Interview

Byton-Chef Carsten Breitfeld: „Das eigentliche Thema der Zukunft sind nicht Elektroautos“

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Wir müssen uns gar nicht abstimmen, wir sind ein eigenständiges Unternehmen. Wir sind ja in Nanjing zu Hause und die Regionalregierung von Nanjing ist Investor bei uns. Das heißt, sie sitzen mit im Board und da ist natürlich Abstimmung notwendig – so wie mit jedem anderen Investor. Davon profitieren wir, weil wir als Byton-Unternehmen in der Jiangsu-Provinz, einer der größten Provinzen in China, als Hyperproject eingestuft werden. Da hat man ein extremes Interesse daran, dass das funktioniert, denn die Provinz soll für das Thema Mobilität führend werden. Wenn es um die Produktionslizenz geht, wenn es um Finanzierung geht, wenn es um Garantien und Rahmenbedingungen geht, dass man zum Beispiel autonomes Fahren testen darf – überall dort, wo wir Unterstützung bei Policys brauchen –, können wir darauf zählen.

t3n: Wie funktioniert die Steuerung eines chinesischen Unternehmens in der Praxis? Reicht Englisch oder haben Sie immer einen Dolmetscher dabei?

Wir haben im Unternehmen die klare Regel, nach der die Unternehmenssprache Englisch ist. Wir erwarten von jedem Mitarbeiter, dass er Englisch spricht und versteht – das ist nur in wenigen Ausnahmefällen nicht so. Auf der Board-Ebene und der Regierungsebene spricht nicht jeder Englisch und bin ich mit Dolmetschern unterwegs.

t3n: Was hat Sie an der chinesischen Kultur überrascht?

Ich habe nicht viel erwartet, denn ich kannte sie vorher kaum. Was auffällig ist: Chinesische Partner sind – ich sage mal – flexibler als in Mitteleuropa. Hier gibt es eine Vereinbarung und an die hält man sich und die ist für alle Zeiten manifestiert. In China wird so eine Vereinbarung gerne auch noch mal aufgemacht und diskutiert. Am Anfang denkt man sich: „Oh Gott“ – aber man lernt auch relativ schnell, dass das nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance ist. Denn im Grunde genommen bedeutet das, dass Dinge flexibler sind und ich Dinge schneller ändern kann.

t3n: Auf der anderen Seite klingt das nach wenig Verlässlichkeit und Unsicherheit.

Ja klar, das hat Vor- und Nachteile. Für die relevanten Vereinbarungen muss man sich natürlich entsprechend absichern. Die andere Erkenntnis für mich: Es gibt einen relativ großen Unterschied zwischen der jungen Generation und den etwas Älteren. In der älteren Generation ist das Gesichtwahren eines der wichtigsten Worte. Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten ganz offen zu diskutieren, wie wir das hier so machen – völlig undenkbar für sie. Das ist bei der jüngeren Generation ganz anders, die sind schon als Weltbürger geboren – da sieht man nur noch relativ wenige Unterschiede zu den USA oder Europa. Kulturell passen Chinesen und Deutsche gut zusammen – wesentlich besser als zum Teil mit anderen Asiaten. Und Deutsche sind auch sehr respektiert in China, wenn es um Technologie und Ingenieurwesen geht.

„Es ist ähnlich wie bei Apple: Da steht hinten drauf auch ‚Designed in California‘. Unsere Autos sind ‚designed in Munich und engineered in California‘.“

t3n: Sie starten mit dem ersten SUV von Byton laut Plan ja 2019 in China. Wie wollen Sie es schaffen, dass Sie als Premium-Hersteller wahrgenommen werden? Die Chinesen kaufen ja gerne gerade deutsche Autos – wegen des angesprochenen Rufs bei der Ingenieursleistung.

Wir sind zwar in China gegründet und verwurzelt, aber trotzdem ein Global Player. Unser Design und das Fahrzeugkonzept kommen aus München. Wir haben hier in München 70 Leute, die sind für Design und Konzept und damit die DNA des Autos verantwortlich. Die gesamte Technologie, wenn es also um High-Speed-Konnektivität, autonomes Fahren, die Bildschirme, die Elektronikarchitektur und so weiter geht – das kommt alles aus dem Silicon Valley. Das sind zum Beispiel Leute von Apple, Google und Qualcomm, die das machen. Einkauf und Produktion sitzt in Nanjing. Es ist ähnlich wie bei Apple: Da steht hinten drauf auch „Designed in California“. Unsere Autos sind „designed in Munich und engineered in California“.

t3n: Und der Zeitplan mit Start 2019 in China und 2020 in Europa und den USA steht?

Ja, daran halten wir fest im Moment.

t3n: Das heißt, es könnte nicht klappen?

Es sieht so aus, als könnte es funktionieren.

t3n: Und bleibt Byton ein privat gehaltenes Unternehmen oder steht dann auch ein Börsengang an?

Dazu gibt es noch keine finale Entscheidung. Natürlich ist bei einem Unternehmen, das so kapitalintensiv ist wie unseres und bei dem auch eine entsprechende Expansion stattfinden muss, irgendwann der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich aller Voraussicht nach am freien Kapitalmarkt finanziert. Aber damit haben wir keine Eile, wir sind noch über Private Equity finanziert und das wird auch in der kommenden Finanzierungsrunde nächstes Jahr noch so bleiben.

„Für die C-Runde kommendes Jahr suchen wir jetzt ein echtes, großes Tech-Unternehmen als Lead-Investor.“

t3n: Wird es neue Investoren geben? Schießen die Altinvestoren nach?

Wir suchen neue Investoren. Wir versuchen eine Investorenstruktur zu finden, die gut trägt. In der A-Runde haben wir die Regionalregierung reinbekommen – damit sind wir vernetzt auf der politischen Ebene. In der B-Runde ist First Automotive Works (FAW) reingekommen, ein chinesischer Autokonzern in Staatsbesitz. Sehr gut vernetzt und extrem mächtig am Markt. Für die C-Runde kommendes Jahr suchen wir jetzt ein echtes großes Tech-Unternehmen als Lead-Investor.

t3n: Und da gibt es schon Gespräche?

Da haben wir die ersten Gespräche begonnen.

t3n: Auch mit einem Vertreter der GAFA-Ökonomie? Google, Apple, Facebook oder Amazon?

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