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Analyse

„Cortana, öffne Alexa“: Warum Microsoft und Amazon jetzt Google und Apple angreifen

Der Harman Kardon Invoke ist der erste Lautsprecher mit Cortana an Bord. (Bild: Microsoft)

Zwei der wichtigsten Sprachassistenten schließen sich zusammen: Alexa und Cortana. Ein kluger Zug von Jeff Bezos und Satya Nadella. Aber die Kooperation wird nicht reichen, um den Markt zu erobern.

Noch klingt der größte Zusammenschluss auf dem Voice-Assistenten-Markt etwas umständlich. Wer mit seinem Microsoft-Assistenten Cortana etwa Klopapier bestellen will, der muss erst auf Alexa verweisen: „Cortana, öffne Alexa.“ Erst dann lässt sich die Order aufgeben.

Trotzdem haben Microsoft und Amazon mit ihrer ungewöhnlichen Kooperation den Zeitgeist getroffen. Am Mittwoch verkündeten sie, dass sich ihre Stimmassistenten künftig ergänzen sollen. Cortana-Nutzer sollen auf die Shopping-Funktionen von Alexa zugreifen können und Alexa-Nutzer auf die Microsoft-Office-Hilfe von Cortana. Die beiden Techgrößen zeigen damit, dass sie ihren Markt verstanden haben: Es geht nicht darum, wer das Segment der Sprachassistenz als erstes erobert. Sondern darum, den Kunden an den Markt heranzuführen – und ihm ein allumfassendes Produkt zu bieten.

Cortana kann einkaufen, Alexa Mails abrufen

Wie genau die Integration funktioniert, dazu gibt es bisher nur Vermutungen. Es liegt nahe, dass die beiden Unternehmen für den jeweils anderen Sprachassistenten einen sogenannten Skill angelegt haben. Mit dieser Erweiterung können externe Anbieter ihre Dienste über Alexa oder Cortana anbieten. Der Nutzer kann sich so etwa die Nachrichten von Spiegel Online vorlesen lassen oder Jeopardy spielen. In Zukunft soll Cortana auch bei Amazon einkaufen und Alexa die Outlook-Mails abrufen können.

Für die Etablierung der digitalen Helfer ist das ein wichtiger Schritt: Je besser die Geräte sind, desto mehr Nutzen haben sie für den Kunden. Noch braucht es zwar den umständlichen Verweis auf den jeweils anderen Sprachassistenten. Aber Amazon-Chef Jeff Bezos hat in der New York Times schon angekündigt, dass es irgendwann auch möglich sein wird, ohne die Anrede den richtigen Sprachassistenten zu öffnen. Für den Kunden, dem es bisher wenig brachte, wenn Alexa auf dem Tisch stand und er seine Mails abrufen wollte, ist das eine echte Erleichterung. Dass sich Bezos und Satya Nadella zusammengetan haben, um schneller an diesen Punkt zu kommen, spricht für ihre Weitsicht.

Auf Amazon Echo ist auch Alexa installiert. Die Sprachassistentin kooperiert nun mit Microsofts Cortana. (Bild: Amazon)

Netter Nebeneffekt: Damit setzen sie ihre größten Konkurrenten Apple und Google unter Druck. Denn der Markt hat sich bisher in vier Sprachassistenten aufgeteilt: Amazons Alexa, Apples Siri, Googles Assistant und Microsofts Cortana. Jeder kämpfte für sich, jeder wollte den Kunden von seinem Produkt überzeugen. Das ist jetzt anders. Mit der Allianz kommen Apple und Google unter Zugzwang. Zwar sagt Bezos, dass er für weitere Integrationen offen sei. Es gehe schließlich darum, dem Kunden Zugang zu so vielen Assistenten wie möglich zu geben, sagt er. Aber für die beiden anderen Konzerne dürfte das nicht erstrebenswert sein.

Kommen Cortana und Alexa gegen Siri und Google Assistant an?

Beide pflegen ihr eigenes Ökosystem. Apple hat ein nahezu sektenartiges Universum geschaffen, das Kunden nur selten wieder verlassen – auch weil der Wechsel von einem Apple-Gerät zu einem Nicht-Apple-Gerät viel Arbeit macht. Siri gibt es dementsprechend auch nur bei iOS und im Homepod. Dieser Lockin-Effekt ist ein elementarer Bestandteil der Unternehmenskultur. Google hingegen hat das erfolgreichste Betriebssystem für Smartphones gebaut und sammelt damit täglich unvorstellbar viele Datenpunkte von seinen Nutzern. Da stellt sich die Frage, wie viel eine Kooperation mit Amazon und Microsoft dem Konzern aus Mountain View wirklich bringen würde.

