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Video

Digitalisierung: „Was ist mit der Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer?“

Dieses Mal sitzt Grundschulrektor Jens Neumann im Changerider. (Screenshot: t3n.de)

Mit dem neuen Video-Format Changerider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Dieses Mal dabei: Grundschulrektor Jens Neumann.

In der neuen Folge des Video- und Podcastformats Changerider von Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n ist der Grundschulleiter Jens Neumann zu Gast. Er arbeitet seit über 15 Jahren als Grundschullehrer und ist seit acht Jahren Grundschulrektor. Bei seiner Changerider-Fahrt erzählt er, wie sich digitale Technologien im Alltag auf Kinder auswirken und wie Schulen die Herausforderungen der Digitalisierung angehen.

Rechnen, lesen, schreiben – coden? Das digitale Klassenzimmer wird immer realer. Die Digitalisierung ist nun auch bei den Kleinsten unserer Gesellschaft angekommen. Ein Smartphone im Schulranzen, nach den Hausaufgaben an die Playstation: Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie sich der digitale Wandel auf Kinder auswirkt. Auch die Bundesregierung macht jetzt ernst und will Schulen zukünftig besser digital ausstatten. Der erste Schritt dafür ist bereits getan. Bund und Länder haben einen Digitalpakt auf den Weg gebracht. Dieser soll Schulen in den nächsten Jahren mit fünf Milliarden Euro fördern.

Jens Neumann ist zwar selbst begeisterter „Digitalo“, nimmt aber in der Kindes- und Familienentwicklung in den letzten Jahren zunehmend eine bedenkliche Veränderung wahr. „Mein Lieblingsbeispiel: Zu meinen Anfangszeiten konnten fünf Kinder keinen Purzelbaum. Heute ist man froh, wenn sich in einer Klasse von 25 Kindern fünf Kinder dabei nicht gleich den Hals brechen.“ Neben Grob- und Feinmotorik haben auch die Konzentrationsspanne und die Fähigkeit, mal abzuschalten oder Langeweile zu ertragen, stark abgenommen. Den Grund dafür sieht er in der Digitalisierung und in der Notwendigkeit, dass oftmals beide Eltern Vollzeit arbeiten müssen – und somit weniger Zeit und Kraft für die Beschäftigung mit den Kindern bleibe.

„Vier Familienmitglieder, jeder hat ein Smartphone in der Hand“

Wenn Jens Neumann die Kinder am Montagmorgen nach ihrem Wochenende fragt, bliebe neben digitalen Aktivitäten oftmals nicht mehr viel übrig, wovon die Kinder erzählen könnten. Wie viel Digitalisierung tut dem Kinderzimmer gut? Immer wieder beobachtet Jens Neumann Familien, in denen Kinder einfach aus Bequemlichkeit mit digitalen Geräten ruhig gestellt werden. Auch aus dem Urlaub kennt er diese Situationen: „Vier Familienmitglieder, jeder hat ein Smartphone in der Hand. Und über eine Dreiviertelstunde wird kein einziges Wort miteinander gewechselt.“ Der Hirnforscher Manfred Spitzer warnt bereits länger davor, dass ein frühzeitiger Medienkonsum die Ursache von Empathieverlust, sozialen Anpassungsschwierigkeiten oder Aufmerksamkeitsstörungen sein kann.

Wie kann also zukünftiger Schulunterricht aussehen und wie können Kinder sinnvoll an die Digitalisierung herangeführt werden? Einmal Digital-Detox Kur für die Klasse 4B? „Die digitalen Möglichkeiten werden oftmals falsch genutzt“, so Neumann. Denn der Einsatz von digitalen Medien bietet auch große Chancen. In der Grundschule von Jens Neumann erhalten die Kinder beispielsweise die Möglichkeit, sich über einen eigenen Account auf einem Laptop anzumelden und mit einer Lernsoftware zu arbeiten. Und auch an anderen Stellen sollte digitale Bildung Eingang in den bislang meist analogen Schulalltag finden. Bereits in der ersten Changerider-Fahrt sagte die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär, dass Kinder in der Grundschule die Grundzüge des Programmierens erlernen sollten: „Immer wird vorgehalten, dass Kinder nicht mal richtig rechnen, schreiben und lesen können. Aber ist dann die richtige Aussage: Weil sie das nicht können, dürfen sie auch sonst nichts können?“

Um Kindern digitale Kompetenz zu vermitteln, müssten Lehrer und Eltern die digitale Welt verstehen lernen

Die gewachsenen Anforderungen der Politik an die Vermittlung von Digitalkompetenzen sieht der Grundschulrektor als Chance ebenso wie als Herausforderung. Bundesweit wurden alle Schulen vom Kultusministerium aufgefordert, in Richtung Digitalisierung voranzugehen und ein Medienkonzept zu erarbeiten. Als Grundlage diene ein sogenannter Medienpass, in dem festgelegt sei, welche Kompetenzen die Kinder zum Thema Medien und Digitalisierung erreichen sollen. An sich eine gute Sache, die Frage sei nur, wie man dies letztlich umsetzen könne. Denn, so gibt Neumann zu bedenken, es existierten auch noch viele Berührungsängste auf Seiten der Lehrer. „Es gibt hier noch einen riesigen Baustein, der fehlt: Was ist mit der Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer?“ Um Kindern frühzeitig digitale Kompetenz zu vermitteln, müssten vor allem Lehrer und Eltern die digitale Welt verstehen lernen. Es liegt also an allen Beteiligten, die Digitalisierung positiv zu gestalten und Kinder darauf vorzubereiten. Jens Neumann appelliert dabei vor allem an die Eltern: „Genießt es mit Vorsicht und lasst es die Kinder mit Vorsicht genießen. Schafft den Kindern einen Ausgleich zur Schule!“

Außerdem erzählt Neumann im Changerider, wie seine Traumvorstellung vom Unterricht aussieht, wie er mit dem Thema Digitalisierung in seiner eigenen Familie umgeht und warum er sich heute noch bei einer Kollegin für einen Verwechslungs-Fauxpas aus seiner erste Lehrerkonferenz entschuldigt. Für eine weitere Changerider-Fahrt nominiert er die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer.

Ihr kennt Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer! Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder als Podcast bei Soundcloud und Spotify verfügbar.

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