Glosse

Cohns fabelhafte digitale Welt oder: Spaß mit der Deutschen Bahn, Teil 1

(Bild: t3n)

Was hat das Paradoxon des Epimenides – „Alle Kreter sind Lügner“ – mit den Anzeigen des Informationssystems auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn zu tun? Oder macht sich da nur wieder mal jemand über uns lustig?

Kennen Sie das? Sie stehen am Bahnsteig eines x-beliebigen Bahnhofes in Deutschland, Ihr Zug, vorzugsweise ein ICE, ist angekündigt und in der digitalen Anzeigetafel läuft oben drüber eine weiße Banderole in einer Geschwindigkeit, die eine Weinbergschnecke als Rennläufer erscheinen lässt.

Epimenides auf dem Bahnsteig

Nachdem Sie nun nach minutenlangem Hinaufstarren – sieht wirklich leicht plemplem aus, wie alle Fahrgäste auf dem ganzen Bahnsteig auf die Anzeigetafeln starren – folgenden hintergründigen Satz: „Bitte beachten Sie die angezeigte geänderte Wagenreihung“ im Kopf zusammengepuzzelt haben, beginnt der spaßige Teil: ein logisches und philosophisches Dilemma ähnlich des sattsam bekannten Paradoxon des Epimenides: „Alle Kreter sind Lügner“, will sagen: Stimmt die dargestellte Wagenreihung oder stimmt sie nicht?

Eigentlich sollte man im digitalen Zeitalter und vor allem hier in Deutschland davon ausgehen dürfen, dass Theorie und Wirklichkeit kongruent sind, sich also die Wagen der ersten respektive der zweiten Wagenklasse auch in den angezeigten Bahnsteigabschnitten zu halten kämen!

Und hier beginnt die Komödie, in mindestens 50 Prozent dieser Fälle stehen sie genau nicht dort und nun hasten nadelbestreifte Anzugträger und highbeheelte Damen im kleinen Businessschwarzen 400 Meter in die eine, während sich reichlich gepäckbewehrte Urlauber in die andere Richtung quälen, nur um sich gegenseitig in der Mitte des Bahnsteigs den Weg zu versperren.

Fitness à la DB

Und jedes Mal fasziniert mich die brennende Frage: Ist jener, der die Anzeigetafeln eingestellt hat, vielleicht nur um die Gesundheit und die Fitness der Reisenden besorgt, indem er sie ab und an mal eben so den ganzen Bahnsteig entlangjoggen lässt, oder beölt er sich vor den Überwachungsmonitoren gerade vor Lachen ob der skurrilen Szenen auf dem Bahnsteig, oder ist es doch wieder nur „das System“, das einmal mehr nicht mitbekommen hat, was in der Wirklichkeit Realität ist?!

Angesichts dieser „kleinen“ digitalen Fehlleistungen frage ich mich, wie wird dann unsere digitale Zukunft aussehen? Am Ende doch analoger als gedacht?

Was unsere fabelhafte digitale Welt sonst noch an Überraschungen für William Cohn bereithält, lest ihr hier.

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