Analyse

Baut endlich euren eigenen Amazon-Dash-Service, sonst ist der Kunde weg!

Händler müssen sich jetzt den Kundenzugang der Zukunft sichern, bevor Amazon ganz übernimmt. (Grafik: Shutterstock)

Der Handel versäumt gerade, sich den Kundenzugang der Zukunft zu sichern. Dabei existiert die Infrastruktur für den smarten Nachbestellservice schon.

Die Conrad-Tochter Conrad Connect bietet eine Art Smarthome-Zentrale, die komplexe Abläufe von unterschiedlichen IoT-Geräten vieler großer Marken steuern kann. Ein wenig vergleichbar mit dem Automatisierungsdienst IFTTT, nur dass Conrad Connect mehr kann. Ein Feature des Dienstes ist für den Handel besonders interessant: der Smart-Order-Dienst. Damit können alle Kunden theoretisch eine Verknüpfung einrichten, die beispielsweise einen Bosch-Geschirrspüler mit Home-Connect-Funktion neue Spültabs beim Händler der Wahl nachbestellen lässt. Theoretisch deshalb, weil aktuell nur ein großer Händler den Dienst nutzt: Otto. Und die haben das Feature im Prinzip noch recht gut versteckt. Der Rest der deutschen Händlerlandschaft schläft.

Conrad Connect: IoT-Cloud ermöglicht automatische Bestellung von Verbrauchsartikeln

Die IoT-Cloud von Conrad Connect stellt eine Verbindungsschicht zwischen vielen verschiedenen IoT-Geräten und Diensten dar. Conrad hat die APIs vieler der gängigsten IoT-Geräte von Bosch über Epson bis hin zu Philips integriert. Ein paar wenige Retailer wie Otto, Snack Baron oder Müsli.de sind ebenfalls mit an Bord.

Mit der Hilfe von konfigurierbaren „Projekten“ können Nutzer dann IoT-Geräte unterschiedlicher Hersteller und Services miteinander verbinden. Beim Smart-Order-Service verbinden Nutzer ihr Kundenkonto beim Händler mit der Conrad-Cloud und können dann bei Händlern wie Otto einen Verbrauchsartikel auswählen, beispielsweise die Geschirrspültabs einer bestimmten Marke.

Bei Otto ist der Dienst noch im Beta-Modus, kann aber schon von Kunden genutzt werden. Aktiv bewerben sieht man Händler den Dienst allerdings nicht wirklich. Selbst Conrad hilft Kunden zwar bei der Einrichtung eines Accounts im Laden, bewirbt aber den Smart-Order-Dienst nicht aktiv.

Was Amazon grundsätzlich besser macht und wie es Händler noch besser machen können

Amazon dagegen bewirbt seinen sogenannten Dash-Replenishment-Dienst, die teilnehmenden Hersteller weisen in jedem Produkt sehr aktiv auf den Service direkt in den Produktbeschreibungen hin. Jeder Produkttitel weist auf Amazon Dash hin.

Und genau so muss das laufen. Händler wie Otto müssen in jedem Produkt aktiv auf den Dienst hinweisen und als Kundenvorteil präsentieren. Die Auswahl von passenden Verbrauchsartikeln muss direkt im Shop beim Einkauf erledigt werden. „Du willst diesen Bosch-Geschirrspüler kaufen? Das sind die passenden Tabs, aktiviere hier deine automatische Nachbestellung.“

Dabei macht der Smart-Order-Dienst ja nicht bei Onlinehändlern halt, auch in stationären Filialen könnte die Einrichtung des Dienstes gleich beim Verkauf angeboten werden.

Sowohl ein POS-Backend als auch die Konfiguration und Einrichtung des Smart-Order-Dienstes auf der Händlerwebsite wäre laut Conrad Connect ohne Probleme realisierbar. Händlern müssten dazu nur vertretbare Entwicklungsressourcen zur Verfügung stehen.

Baut euch endlich euren eigenen Amazon-Dash-Service!

Während Amazon es geschafft hat, sich mit der Entwicklung und der Vermarktung des Dash-Replenishment-Services die Grundlage für das zukünftige IoT-Geschäft zu sichern, schläft der Rest der Händler anscheinend. Amazon hat es geschafft, ein SDK bei vielen Herstellern zu platzieren, was die Angelegenheit für Amazon einfach macht: Der Konzern kontrolliert sowohl die technische Schnittstelle als auch die Schnittstelle zum Menschen.

Und damit auch den unmittelbaren Kundenzugang. Was in diesen Druckern oder Geschirrspülmaschinen verkauft wird, kontrolliert Amazon. Irgendwann werden die Dash-Replenishment-fähigen Geräte womöglich im offenen Handel landen, wie aktuell auch die Kindle- und Fire-Devices. Ab dann verkaufen die Händler auch noch Geräte, die bei Amazon nachbestellen. Dann verlieren Händler den Kunden, weil sie selbst es vollkommen verschlafen haben, sich den Kundenzugang zu sichern. Wartet damit nicht länger, liebe Händler. Sichert euch den Kundenzugang der Zukunft und entwickelt einen eigenen Smart-Order-Dienst, ob mit Conrad Connect oder anders. Und bewerbt und verkauft ihn aktiv im Onlineshop und in Filialen! Wir stehen noch am Anfang der IoT-Geschichte, die Umsätze mögen jetzt noch überschaubar sein. Aber wenn der Durchbruch kommt und dann in den meisten Haushalten ein Amazon-fähiges Gerät steht, ist es zu spät.

tldr; Mit dem Conrad-Connect-Service steht eine Anwendung zur Verfügung, die einen Smart-Ordering-Dienst wie Amazon-Dash-Replenishment umsetzen kann. Otto nutzt mit seinem noch sehr jungen Dienst Otto-ready diesen Dienst bisher als einziger Retailer in Deutschland. Aber nicht so aktiv wie Amazon. Der ganze Umgang mit dem Thema ist eine einzige verpasste Chance: Händler müssen jetzt dringend die Gelegenheit nutzen, sich die direkte Kundenbeziehung der Zukunft zu sichern, und einen eigenen Dienst starten.

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5 Kommentare
Tom030
Tom030

„Automatisierungsdienst IFFFT“ (?!) … ihr meint sicher IFTTT (IF This That That) … aber das macht Euch menschlich. Trotzdem guter Beitrag, Danke.

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Jochen G. Fuchs

Hallo Tom!

Danke – auch für den Hinweis, ich habe das korrigiert.

Viele Grüße
Jochen

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Jochen G. Fuchs

Es geht in dem Artikel nicht um Amazons Dash-Buttons. Sondern um den Dash-Replenishment-Service.

Buttons waren nur eine Übergangslösung, Amazons Ziel sind Geräte, die selbstständig Verbrauchsmaterialen nachbestellen – ohne dass ein Kunde dazu einen Knopf drücken muss. Und das ist der im Moment immer weiter wachsende Dash-Replenishment-Service.

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Dennis
Dennis

Ich habe gerade den 10.000 Schritte Beitrag gelesen. Wegen der Gesundheit hole ich meine Geschirrspültabs jetzt immer vom übernächsten Supermarkt und per pedes.

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