News

Corona-App wird Magenta: Telekom und SAP erhalten Auftrag der Bundesregierung

Farblich könnt's passen. Telekom und SAP gehen app-mäßig gegen das Coronavirus vor. (Bild: CDC/Folding@home)

Die Bundesregierung hat sich entschieden. Die deutschen Konzerne Telekom und SAP sollen die dezentrale Corona-App für das geplante Kontakt-Tracing entwickeln. Fraunhofer und Helmholtz sollen beraten.

„Die Corona-App ist ein Projekt der Bundesregierung. Basierend auf einer dezentralen Softwarearchitektur wird angestrebt, sie durch die Deutsche Telekom und die SAP zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA stehen bei der Entwicklung beratend zur Seite.“ So liest sich die Pressemitteilung 138, die die Bundesregierung im Laufe des Dienstagnachmittags veröffentlicht hat.

Bundesregierung bietet alles auf, was Rang und Namen hat

Neben der Telekom und SAP, dem CISPA und der Fraunhofer-Gesellschaft sollen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) eng in das Projekt eingebunden werden. Wenn die App dann fertig ist, soll sie durch das Robert-Koch-Institut (RKI) herausgegeben werden, das wohl auch die Server betreiben soll.

Am Anforderungsprofil der App hat der Bund nichts verändert. Kernaufgabe der Corona-App bleibt, dass Bürgerinnen und Bürger, die Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatten, schnellstmöglich über diesen Kontakt informiert werden.

Corona-App soll durchgängig pseudonymisiert arbeiten

Hierfür soll die Corona-App unter Nutzung von Bluetooth LE (Low Energy) den Abstand zwischen Personen messen und den Kontakt speichern. Dabei tauschen die Apps auf den jeweiligen Endgeräten untereinander temporäre verschlüsselte Identitäten aus.

Wird der Nutzer der App später positiv auf das Coronavirus getestet, kann er seine Kontakte auf freiwilliger Basis darüber informieren lassen. Dabei werden im Infektionsfall die verschlüsselten IDs des Infizierten auf allen Mobiltelefonen, die die App installiert haben, darauf geprüft, ob sie mit den übermittelten IDs in Kontakt waren.

Im Falle einer Übereinstimmung wird der Nutzer über den kritischen Kontakt informiert. Der kann dann versuchen, sich an den Kontakt zu erinnern, um eine angemessene persönliche Reaktion, etwa eine zeitnahe Isolation in freiwilliger Quarantäne, entscheiden zu können. Dabei erfährt der Infizierte nicht, welche seiner Kontakte informiert werden und die Kontaktierten erfahren nicht, wer der Infizierte ist.

Technisch soll das System auf den Ansätzen der DP3T-Initiative aufsetzen. Unter diesem Namen hatten unter anderem Forschern der EPFL in Lausanne in den vergangenen Wochen ein dezentrales Tracing-Modell entwickelt, für das sich inzwischen auch Österreich, die Schweiz und Estland entschieden haben.

Einen Zeitrahmen für die Fertigstellung der App nennt die Bundesregierung nicht. Führt man sich indes die Teilnehmer vor Augen, die allesamt keine kleinen Player sind, dürften allzu schnelle Fortschritte nicht zu erwarten stehen.

t3n meint:

So, so. Der Bund will sich für die Corona-App also auf große, etablierte IT- und Softwarekonzerne, begleitet vom Whoiswho der Wissenschaft, verlassen. Kleine, agile Startups, denen durchaus mehr Kompetenz in der Thematik zugetraut werden dürfte, bleiben außen vor. Das erinnert mich an die Achtziger, als mein Großvater seine Entscheidungen zu begründen pflegte, mit „Das ham wir schon immer so gemacht.“

Dieter Petereit

Passend dazu: Tracing gegen Steuererstattung? Politik und Wirtschaft wollen Corona-Apps attraktiver machen

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

19 Kommentare
Michael
Michael

Den Auftrag hätte ich auch angenommen. Wenn man die Spezifikationen von Apple und Google aufmerksam liest, wird klar, dass die App nicht viel tun muss: Aussenden von Beacons, Empfangen anderer Beacons, Generieren der IDs, das Matching, das Kommunizieren mit dem Server etc. pp. übernimmt alles das Android/IOS Modul, was Google und Apple stellen. Apple schreibt, dass das Tracing funktionieren soll, ohne dass irgendeine App installiert ist. Wenn ein Match auftritt, wird man aufgefordert, die entsprechende App zu installieren.
Die App ist lediglich ein Frontend für Betriebssystemfunktionen, für die die APIs schon bereitstehen.
Auch die Server-Seite ist im dezentralen Modell trivial, weil dort weder irgendetwas rechenintensives noch sicherheitsrelevantes stattfindet.

Antworten
Igor

Ausgerechnet SAP, soll es ein Witz sein? Es wird warscheinlich mit SAPUI5 entwickelt.

Antworten
Felix
Felix

Die App ist vermutlich als Medizinprodukt Deklariert und da unterliegt der Hersteller strikten und harten Normen, die ein Startup sicherlich nicht leisten kann.
Hier spielt auch der Reifegrad eine wichtige Rolle. – Um auch im Ernstfall gut reagieren zu können.
Was die Konzerne aber gern machen: Startups zur Unterstützung holen. Als abwarten. :)

Antworten
SAPalot
SAPalot

R.I.P. UX – wird vermutlich eine Fiori-App.
ZCOVID und die IDOCS werden über Bluetooth gesendet .

