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Überwachung auf allen Kanälen? Wechat-Konto soll mit chinesischer ID verknüpft werden

Die Wechat-App von Tencent. (Foto: dpa)

Die chinesische ID-Karte kann künftig mit dem Wechat-Konto verknüpft werden. Das hat nicht nur Vorteile für den Nutzer, sondern auch für den Staat.

Das Wechat-Konto bestimmt das digitale Leben in China: Mit der App können Nutzer nicht nur Nachrichten verschicken, sondern auch am Straßenstand bezahlen, Termine mit Installateuren vereinbaren oder Visa für die USA beantragen. Jetzt soll ein neues Feature hinzukommen: Chinesen sollen ihr Wechat-Konto mit ihrer ID-Karte verknüpfen und so digital Behördengänge erledigen können.

Ein entsprechendes Pilotprogramm wurde in Nansha, einem Stadtteil der Elf-Millionen-Metropole Guangzhou im südlichen China, ausgerollt. Schon im Januar könnte das Feature im ganzen Land angeboten werden, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Tencent, der Konzern hinter Wechat, holt mit dem Feature zum großen Konkurrenten Alibaba auf. Dieser hatte ein eigenes ID-Karten-System bereits 2016 mit seiner Mobile-Payment-App Alipay getestet.

Unternehmen anmelden mit dem Wechat-Konto

Mit ihren ID-Karten können Chinesen im Hotel einchecken, Zugtickets reservieren oder Bankkonten eröffnen. Mit der Verknüpfung zu Wechat soll die physische ID-Karte überflüssig werden. Die Nutzer können eine limitierte Version des digitalen Personalausweises aktivieren, in dem sie ihr Gesicht scannen. Damit sollen sie sich zum Beispiel in einem Internetcafé anmelden können.

 „Dieses Programm integriert Wechat weiter in den Alltag der Menschen.“

Wer die volle Version verwenden will, muss ein Terminal in der Stadt aufsuchen und seine ID-Karte dort einscannen. Damit kann der Nutzer auch aufwändigere Behördengänge digital abwickeln, etwa ein Unternehmen anmelden. An dem Pilotprojekt nehmen unter anderem eine öffentliche Sicherheitsbehörde in Nansha sowie die China Construction Bank teil. „Dieses Programm integriert Wechat weiter in den Alltag gewöhnlicher Menschen“, sagt Zhang Yi, Chef der Technologieberatung iiMedia, gegenüber der Financial Times.

Allerdings hat das Feature nicht nur Vorteile für den chinesischen Verbraucher, sondern auch für den Staat. Schon jetzt können die Behörden ihre Bürger fast nahtlos überwachen. So müssen diese beim Kauf eines Smartphones ihren Namen angeben. Ein Wechat-Konto kann wiederum nur eröffnet werden, wenn eine Handynummer hinterlegt ist. Mit der digitalen ID-Karte wird es noch einfacher, die Daten zu verbinden und genau zu kontrollieren, wer was macht. Das ausgegebene Ziel ist es, bis 2020 alle privaten und staatlichen Datenbanken in China miteinander zu verknüpfen.

Digital heißt in China gläsern

Dass die Behörden die Daten nicht nur sammeln, sondern auch für ihre Zwecke verwenden, zeigt das sogenannte Sozialkredit-System. Mit dem bereits seit 2014 in Rongcheng eingesetzten Verfahren bekommen die Bürger Punkte für ihr Verhalten. Sowohl das öffentliche Leben als auch die Leistung bei der Arbeit werden erfasst. Wer sich gegen das Regime ausspricht, muss mit einer Abwertung rechnen. Im schlimmsten Fall kann ein Einwohner etwa seine Kreditwürdigkeit verlieren. Auch Kommentare in den sozialen Netzwerken beeinflussen die Berechnung.

Das Wechat-Konto mit der staatlichen ID-Karte zu verknüpfen, ist nur der nächste logische Schritt. Digital heißt in China vor allem auch gläsern.

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