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E-Commerce

Cringle und DKB: Die Überweisungsapp, die innovativer sein will

Cringle will Zahlungen zwischen Privatpersonen vereinfachen. (Foto: © Prykhodov - iStock.com)

Wer kennt das nicht? Es ist Mittagspause, und Irgendjemand vergisst immer den Geldbeutel. Mit Cringle, einer App, die Geld überweist, können Vergessliche ihre Schulden direkt begleichen. Erledigt wird die Zahlung per Lastschrift und Überweisung. Ein ausgewählter Beitrag im Rahmen der Themenwoche „Die Zukunft des Geldes“.

Es muss ja nicht immer die Mittagspause sein, es kann auch Abends passieren, wenn die gemütliche Freundesrunde gemeinsam Essen geht. Die Rechnung kommt und soll aufgeteilt werden. Einer hat seinen Geldbeutel nicht da, zwei haben's nicht passend – schwupps gibt's Chaos.

(Screenshot: Cringle)
(Screenshot: Cringle)

Viele Apps versuchen derzeit auf solche Szenarien aufzubauen und bieten Dienste, mit denen „Peer-to-Peer-Payments“ durchgeführt werden können. Peer-to-Peer steht hierbei sozusagen für das Bezahlen zwischen einzelnen Personen. Richtig durchstarten tun diese Dienste bisher nicht in Deutschland. Was Startups nicht daran hindert, sich trotzdem an neuen Konzepten zu dem Thema zu versuchen. Seit kurzem mit dabei: Cringle, ein Startup, das in Kooperation mit der Deutschen Kredit Bank (DKB) eine neue App eingeführt hat. Da beginnt schon das Besondere an dem Dienst Cringle: Die Zusammenarbeit mit einer traditionellen Bank ist für ein Fintech-Startup eher ungewöhnlich.

Cringle: Überweisungen per App

Zahl's einfach, so bewirbt Cringle seine App.  Die Funktionsweise beschreibt das Unternehmen so: Die Zahlung würde per Lastschrift direkt zwischen den Bankkonten transferiert. Ohne Zwischenkonto. App herunterladen, den Empfänger im Telefonbuch auswählen, und den gewünschten Betrag entweder senden oder anfordern. Der Empfänger soll entweder eine SMS bekommen, mit einem Link zur Eingabe der Bankdaten – oder den Betrag direkt auf seinem Konto gutgeschrieben bekommen, wenn er bereits Cringle-Nutzer ist.

Der Unterschied zu anderen Lösungen wie PayPal oder Payfriendz ist der Verzicht auf ein Wallet, auf ein Nutzerkonto, das aufgeladen werden kann oder extra aufgeladen werden muß. Statt erst Guthaben durch Lastschrifteinzug oder Kreditkarteneinzahlung auf ein separates Zwischenkonto zu laden, wird die Cringle-App nur verwendet um die Transaktionen durchzuführen. Und dem Nutzer einen Überblick über die Überweisungen zu verschaffen und die Verwaltung der laufenden Transaktionen zu ermöglichen. Der Verzicht auf ein Wallet ist ein gänzlich anderer Ansatz, der ganz offensichtlich darauf baut, dass in Deutschland Überweisungen und Lastschriften weit verbreitet und akzeptiert sind: das könnte in der Theorie auch etwas mehr Akzeptanz für den neuen Dienst Cringle schaffen.

Geld empfangen ist kostenlos, der Versand von Geld kostet aktuell zehn Cent, nach der Einführungsphase sollen die Transaktionsgebühren angehoben werden auf 20 Cent. Monatlich können Nutzer für 100 Euro Zahlungen versenden, danach ist Feierabend. In der App werden dafür „Geldwäsche-Bestimmungen“ angeführt, laut Tagesspiegel befürchten die Gründer Missbrauch und begrenzen deshalb die monatlichen Höchstumsätze.

Die App in der Übersicht – Bildergalerie

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Sicherheit bei Cringle

Technisch betrachtet, ist zwar kein Zwischenkonto in Form eines Wallets an den Transaktionen beteiligt, aber sehr wohl eine Form des Zwischenkontos: Die Transaktionen werden über temporären Zwischenkonten der DKB abgewickelt. Das Geld wird per Lastschrift von der DKB eingezogen und auf sogenannten „segregierten Konten“ geparkt und von dort direkt weitertransferiert zum Empfängerkonto. Segregierte Konten sind eine Sonderform der Konten, die „fremdes“ Geld von eigenem Geld trennt. Beispielsweise bei Insolvenzen, ist so klar erkennbar wem das Geld gehört. Effektiv bedeutet das, die transferierten Guthaben können von Cringle nicht angefasst werden und sind durch die Tatsache, dass die Konten bei der DKB sind, durch den deutschen Einlagensicherungsfonds abgesichert.

