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Analyse

Viel Lärm um nichts: Darum wird es die deutsche Payment-App Cookies schwer haben

(Foto: Magic Mockups/t3n)

Keine andere App in Deutschland erzeugt derzeit so viel Hype wie Cookies. Das Berliner Fintech-Startup hofft auf den Durchbruch bei den hiesigen Peer-to-Peer-Bezahllösungen. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich die Anwendung jedoch als eher harmlos. Ein Kommentar von Maik Klotz.

Im gleichen Fahrwasser wie Venmo oder Cringle

Man nehme die Idee eines erfolgreichen Startups in den USA, baue eine geheimnisvolle Landingpage, betreibe etwas virales Marketing und fertig ist der Hype. So oder so ähnlich könnte man die Entwicklung um das neuerliche Fintech-Startup Cookies aus Berlin beschreiben.

Die Cookies-Gründer Garry Krugljakow und Lamine Cheloufi: Beide haben vorher bei Number26 gearbeitet. (Foto: Presse)

1,5 Millionen Euro investierten unter anderem Ehssan Dariani (StudiVZ), die Wunderlist-Macher und Holtzbrinck Ventures in das Startup. Die beiden Gründer, Garry Krugljakow und Lamine Cheloufi, waren vorher bei Number26 beschäftigt, ehe sie im vergangenen Jahr ihr eigenes Payment-Unternehmen gründeten. Thematisch ist Cookies im gleichen Fahrwasser unterwegs wie Venmo in den USA oder Lendstar und Cringle in Deutschland.

Cookies will schneller sein als die Konkurrenz

Von der Konkurrenz abheben will sich Cookies mit der Bedienung und dem Design, das vor allem eine jüngere Nutzergruppe adressiert. Erreichen möchte man das beispielsweise mit Funktionen wie den Paymojis, die den klassischen Verwendungszweck einer Transaktion durch einem Emoji ersetzen sollen. Auch der Wegfall von banktypischen Angaben wie IBAN und BIC soll diese Zielgruppe dazu zu bewegen, ihr Geld zwischen den Smartphones hin und her zu schicken.

Ein weiteres wichtiges Feature ist bei Cookies die sogenannte Superzahlung. Diese Zahlweise soll schneller sein als „jegliche Art von Überweisung, die es in Deutschland gibt“, kündigte Mitgründer Krugljakow kürzlich auf der „What the fintech“-Konferenz an.

Demzufolge können Cookies-Nutzer neben der normalen Überweisung eine sogenannte „Superzahlung“ auszuführen, die dann in kürzester Zeit auf dem Empfängerkonto eingehen soll. Schaut man sich das Video genauer an, sieht man Credits, was darauf hindeutet, dass diese Zahlungen kostenpflichtig sein werden – andernfalls hätte man das ja auch als generelle Funktion implementieren können.

80 Prozent verleihen kein Geld an Freunde

Das US-Vorbild Venmo, das in den USA den Markt für Peer-to-Peer-Bezahllösungen zu großen Teilen für sich beansprucht, funktioniert gut. Im letzten Quartal 2015 wurden über die Venmo-App rund eine Milliarde US-Dollar transferiert. Auch der Verkauf von Venmo an PayPal für sagenhafte 800 Millionen US-Dollar weckt Begehrlichkeiten und es wundert so gesehen nicht, das man auch bei uns versucht, das Thema zu etablieren.

Bezahlen mit einer Peer-to-Peer-Lösung ist zweifelsohne einfacher, als die berüchtigte SEPA-Überweisung mit der 34-stelligen IBAN. Dennoch muss die Frage aufgeworfen werden: Wie oft senden wir wirklich Geld von A nach B? Und vor allem: Wie oft passiert das zwischen Privatpersonen? Laut den Zahlen der Bundesbank so gut wie gar nicht. Gerade mal circa 80 Überweisungen führen wir pro Jahr durch. Darin enthalten sind Daueraufträge etwa für die Miete oder einmalige Zahlungen von Rechnungen.

80 Prozent der Deutschen verleihen außerdem nie oder nur selten Geld an Freunde. Nur ungefähr 12,2 Prozent tun das gelegentlich und häufiger nur noch knapp drei Prozent. Auf Anfrage von t3n begründet ein Sprecher von Cookies die fehlende Alltagsrelevanz damit, dass Nutzer in Deutschland „nicht die Möglichkeit dazu haben, einfach, schnell und bequem Geld über das Smartphone zu verschicken.“

Zahlungsverkehr in den USA funktioniert anders

Trotzdem fielen Investitionen in Deutschland mit Ausnahme der 1,5 Millionen Euro bei Cookies bisher mager aus. Versuche im Peer-to-Peer-Payment Fuß zu fassen gab und gibt es einige. Lendstar und Cringle beackern seit 2013 den Markt und Payfriendz haben sich beim Peer-to-Peer-Payment in Deutschland die Finger verbrannt.

Den Erfolg von Venmo indes konnte hierzulande niemand kopieren. Aus Gründen: Der Zahlungsverkehr in den USA funktioniert gänzlich anders als in Europa, ganz zu Schweigen von Deutschland. In den USA gibt es keine bankübergreifende Überweisungen. Manchmal kann man sogar nur im gleichen Bundesstaat Geld transferieren. Lösungen wie Paypal oder Venmo stellen vor diesem Hintergrund eine akkurate Lösung für ein existierendes Problem dar.

