Analyse

Corona: So wirkt sich die Krise auf den digitalen Wandel aus

(Foto: Shutterstock)

Corona hat viele Führungsetagen aus dem analogen Tiefschlaf geholt und einen Boom für digitales Arbeiten ausgelöst. Wer jetzt auf kurzfristige Lösungen setzt, wird in Zukunft abgehängt, denn der Wandel ist nicht mehr umkehrbar.

Als Anfang 2019 die SPD zum ersten Mal das Recht auf Homeoffice ins Gespräch brachte, hieß die Parteivorsitzende noch Andrea Nahles. Etwas mehr als ein Jahr ist seitdem vergangen und die Welt hat sich so schnell gedreht, dass es nicht nur den Sozialdemokraten schwindelig wird. Die Corona-Pandemie hat unser Arbeiten und Wirtschaften in einer Rekordzeit verändert und zwingt nun auch die letzten Führungsetagen in Deutschland, aus einem analogen Tiefschlaf zu erwachen. Neben hygienischen Schutzmaßnahmen ist der Umzug ins Homeoffice zur wichtigsten Sicherheitsmaßnahme in Unternehmen geworden. Die einen oder anderen, die vorher die Nase beim Wort Homeoffice rümpften und das Arbeiten mit Faulheit in Zusammenhang brachten, wurden in der Krise eines Besseren belehrt. Zumindest wurden sie zum Wandel gezwungen.

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(Grafik und Daten: Civey)

Wie stark war der Booster Corona für die digitale Transformation im Land? Ein Drittel der Deutschen, die für ein Unternehmen arbeiten, sagt, dass sich ihre Firma aufgrund der Krise schneller digitalisiert hat. Die technische Ausstattung, Vertriebskanäle, aber auch Führung und kollegiales Miteinander mussten in Windeseile verändert werden. Zumindest wäre das in der Theorie für Arbeiten 4.0 an der Tagesordnung.

Bessere Technik als größter Wunsch für Homeoffice

(Grafik und Daten: Civey)

Nach Wochen des Lockdowns scheint es jedoch weiterhin daran zu hapern. Wünsche bestehen vor allem bei technischer Ausstattung wie Büroeinrichtung, Laptops und Monitoren. Natürlich kann nicht jeder Arbeitgeber gerade den höhenverstellbaren Tisch für alle Mitarbeiter nach Hause bestellen. Aber wer seine Mitarbeiter jetzt mit alten Krücken, vielleicht sogar privaten Endgeräten, in Videokonferenzen mit Kunden schickt oder hofft, dass das bisschen WLAN schon ausreicht, wird tiefer in die Krise schlittern. Wer jetzt an guter digitaler Infrastruktur für seine Mitarbeiter spart, auf das Ende der Krise hofft und es den drei Affen nachmacht, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten, riskiert, als Unternehmen abgehängt zu werden. Denn der Geist des digitalen Arbeitens lässt sich nicht mehr in die Flasche zurückbringen und könnte sogar durch ein mögliches Recht auf Homeoffice politisch schwarz auf weiß beschlossen werden.

2 von 3 wollen häufiger im Homeoffice arbeiten

Zwei Drittel der Arbeitnehmenden könnten sich auch nach der Corona-Pandemie vorstellen, häufiger von zu Hause aus zu arbeiten. Und zwar nicht nur Eltern oder junge Leute, die andere Ansprüche haben, sondern über alle Altersgruppen hinweg. Bei über 40 Prozent besteht sogar der Wunsch, dass sich das Arbeiten mehrmals die Woche in die eigenen vier Wänden verlagert. Auch wenn uns sicher aktuell die Decke auf den Kopf fällt, erkennen die Menschen, wie effizient manche Aufgaben von zu Hause erledigt werden können.

40 Prozent der Arbeitnehmer planen weniger Dienstreisen nach Corona

(Grafik und Daten: Civey)

Digitales Arbeiten – das kann auch die eine oder andere Dienstreise ersetzen. In den letzten sechs Wochen konnten auch diejenigen, die es gewohnt waren, mit zwei innerdeutschen Flügen am Tag zu einem Meeting an- und abzureisen, feststellen, dass nun selbst die analogsten Geschäftspartner die Möglichkeit von Videokonferenzen möglich machen können. Immerhin schätzen somit 40 Prozent derjenigen, die regelmäßig für das Business unterwegs sind, dass sie nach Corona weniger eigene Geschäftsreisen machen werden. Der wöchentliche Flug nach Stuttgart für ein Kundengespräch oder die lange Bahnfahrt zwischen Berlin und Köln wird ersetzt durch die Effizienz der Digitalisierung. Ein verkrustetes Verständnis, dass man alle Geschäfte nur über einen Kaffee oder Wein abschließen kann, wird gerade obsolet gemacht.

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