Reportage

CES 2019: Das hat sich getan im Gadget-Mekka

(Foto: Wolf Ingomar Faecks)

Die erste Arbeitswoche ist für unseren Gastautor seit Jahren traditionell der krasse Gegensatz zur besinnlichen Weihnachtszeit: the Latest and Greatest in Consumer-Electronics auf der CES im Sündenpfuhl Las Vegas.

Die CES ist auch dieses Jahr wieder eine Messe, die weitaus mehr als nur Consumer-Products zu bieten hat. Die Akzeptanz und Bedeutung des Events steigt stetig an. Ein klarer Beweis hierfür sind die rund 190.000 Besucher, die in diesem Jahr nach Las Vegas pilgerten und die Entwicklungen rund um Autos, Gesundheit, Landwirtschaft, Hightech und Finanzen bestaunten – und manchmal auch belächelten. Kleiner Fun-Fact: Mehr als ein Drittel der Teilnehmer kamen von außerhalb der USA, um der Erfinder- und Startup-Leistungsschau für alle Branchen beizuwohnen. In den vergangenen Jahren waren die gezeigten Innovationen oft noch konzeptionell und im Stadium der Machbarkeitstests. Dieses Jahr konnten wir jedoch viele Technologien sehen, die in konkreten Anwendungen zum Einsatz kommen.

Die vier spannendsten und innovativsten Highlights der CES 2019, die insbesondere für die Automobilbranche Relevanz künftig haben werden, möchte ich im Folgenden vorstellen:

Machine Learning

Machine Learning, meist übertrieben als Artificial Intelligence (AI) bezeichnet, findet bereits heute konkrete Anwendung in vielen Produkten und Services – insbesondere in der Mobility-Branche. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist die in Las Vegas vorgestellte intelligente Säh-, Dünge- und Mäh-Lösung von John Deere: Die Maschine verfügt über ein auf 2,5 cm Genauigkeit präzisiertes GPS-System und kann so genau entscheiden, welche spezifische Pflanze wo auf einem Feld wie viel Dünger benötigt. 140 Sensoren, darunter zahlreiche Kameras, machen das monströse Gerät zum „sähenden Auge“ des Landwirts. Hervorzuheben ist hier auch die Entwicklung eines völlig neuen Geschäftsmodells: Neben den Anschaffungskosten von einmalig 500.000 US-Dollar werden die „intelligenten“ Services in Bronze, Silber und Gold-Paketen in jährlichen Abo-Modellen für bis zu 250.000 Dollar zusätzlich angeboten – inklusive der bereits von Tesla bekannten Over-The-Air (OTA)-Software-Aktualisierung.

Displays

Wieder einmal steht auf der CES die Display-Technologie im Zentrum des Geschehens und stellt einen wichtigen Baustein der Messe dar. Allerdings gibt es eine wesentliche Neuerung: In diesem Jahr sind zum ersten Mal überhaupt serienreife falt- und rollbare Anwendungen zu sehen – etwa automatisch ausrollende Fernseher von LG und faltbare oder elegant gebogene Smartphones und Touch-Displays, die insbesondere für den In-Car-Bereich echtes Potenzial bieten. Der Hersteller Royole etwa glänzt mit dezidierten Entertainment-Lösungen für Automobilhersteller.

Zeit-Optimierung

Und noch ein Thema, das besonders für den Autosektor relevant werden wird, stand im Mittelpunkt der Exponate: Was sollen Fahrzeugnutzer mit der gewonnenen Lebenszeit machen, die durch autonom fahrende Autos entsteht? Eine mögliche Antwort hierauf liefert Hyundai: Die Koreaner zeigten einige unverknüpft wirkende Konzept-Ideen, die aber weitergedacht durchaus reizvoll sein könnten. So präsentierte der Hersteller zum Beispiel Fahrzeuge mit integrierten und vernetzten Rudergeräten zur Leibesertüchtigung und diversen Edutainment-Anwendungen.

Audi, dieses Jahr prominentester Vertreter der VW-Gruppe, kam ganz ohne Auto-Exponate aus und überraschte mit dem gelungenen VR-Unterhaltungsprodukt Holoride, das über ein gleichnamiges, selbstständiges Startup auch anderen Autobauern zum Einbau angeboten werden soll. Eine gute Entwicklung, die die immer stärker notwendige Kooperationsbereitschaft unter den Herstellern unterstreicht.

CES als Launch-Plattform für neue Fahrzeug-Modelle

Und auch das gab es auf der CES noch nicht: Automarken nutzen die Konferenz jetzt als Plattform, um neue Modelle im Markt vorzustellen. So präsentierte etwa Mercedes erstmalig auf der Messe den Launch eines neuen Models außerhalb einer der traditionellen Auto Shows wie Detroit, Genf, Peking/Schanghai, Paris oder Frankfurt. Britta Seeger, Vertriebs-Vorständin von Daimler, fuhr einen neuen knallroten CLA persönlich auf die Bühnendrehscheibe und folgte damit eher einem klassischen Vorstellungs-Konzept. Ob die CES die anderen Auto-Messen, die seit Jahren mit rückläufigen Austellerzahlen um ihre Existenz bangen müssen, als Launch-Bühne ersetzen wird, werden die kommenden Jahre zeigen. Aber die Daimler-Gruppe hat sich anscheinend diesbezüglich schon entschieden: Mit dem neuen EQC, der in diesem Jahr als erster selbstentwickelter Elektro-SUV gegen den Model X von Tesla, den Audi E-Tron, den Jaguar I-Pace und den Porsche Taycan antreten soll, geht das Unternehmen auch mit seiner zweiten großen Fahrzeuginnovation auf der CES an den Start.

Die Chinesen haben das Potenzial der CES als Boost-Plattform für neue Modelle ebenfalls erkannt: Der von zwei Ex-BMW-Managern gegründete chinesische Elektro-Anbieter Byton zeigte nicht nur den Serienreifen M-Byte, der Ende 2019 zunächst in China auf den Markt kommen soll, sondern auch den neuen K-Byte, das als zweites Model auf derselben Fahrzeug-Plattform in 2021 an den Start gehen wird. Angst machen die Preise, mit denen Byton angreifen will. Um die 40.000 Euro soll der M-Byte kosten und treibt damit allen westlichen Herstellern den Angstschweiß ob des eigenen Kosten-Gefüges auf die Stirn.

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