Echtzeit-Überweisungen sind stark überbewertet

Bisher hat Cookies bewiesen, dass sie die Marketing-Maschine bedienen können. Artikel bei Techcrunch und Co beweisen das eindrucksvoll. Gesehen von der eigentlichen Lösung hat man bisher wenig. Die Demos, die  auf den Konferenzen bisher gezeigt wurden, sind genau das: Demos. Eine Live-Version der App hat in der Öffentlichkeit noch niemand gesehen. Auch die geheimnisvollen Funktionen sind bei genauem Hinsehen wenig spektakulär.

So sieht die Payment-App von Cookies aus
(Bild: Cookies)

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Die Anmeldung in „60 Sekunden“ wird über das Online-Banking der Bank realisiert und ist nichts Besonderes. Die Superzahlung aller Wahrscheinlichkeit nach eine Eilüberweisung - die dann von einem speziellen Cookies-Konto auf das Empfängerkonto geht. Schenkt man Screens Glauben, wird diese zudem nicht kostenlos sein. Um die Superzahlung zu nutzen, braucht es Credits, Diese Funktion wird also nicht kostenlos sein.

Überhaupt ist das Thema Echtzeitüberweisung stark überbewertet und soll bis Ende 2017 bei allen Bank-Überweisungen möglich sein, so die Bestrebung der Europäischen Zentralbank. Der von Cookies propagierte USP würde dann ohnehin wegfallen. Am Ende blieben dann nur noch die Paymojis und eine vielleicht gute Benutzerführung. Vielleicht schafft es Cookies so, die am häufigsten genutzte Peer-to-Peer-Payment App zu werden.

In einem bargeldverliebten Land wie Deutschland es ist, mit einem anderen Zahlungsverhalten und Problemen wie es sie in der USA gibt und in Anbetracht dessen, dass auch Apple und Facebook entsprechende Funktionen in ihre Messenger integrieren werden, reicht eine hübsche App nicht aus. Payment ist ein Hygienefaktor, diesen auf eine App zu beschränken ist zu kurz gedacht. Da braucht es schon mehr wie zum Beispiel ein Payment-Keyboard für mobile Geräte oder ein Webclient.  So wie es sich im Moment gestaltet dürfte es Cookies wie alle anderen schwer haben. Apropos: Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Payment-Wunder-App Clinkle?

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2 Reaktionen
Tobias Baumgarten

Hallo Maik,

guter und treffender Kommentar. Kurz gesagt: eine App, die niemand wirklich braucht. Zumal das alles schon super per PayPal(.me) oder MoneyBeam von Number26 funktioniert. Und dem Vernehmen nach soll ja sogar die Sparkassen-App zeitnah mit P2P ausgestattet werden.

Bleibt nur, dass ich bei Cookies den Verwendungszweck durch ein Emoji ersetzen kann (bzw. muss!). Olé, olé, großes Tennis...

Antworten
Angebot und Nachfrage

Über Clincle wurde m.W. nur berichtet und es gab evtl keine App im Store. Das ist vermutlich kein starkes Gegenbeispiel.

Bis heute gibts auf Rechnungen (vermutlich auch für T3n-ABos) keine QR-Codes zur Bezahlung. Da nutzt nix das es sofort da ist, wenn man die verhassten Zahlen, Rechnungs-Nummer usw. eintippen muss und die Bank die vom Volk gerettet werden musste oder vom Staat Haftungsmäßig geschützt wird es nicht mal dem Finanzamt als Ausgabe mitteilt :-((( wenn man es anklickt.
Fragt doch in der Rechnungs-Abteilung wie oft es Zahlendreher oder falsche Rechnungs-Nummern in den Überweisungen gibt. Und dann fangt mal an nachzudenken warum immer noch QR-Codes oder Überweisungs-URIs (IBAN/Betrag/RechnungsNummer) nicht existieren um ratz fatz bezahlen zu können.

"Im Benzinverliebten Deutschland werden sich E-Autos schwer tun."
Finde den Denkfehler.
Wenn Du im Supermarkt einkaufst gibts keinen der mit EC-Karte bezahlt ? na also.

Die vorhandenen Lösungen taugen wenig oder schmecken dem User (also allen Bürgern in diesem Falle) so sehr wie Tofu. Also bleibt man beim Gewohnten.

Dwolla basierte auf Überweisungen glaube ich. Bis dahin dachte ich, gäbe es nur Schecks in USA. Allerdings werden die natürlich zu Großteilen nicht mit der Hand geschrieben sondern von Maschinen gedruckt und Fotografie des QR-Codes reicht zur Einlösung wofür man natürlich ein Startup gründen musste weil Banken und ihr Software-Provider (aka IBM) das nicht selber realisiert haben !

Das man Leuten Geld gibt und sich an Kosten beteiligt o.ä. ist nicht unüblich.

Von daher würden solche Dienste vermutlich besser genutzt als es momentan erscheint. Das ist vielleicht wie die E-Autos: Jeder will eines. Verfügbarkeit, Ladestationen und brauchbare Angebote/nutzbare/schmackhafte Lösungen fehlen.
Der einzige Unterschied zwischen Winner und Versager ist, es brauchbar zu kriegen. Daran scheitert bisher jeder. Auf gutes Onlinebanking warten wir ja auch. Oder an Lichtschalter per Handy usw.
Auch Facebook wird leider nicht die größte Bank der Menschheit.

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