Porträt

Die unbekannte Slack-Alternative aus Deutschland mit 500.000 Nutzern

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Datenschutz und Audioqualität im Fokus

Mehr Datenschutz zum Beispiel. Während Anbieter wie Slack oder Hipchat häufig für unzureichende Sicherheitsstandards kritisiert werden, stehen die Server von Circuit in Amsterdam und fallen damit unter die europäische Datenrichtlinie. „Dort können wir unseren Kunden sogar zeigen, wo ihre Daten physisch liegen“, sagt Bohn. Größere Kunden könnten die Software außerdem auf ihren eigenen Servern hosten. Auch das wünschen sich Unternehmen, die Slack nutzen, schon seit Jahren.

Eine weitere Stärke sieht Bohn in der Audio- und Videoqualität seiner Software, denn Nutzer können innerhalb von Circuit auch miteinander telefonieren, um etwa virtuelle Meetings abzuhalten. Zwar gebe es dafür bereits einige Tools auf dem Markt. „Die Kunst liegt allerdings darin, das Ganze auch für größere Kunden in bester Qualität skalierbar zu machen“, so Bohn. Und in dieser Hinsicht könne Unify von seiner Herkunft als Kommunikationsanbieter profitieren.

Hoffnung auf Kunden über Nacht

Trotz dieser Vorzüge und der Tatsache, dass die Software von jedem kostenlos über die Website heruntergeladen werden kann, ist Circuit sehr wahrscheinlich kaum jemandem ein Begriff. Bohn erklärt sich die geringe Bekanntheit mit fehlendem Marketing und Konzernen als primäre Zielgruppe. Konkrete Zahlen will er zwar nicht nennen: Allerdings werde Circuit bereits von rund 350.000 Mitarbeitern bei Siemens genutzt. Weltweit soll eine „hohe, sechsstellige Zahl“ an Nutzern sogar für eines der kostenpflichtigen Abonnements zahlen.

Dass Bohn die Wachstumsrate auf Nachfrage nur im mittleren einstelligen Prozentbereich angibt, sei kein Nachteil im Vergleich zu den Überfliegern aus den USA. „Das monatliche Wachstum ist für uns weniger eine KPI, da mit einzelnen Enterprise-Kunden über Nacht sehr viele Nutzer hinzukommen können“, sagt Bohn. Erstaunlich sei, dass die Software auch in Ländern genutzt werde, die man erstmal nicht vermuten würde. „Aktuell sind neben unseren etablierten Märkten etwa Australien, Nigeria und die zentralamerikanischen Länder besonders aktiv“, so Bohn.

Keine Angaben zum Umsatz

Ist die erhoffte Verwandlung vom Telefonanlagen-Verkäufer hin zum Softwareanbieter für Team-Kollaboration damit vollzogen? Auch wenn sich Unify um Leiter Philipp Bohn über den bereits mit Circuit erzielten Umsatz ausschweigt, sieht er das Projekt als Erfolg: „Mit Circuit geben wir bestehenden und neuen Kunden eine Innovationsroadmap. Sie haben die Möglichkeit, Circuit in die bestehende Kommunikationslandschaft einzubinden.“

Ganz bewusst sei man, auch gegen manche interne Widerstände, mit einer frühen Produktversion auf den Markt gekommen, um dann weiter zu iterieren. „Das traut sich in Deutschland nicht jeder“, fasst Bohn zusammen. Außerdem habe ja Circuit nicht bloß das Bestandsgeschäft abgelöst und verdrängt, sondern es ergänzt. Schließich verschwänden wie die E-Mail auch Telefonanlagen nicht über Nacht, wenn überhaupt.

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8 Kommentare
Markus Engelhardt
Markus Engelhardt

Siemens verwendet Circuit, das stimmt, die Zufriedenheit damit fällt allerdings sehr niedrig aus.
Erst heute konnte ein großes, wichtiges Meeting bei uns mit 20-30 Beteiligten weltweit, nicht stattfinden, einfach weil Circuit mal wieder nicht ging.

Ein Chat Client, der von Haus aus nicht mal blinken kann, wenn eine Nachricht reinkommt, ist für mich ungefähr so praktisch wie eine Tür ohne Griff.

Bei großen Circuit Meetings wird unser ganzes Netz lahmgelegt im Haus, man kann nicht mal die History seines Chatverlaufs aufräumen und es ist unzuverlässig und fehleranfällig, manchmal geht es, manchmal nicht.

Der einzige Grund, warum Siemens Circuit eingeführt hat ist vermutlich, weil Siemens Teilhaber von ATOS ist und die haben das Tool ja verbrochen. Technisch kann das hier bei un si der IT wirklich niemand verstehen.

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Jürgen Schulze
Jürgen Schulze

Danke für die Hinweise. ATOS war das Keyword.

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Reiner Knudsen
Reiner Knudsen

Man sollte erwähnen, dass Circuit den Dienst in Safari verweigert. Das ist schon ärgerlich.

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Philipp Bohn
Philipp Bohn

Hallo Reiner, wir nutzen webRTC als Standard für Sprach- und Videokommunikation sowie Screensharing und sind daher auf die technische Unterstützung der Browser-Anbieter angewiesen, also auch bei Safari. Wir freuen uns, dass Safari 11 webRTC nun grundsätzlich unterstützen wird: https://developer.apple.com/library/content/releasenotes/General/WhatsNewInSafari/Safari_11_0/Safari_11_0.html

Wir schauen uns gerade an, was das für Circuit bedeutet. Vor allem bezüglich der implementierten Videocodecs gibt es noch offene Fragen. Im Gegensatz zu Microsoft Edge unterstützt Safari offenbar nicht die V8 Implementierung.

Mac-Nutzer können natürlich jederzeit unsere Desktop-App oder Chrome und Firefox verwenden.

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Matthias
Matthias

Warum wird denn in dem Artikel mit keiner Silbe mattermost angesprochen?

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Alexander Langguth
Alexander Langguth

Genau dasselbe wollte ich auch gerade fragen. Zumal ja viele Firmen und Startups ohnehin schon einen selbst gehosteten Gitlab server haben der mattermost bereits beinhaltet und nur darauf wartet gestartet zu werden.

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Philipp Bohn
Philipp Bohn

Hier nochmal im Kontext gepostet:

Ich kann natürlich nichts zur journalistischen Arbeit sagen, und es gibt auch viele Artikel über Mattermost, in denen Circuit nicht erwähnt wird.

Die Selbsthosting-Variante für Circuit ist vor allem eher für sehr große Unternehmen gedacht, von daher konkurrieren wir in diesem Segment gar nicht umbedingt.

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Philipp Bohn
Philipp Bohn

Ich kann natürlich nichts zur journalistischen Arbeit sagen, und es gibt auch viele Artikel über Mattermost, in denen Circuit nicht erwähnt wird.

Die Selbsthosting-Variante für Circuit ist eher für sehr große Unternehmen gedacht, von daher konkurrieren wir in diesem Segment gar nicht umbedingt.

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