Die Transaktionen selbst sollen mit einer zertifizierten 256-Bit-Verschlüsselung erfolgen, die Cringle wie folgt beschreibt: „Sämtliche Daten sind auf einem Europäischen Server bei unserem Partner Microsoft hinterlegt, der der EU-Datenschutz-Richtlinie (95/46/EC) entspricht und mit dem ISO/IEC 27001:2005-Zertifikat validiert ist. Der Austausch der Daten ist durch eine zertifizierte 256-bit SSL Verschlüsselung gesichert“.

Kurztest der Cringle-App

(Screenshot: Cringle)
Die Transaktion soll per SMS versandt werden, im kurzen t3n-Test wurde jedoch keine Eingabemaske für Bankdaten, sondern die Landingpage der App eingeblendet. Möglicherweise Anlaufschwierigkeiten des neuen Dienstes. (Screenshot: Cringle)

Die App ist schnell heruntergeladen, die Bedienung eingängig und die App verfügt über ein aufgeräumtes UI. Zuerst wird per Zwei-Faktor-Authentifizierung das Smartphone mit der App verbunden, dazu versendet Cringle eine SMS mit einer eindeutigen Kennung. Pin wählen, Bankkonto hinterlegen, die vollständigen Personalien werden abgefragt. Damit ist der Einrichtungsprozess abgeschlossen.

Der Senden-Button führt direkt in eine Kontaktliste, die auf dem eigenen Telefonbuch basiert. Kontakt auswählen, Betrag eingeben wahlweise noch einen Kommentar ins Betreff-Feld und auf Senden drücken. Der Empfänger bekommt dann eine SMS mit einem Link. Laut der Beschreibung sollte eigentlich im nächsten Schritt die Eingabe der Bankdaten für den Nutzer möglich sein, damit der Empfänger nicht zwangsweise die Cringle-App nutzen muss. Dieses Feature funktioniert allerdings im Test nicht, der Link schickt den Nutzer lediglich auf eine Landing-Page, die zum iOS-App-Store und zum Android-Market verlinkt. Ohne App geht zumindest in unserem Test erstmal doch nichts.

So sieht's, aus wenn die Zahlung per SMS eintrifft – Bildergalerie

(Screenshot: Cringle)

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Im kurzen Test habe ich zwei Transaktionen durchgeführt: einmal mit 1 Euro und einmal mit 5 Euro. Aktuell sind beide noch in der Schwebe, was aber soweit seine Richtigkeit hat: das Bankkonto muss erst noch verifiziert werden. Erst wenn das erledigt ist, kann die Transaktion endgültig ausgeführt werden. Die Verifizierung geschieht bei Cringle mit einer Minimal-Überweisung auf das von mir angegebene Konto. Im Verwendungszweck dieser Verifizierungs-Überweisung ist ein sechsstelliger Code enthalten, der nach der Eingabe in der App, das Cringle-Konto des Nutzers aktiviert.

Vorläufiges Fazit zu Cringle

Die Idee, dass der Geldtransfer auch ohne eine App auf der Gegenüberseite funktioniert, hätte einer solche App etwas mehr Zulauf bringen können. Angedacht scheint das laut Beschreibung zu sein, merkwürdigerweise funktioniert es nicht. Wir haben bei Cringle angefragt, sobald eine Antwort vorliegt, werden wir diese hier veröffentlichen.

