach „billigen, benutzerfreundlichen und unmittelbaren Cross-Border-Payments folgen müssen. „Zeitechte Zahlungen müssen mittelfristig zum Standard in Europa werden.“ Nachdem es in den letzten Tagen vor allem Rufe nach Kontrolle gab, will der Bundesbank-Chef Facebook nun so den Wind aus den Segeln nehmen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei BTC Echo.

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