Zumal Apple und Google noch einen großen Vorteil gegenüber den Sprachassistenten von Amazon und Microsoft haben: Sie sind auf Millionen von Smartphones installiert. Damit sind sie immer mit dem Nutzer unterwegs, sind in den Alltag der Menschen integriert. Zwar gibt es Cortana auch für Android und auch auf einigen Homespeakern. Alexa hat sich bis in Kühlschränke, Fernseher und sogar iOS vorgearbeitet. Aber auch damit verlässt der Nutzer Cortana und Alexa meistens noch an der Haustür. Damit entgeht den beiden Assistenten ein Teil des Lebens seiner Nutzer.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum das nicht zu unterschätzen ist: Weltweit befinden sich laut Statista derzeit 603 Millionen Smartphones mit iOS-System und 2,58 Milliarden mit Android-System in Gebrauch. Dagegen sehen die „Millionen“ von Echo-Verkäufen und die 145 Millionen aktiven Cortana-Nutzer mickrig aus. Und gerade Google versucht fleißig, seinen Assistenten in weitere Geräte zu bringen.

Und nur weil die beiden Unternehmen kooperieren, heißt das nicht, dass sie an anderer Stelle nicht mehr miteinander konkurrieren. Schließlich plant Microsoft selbst einen Home-Assistenten à la Echo. Die Kooperation zwischen den Konzernen darf man deshalb als einen Schritt bewerten, um den beiden Smartphone-Platzhirschen gefährlich zu werden. Aber den Marathon zwischen den Sprachassistenten haben sie damit noch lange nicht für sich entschieden.

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Cortana für Android und iOS (Screenshot: Microsoft/t3n.de)

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3 Reaktionen
Thilo Klaas

Wenn die KI erstmal echte I entwickelt und mit anderen KIs interkommuniziert...
Spannend wird es bei der ersten unerwarteten Warensendung bei der Alexa auf die Frage "wer hat das bestellt?", so oder so ähnlich antwortet:"wir dachten das es dir gut stünde, 1.3Mio andere in deiner Position und deinem Alter tragen diese Saison auch Pink und bestellen rohes Fleisch... - und da Du ja sonst auch opportunistisch handelst..."

Antworten
Oliver

"...2,58 Milliarden mit Android-System in Gebrauch..."
WOW, das klingt echt gut und mega viel Geräte und User. Aber wo steht denn was das für Androidversionen sind und ob diese überhaupt den Sparachassistenten von google unterstützen und wie viele ihn auch wirklich nutzen?
Solche statistische Zahlen sind nur so wertvoll wie sie auch erläutert werden, bzw "gefälscht" wurden.
Unabhängig davon sehe ich Cortana z.B im Bereich der "Enduser" nicht das zioel von MS, das was wir da nutzen und vor allem wir n Europa ist doch nur ein "Abfallprodukt" von der tatsächlichen KI die MS Entwickelt hat. Und da sind sie soweit ich das verstanden habe auch den ganze Techberichten Apple, google und auch Amazon um einiges voraus, wenn man genau hinschaut in welchen Branchen sie sich damit bewegen. Oder glaube ihr alle denn so schlecht wie ihr MS immer hinstellt in allen Bereichen von mobile und anderen Branchen wären sie so groß wie sie sind und würde solche Umsatzzahlen schrieben wenn nicht in anderen Bereichen richtig gut wären?
Erweitert euren Horizont und seht dass es außer uns "Verbrauchern" Bereiche gibt die um einige lukrativer sind!

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Werner

=> zu einem Nicht-Apple-Gerät viel Arbeit macht
Auch der Betrieb und die Wartung eines 'Nicht-Apple-Geräts' macht tendenziell mehr Arbeit... Da ich mein Geld nicht mit der Wartung von OS's und Hardware verdiene, bleibe ich doch lieber in der Steve Job's Sekte. So wie 95 % aller Entwickler-Kollegen mit denen ich zusammenarbeite, die das ähnlich sehen..

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