Kolumne

Cohns fabelhafte digitale Welt: Reallife Monopoly – Google und Facebook gründen Bezahldienste

(Bild: t3n)

Unsere Zukunft ist digital …! Unsere Zukunft ist rosig …!?? Oder: Reallife Monopoly – Google und Facebook gründen Bezahldienste.


Wovon leben eigentlich Facebook und Co.? Vom kostenlosen Zurverfügungstellen von Informationen in einer Suchmaschine? Vom Schaffen einer kostenlosen Plattform für ein internationales und milliardenfach genutztes soziales Netzwerk? Okay, Sie glauben das? Gratuliere, denn der Weihnachtsmann wohnt am Nordpol und der Osterhase bringt Ihnen farbige Eier.

Der eine oder andere Leser mag sich noch daran erinnern, dass die Sommer voll waren mit Fliegen und anderen Insekten und man, um sich der damals noch lästigen Plagegeister zu erwehren, so klebrige gelbe Streifen aufhängte, an denen die Biester dann kleben blieben und sich auf ihre nächste Inkarnation freuen durften.

Fliegen- oder Datenfallen

Könnte es vielleicht sein, dass die Suchmaschinen und die sozialen Netzwerke ebenfalls wie gewaltige Fliegenfallen, an denen jedoch statt Insekten unsere Daten kleben bleiben, funktionieren? Daten, die offensichtlich so wertvoll sind, dass sich der ganze Milliarden-Aufwand für die betreibenden Unternehmen nicht nur lohnt, sondern auch noch, wie man lesen darf, satte Gewinne abwirft.

Kürzlich ereilte uns die Nachricht: „US-Techkonzerne planen neue Angriffe auf Banken“. Und weiter heißt es dort: „Technologiekonzerne sehen Finanzdienstleistungen als einen Weg, um noch näher an ihre Kunden heranzukommen und somit zusätzliche und besonders wertvolle Daten vermarkten zu können…“ Der Berliner würde jetzt sagen: „Nachtigall, dir hör ick trapsen!“

Noch näher?

Nur dass wir uns da richtig verstehen, die amerikanischen Tech-Giganten wollen uns noch näher auf die Pelle rücken als bisher. Noch näher als mit Alexa? Wollen die mit uns kuscheln? Und da sie auf diesem Weg vermutlich nicht unser Bettgeflüster abgreifen wollen, das macht Alexa ja schon, frage ich mich verzweifelt, welche meiner Daten sind so wertvoll, dass sich dieser ganze Aufwand lohnen würde und vor allem, wer sind denn die Kunden der Tech-Giganten, und was wollen und machen die denn dann mit meinen Daten, für die sie offensichtlich gerne bereit sind, mehr Geld auszugeben, als man bräuchte, um den hungernden Teil der Weltbevölkerung ein Jahr in Frieden und Wohlstand leben zu lassen? Und, ja dürfen die denn das überhaupt? Dürfen die einfach so beispielsweise meinen Kontostand, mein Einkommen, meine Geldquellen, meine finanziellen Aktivitäten abgreifen und verkaufen? Und wer kontrolliert dann, dass mit unseren Daten kein Schmuh gemacht wird? Wer schaut und vor allem haut gegebenenfalls den Brüdern auf die Finger, wenn sie allzu großzügig in unseren Taschen rumfummeln?

Könnte es sein, dass der alte Witz: „Dilettanten überfallen eine Bank, Kenner gründen eine“ gar kein Witz mehr, sondern zur bitteren Realität geworden ist? Dass wir es ab jetzt nicht mehr mit honorigen Bankern und Bankiers zu tun haben werden, sondern einem modernen Revival, einem zeitgenössischen Up-to-date-Reenactment des mittelalterlichen Strauchdiebe- und Wegelagererunwesens zuschauen dürfen? Man darf auf die fortschreitende Digitalisierung unserer Welt gespannt sein?

Was unsere fabelhafte digitale Welt sonst noch an Überraschungen für William Cohn bereithält, lest ihr hier.

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