Antworten
pampig
pampig

Endlich wieder ein Großprojekt!

Antworten
Jk
Jk

Diese App wird ein massives Sicherheitsproblem erzeugen, da eine sehr große Zahl der Android-Geräte ein Leak I’m Bluetooth Subsystem hat, aber keine Sicherheitsupdates mehr bekommt. Das betrifft Millionen von Geräten. Wer so ein Gerät mit dieser App benutzt, kann auch gleich seine Haustür nachts immer offen lassen ..

Antworten
EP
EP

Die App können sie sich höchstens in den A**** schieben und sich selbst tracken! Und wer bezahlt es? Wir, das Volk! Eine Abzocke die ihresgleichen sucht! Von dem Versuch der absoluten Überwachung garnicht erst zu sprechen…

Antworten
Spongiform
Spongiform

Das ist doch ein schlechter Witz…
Wie teuer soll die Corona-„Krise“ denn noch werden?
Die Bundesregierung: Ja!

So ein nachvollziehbares Tracking braucht es weiß Gott nicht. Wem ist damit geholfen wenn er weiß dass er vermeintlich Corona ausgesetzt war? Zumal ja wenn aktuell jeder mit Maske zur Eindämmung rumrennt die Wahrscheinlichkeit ja eher gegen eine Infektion trotz Nähe spräche.

Wenn man sich die Zahlen anschaut stellt man fest dass hauptsächlich Risikopatienten versterben, die 60+ sind und mindestens eine Vorerkrankung haben. Der Rest wird infiziert und wieder gesund und merkt davon teilweise gar nichts.

Was es bräuchte ist eine Isolation und Überwachung von Risikopatienten damit die nicht hops gehen und der Rest geht mal wieder arbeiten und tut so als ob es nur eine Grippe wäre.

Aber hey wir Steuerzahler dürfen den Scheiß der gerade verbockt wird ja am Ende bezahlen von dem her ist aus Sicht von Diktatorin Merkel alles Gucci. Ihre „Rente“ ist sicher..

Antworten
Anonymus
Anonymus

Die Corona-App! gesponsert von ihrem BND

Antworten
Sascha
Sascha

Denkt noch jemand an Szenarien wie bei der Elbphilharmonie oder dem BER? Nein?

Antworten
Martschy
Martschy

Wozu jetzt noch eine App – die Grippesaison ist vorbei.
„Die App ist vermutlich als Medizinprodukt Deklariert und da unterliegt der Hersteller strikten und harten Normen, die ein Startup sicherlich nicht leisten kann.“
LOL sicher – wenn man sich den Funktionsumfang der App betrachtet könnte man die locker mit einem Budget im 4 stelligen Bereich erstellen. Aber SAP und Telekom werden da schon Wege finden ein Millionenbudget rauszupressen.

Antworten
Sevens
Sevens

Ob es das Virus noch geben wird, wenn die App dereinst zur Ausrollung bereitsteht?

Ob es IOS und Android noch geben wird?

Ob es Smartphones noch geben wird?

Wir leben in unsicheren Zeiten.

Antworten
Uwe
Uwe

Keine Sorge die App wird nie fertig. Vielleicht kann man sie ja 2030 für Ebola nehmen.

Antworten
Werner
Werner

Wieder mal das Rad neu erfinden?

Gibt schon eine App in Österreich, die mittlerweile opensource, denzentral und durch einen Audit gelaufen ist.
Wozu das ganze Brimborium, ausser Kosten auflaufen lassen?

Antworten
Yunn72
Yunn72

Einfach mal davon abgesehen, welches […fragwürdige…] Konsortium den Zuschlag für die Entwicklung einer bereits bestehenden Corona-App erhält (s.a. Open Source), wie viele Menschen der Risikogruppe verfügen über ein Bluetooth- und App-fähiges Mobile und sind in der Lage, damit auch entsprechend umzugehen?
Ich denke, der theoretische Ansatz ist grundsätzlich als gut zu bewerten, aber er zeigt auch wieder auf, wie es um die deutschen Digitalisierungsbemühungen seitens des Bundes bestellt ist.

Antworten
Christiaan Vink
Christiaan Vink

…und hinzu kommt natürlich, dass wir bei den bekannten Releasezyklen von SAP und der hohen Geschwindigkeit und Agilität einer Telekom bestimmt 2025 mit einer ersten Version rechnen können. Rechtzeitig zu COVID-24.
Und viele Köche machen ja bekanntlich die Suppe auch qualitativ sehr hochwertig.

Antworten
Seerabe
Seerabe

Das hast du gut formuliert. Es wird ein wenig Panik verbreitet und schon laden sich die meisten Menschen den Bundestrojaner 2.0 freiwillig runter :-)

Antworten
Anti-Coronanoia
Anti-Coronanoia

Das Geschäft mit der Angst.
Der Bundestrojaner wird von der geframeten Bevölkerung freiwillig installiert. Was kommt dann noch mit dem nächsten Update an Spitzelfunktionen?
The Big Merkel is watching you.
Ohne die Smartphone Fussfessel kommt man dann nirgends mehr rein.
Ungetestete Impfstoffe werden zwangsweise verabreicht.
Merkels neues Hardcore 1984 – 2.0
Wir haben aber einen Vorteil: Es gibt „noch“ das Internet, und unser Fernseher hat einen Ausschalter.

Antworten
OST
OST

In einer Krise darf man die Subventionen „frei Schnauze“ verteilen… Oder hat jemand eine Ausschreibung gesehen?

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung