Glosse

Schweigen im Feld: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ohne Facebook

Kein Facebook, weniger Infos für die Bevölkerung. (Foto: Shutterstock)

Die letzte Milchkanne bekommt nicht nur kein 5G, sondern auch kein Facebook. Was soll’s, Infos zu verseuchten Lebensmitteln verbreiten ja sowieso nur Panik.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist nicht bei Facebook. So ziemlich jedes andere Ministerium treibt sich in Zuckerbergs Hallen herum und bespaßt das gemeine Volk mit Wissenshäppchen – nur ausgerechnet das für Ernährung zuständige Ministerium verweigert seiner Gefolgschaft geistige Nahrung. Dabei sagt Ministerin Klöckner (auf ihrem eigenen Facebook-Account): „Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist das #Lebensministerium! Kein anderes Bundesressort ist so nah an den Alltagsthemen der Menschen: Essen, Trinken, Mensch, Tier, Umwelt, Boden, Wald, Meer, Klima, Ressourcen, ländliche Räume.“

Aber vielleicht hat das mit der ministerialen Abwesenheit bei Facebook ja Vorteile.

Fipronil, Listerien, wer will das schon wissen?

Foodwatch hatte anlässlich der mit Fipronil verunreinigten Eier Ende des vergangenen Jahres so einiges am Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auszusetzen. Ein wesentlicher Kritikpunkt galt der Informationspolitik des Ministeriums in solchen kritischen Situationen. Wieso die Spielverderber des Verbraucherverbandes das so hochjubeln, ist allerdings kaum zu verstehen. Beim jüngsten Fleisch- und Wurstskandal ist die Regierungsbehörde gegen Falschinformation von Mimikama dem Auftrag der Verbraucherinformation doch wunderbar nachgekommen.

Dementsprechend erklärt der Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Hermann Onko Aeikens, zu der Foodwatch-Kritik: „Die Information der Verbraucher über lebensmittelrechtliche Verstöße ist in Deutschland gewährleistet.“ Nachzulesen bei Facebook. (Nein! Natürlich nicht!)

Gut, das wäre geklärt.

Facebook für das Ernährungsministerium? Vielleicht lieber doch nicht

Das Bundesministerium hat für allgemeine Volksinformationen aber einen Twitteraccount, über den Ministerin Klöckner fleißig über Treffen mit Nestle und von den Erfolgen an der Zuckerfront berichtet. Das hat ja bei Rezo und den Grünen für so viel Verwirrung gesorgt. Der Parlamentarische Staatssekretär der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Hans-Joachim Fuchtel, sah sich sogar dazu gezwungen, sich mit Lobbyismus-Vorwürfen der Grünen auseinanderzusetzen. Glücklicherweise lag das aber seiner Meinung nach daran, dass „das Wissen über Abläufe in Ministerien nicht allzu präsent ist bei den Grünen.“

Nun, derart beruhigt lässt sich dann vielleicht doch sagen, dass es ganz gut ist, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, von dem die Grünen traditionsgemäß keine Ahnung haben, sich nicht ständig mit solchen Anschuldigungen auseinandersetzen muss. Auf Facebook.

Ist also wurscht. (Oder, angesichts der Listerien, vielleicht doch lieber Salat?)

Tldr; Facebook ist gerade für das Ernährungsministerium nicht nur für Ernährungstipps, sondern auch im Falle von gesundheitsgefährdenden Nahrungsmittelbelastungen ein sinnvolles Kommunikationsmittel mit der Öffentlichkeit. Nicht das einzige, aber eines der empfehlenswerten. Dass freiwillige Initiativen wie Mimikama den Informationsauftrag übernehmen müssen, ist ebenso erbärmlich wie die Antwort des Ministeriums auf die berechtigte Kritik von Foodwatch.

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2 Kommentare
Martin Wunderlich
Martin Wunderlich

Wird t3n jetzt von Facebook bezahlt, dass nun empörte Artikel in schwer zu lesendem Deutsch geschrieben werden die davon handeln, dass Firma X oder Institution Y dort nicht ist?

Wenn das Ministerium keine Webseite hätte, würde ich die Kritik unterschreiben, aber so ist das albern.

Antworten
Jochen G. Fuchs

Völlig richtig! Die Empörung ist unverständlich. Jeder normale Bürger sucht täglich alle Ministeriumswebsites nach Meldungen ab, die ihn betreffen könnten.

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