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Dieser CEO wird Hausmann – damit seine Frau endlich Karriere machen kann

CEO von Allianz Global Investors: Andreas Utermann. (Foto: Presse)

Allianz-Manager Andreas Utermann hat seinen Job gekündigt, damit seine Frau endlich Karriere machen kann. Ein schwerer Schritt? Im Gegenteil, wie er jetzt in einem Interview erklärte.

Sein Beispiel klingt noch wie die Schlagzeile eines Satiremagazins, ist aber wahr und hoffentlich bald auch selbstverständlich: Andreas Utermann, CEO des deutschen Vermögensverwalters Allianz Global Investors, wird seinen Chefposten zum ersten Januar 2020 räumen, um Hausmann zu werden. Das kündigte der 53-Jährige im Gespräch mit der Wirtschaftswoche an. Utermanns simple Begründung: Seine Frau werde künftig in Vollzeit ihre eigene Firma leiten, er hingegen kümmere sich um die drei gemeinsamen Töchter. „Jetzt bin ich dran – und das ist fair“, sagte Utermann, der eine regelrechte Bilderbuch-Karriere in der Finanzbranche hinter sich hat.

Utermann begann in den 80ern als Azubi bei der Deutschen Bank, heuerte dann für knapp 13 Jahre bei der US-Bank Merril Lynch an, ehe er 2002 zu Allianz Global Investors wechselte. Bei der Finanztochter des deutschen Versicherungskonzerns übernahm er 2016 schließlich den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Ein gut bezahlter Job mit Nachteilen: „Ich war selten zuhause, bin unglaublich viel herumgereist“, so Utermann gegenüber der Wirtschaftswoche.

„Es gab drei Optionen“

Das habe bald auch seine Familie zu spüren bekommen, allen voran seine Frau. „Nach der Geburt unserer ersten Tochter arbeitete sie noch ganz normal weiter. Als sie nach der Geburt unserer zweiten Tochter als Portfolio-Managerin in Teilzeit arbeiten wollte, machte ihre Firma nicht mit. Deshalb hörte sie erst einmal ganz auf. Als wir noch ein drittes Kind bekamen, war meine Frau zunehmend unzufrieden damit, allein zuhause mit drei Kindern alles meistern zu müssen“, erklärt Utermann. Er habe ihr dann versprochen, etwas zu ändern und seinen Arbeitgeber gebeten, vier Wochen unbezahlten Urlaub pro Jahr genehmigt zu bekommen. „So konnte ich bis 2015 jedes Jahr einen Monat Elternzeit nehmen. Nachdem unsere jüngste Tochter fünf Jahre alt war, nahm ich immer noch zwei Wochen unbezahlten Urlaub pro Jahr.“

Doch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war damit noch lange nicht gegeben. Denn Utermanns Frau machte sich in der Zwischenzeit selbstständig, konnte ihre Firma aber nicht in Vollzeit aufbauen. Das aber sei ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen, erklärt Utermann. Für die Familie habe sich nun die Frage gestellt, wer kümmert sich um die Kinder? „Es gab drei Optionen“, so Utermann: „Meine Frau hört ein zweites Mal mit ihrer Karriere auf, die Kinder gehen aufs Internat – oder ich ändere was. Das Resultat haben Sie jetzt gesehen“, so Utermann. Zuvor musste der Allianz-Manager allerdings noch seinen Arbeitgeber über den Entschluss informieren.

So reagierten die Vorgesetzten

Ein Schritt mit unkalkulierbaren Risiken? Hagelte es gar Spott aus dem Kollegenkreis? Im Gegenteil, wie Utermann auf Nachfrage der Wirtschaftswoche erklärt. „Es war keine große Überraschung und meine Chefin Jackie Hunt hat meinen Abgang ja auch in den sozialen Medien sehr nett kommentiert“, so der Manager. Worauf es eben ankomme sei, das Unternehmen so aufzustellen, dass alles reibungslos weiterlaufe. So sei seine Nachfolge unabhängig von seinem Abgang bereits geregelt gewesen, zudem habe er Themen wie Teil- und Elternzeit immer offen angesprochen. „Es muss für alle funktionieren, in einem Team müssen sich die Mitarbeiter gegenseitig unterstützen. Ob in Führungsposition oder als normaler Angestellter – Sonderregelungen müssen für alle tragbar sein. Dialog muss auf jeder Ebene stattfinden“, sagt Utermann.

Dieses Credo will der Allianz-Manager künftig auch in seiner neuen Rolle als Hausmann beibehalten. So will er laut eigener Aussage etwa zu mehr Elternabenden gehen, öfter Familienangehörige besuchen oder auch mal eine Netflix-Serie gucken. Die Gefahr, von seinen drei Töchtern dabei womöglich als „Fremdkörper“ wahrgenommen zu werden, sieht Utermann übrigens nicht – mit einer Ausnahme: „Wir haben eine Haushälterin, die irritiert war, als sie das gehört hat. Sie weiß noch nicht so recht, ob sie mich den ganzen Tag im Haus haben will (lacht).“

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