Update vom 18. Dezember 2014: Soeben erreicht uns ein Statement von Cringle Mitgründer Joschka Friedag:

Wir werden in Zukunft die Möglichkeit bieten, dass Empfänger einer Transaktion sich nicht bei Cringle registrieren müssen. Dann wird dem Benutzer wahlweise zur Option gestellt, entweder einmalig seine Bankdaten zu hinterlegen oder eben sich die App herunter zu laden. Zur Markteinführung haben wir das Feature noch nicht rechtzeitig implementiert, da wir das Feature zunächst noch rechtlich und sicherheitstechnisch überprüfen müssen. Wir arbeiten an vielen weiteren Features um Zahlungen zwischen Freunden zu vereinfachen. Man sollte gespannt sein, was in den nächsten Monaten noch von uns kommt Joschka Friedag, Co-Founder Cringle | Via Skype 18.12.2014

In Deutschland geläufige Verfahren zu nutzen und dabei auf ein Wallet zur Aufladung zu verzichten, ist ein neuer Weg in diesem Bereich – genauso wie die Zusammenarbeit mit einer „klassischen“ Bank mit einem Fintech-Startup. Die Bedienung ist simpel, das Geld wandert nach der ersten Registrierung automatisch zwischen den Bankkonten hin- und her. Praktische Sache also. Trotzdem steht Cringle vor der gleichen Herausforderung wie Payfriendz und die anderen Dienste in diesem Bereich: genügend Nutzer für den eigenen Dienst zu begeistern. Ein etwas größerer Mehrwert, als nur die Zahlung zwischen einzelnen Personen, wäre da vielleicht hilfreich.

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10 Reaktionen
MartinB.

Bis jetzt konnte die die P2P Zahlungen nur wegen Paypal, die massive Werbung in letzter Zeit gemacht hat. Ich habe vor Paar Tagen Cringle entdeckt (DKB) und wollte es testen, da es wir eine gute PayPal alternative kam. Tatsächlich, finde die App echt super und hab schon Paar mal für Lunch meine Kollegen zurückbezahlt. Beschränkung 250 Euro finde ich in Ordnung, reicht völlig für kleinere alltägliche Transaktionen. Finde nur sehr schade, dass die Technologie auf Standardüberweisungen aufbaut, die immer Paar Tage dauern. Dafür muss ich aber kein Konto Aufladen, da ist Lastschrift auch echt bequem. Insgesamt finde die Lösung echt schick, Geld senden einfach gemacht!

Bravinchi

Das Schlimme in Deutschland ist, dass immer gleich auch herzhaft abgegriffen - bzw. neudeutsch: abgecasht - wird. 20 Cent je Kleinstbetrag! Brutal! Das sind Gebührensätze (Zins) von 2 % bei einem Betrag von nur 10 €! Da rechne man sich mal den effektiven Zins für diese "Spielerei" aus - nicht berücksichtigt natürlich noch etwa bei der Bank anfallende Buchungskosten etc. pp.! Wenn jemand seinem Gegenüber am nächsten Tag das ausgelegte Geld zurückgäbe und dieser Gegenüber würde für nur diesen einen Tag 2 % Zins verlangen, würde von Wucher geschrien und wir hätten in der Bildzeitung die Story vom unverschämtesten Kollegen in Deutschland. Aber wenn eine Applikation ist ...

Jochen G. Fuchs

Nicht, dass ich dein Argument nicht verstehen würde, über die Höhe der Gebühr lässt sich auch streiten – die will ich gar nicht verteidigen. Aber eine Gegenfrage: Mit was soll der Anbieter denn Geld verdienen? Wenn der Dienst kostenfrei ist, kommt wieder dabei heraus, dass du kein Produkt nutzt, sondern selbst das Produkt bist. Denn dann bleibt ja nur noch irgendwie Geld aus deinen Daten zu machen.

Ich muss dir ehrlich sagen, ich finde es transparenter wenn das Geschäftsmodell klar auf dem Tisch liegt.

Aber unrecht hast du trotzdem nicht: Anbieter wie Paypal oder Yapital können Nutzer mit kostenlosen Diensten reizen, das sie in der Handelsschiene dann Geld mit Transaktionen verdienen. Wird ein harter Wettbewerb.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Vomitorium

Die Beschränkung auf 100 EUR ergibt sich aus §25i KWG, wenn ihr schon beim Bitcoin.de-Blog abschreibt, hättet ihr auch meinen dortigen Kommentar mitabschreiben können, so hättet ihr diese Information zumindest hier schon in den Artikel aufnehmen können ;-)

Durch die Beschränkung auf monatlich 100 EUR wird die Anforderung "elegant" umgangen, dass sich die Teilnehmer vollständig legitimieren müssen...

Jochen G. Fuchs

Der Artikel im Bitcoin-Blog ist mir unbekannt, tut mir leid. Wie kannst du mir denn hier abschreiben unterstellen, nur weil ich deinen Kommentar nicht in meinen Artikel aufgenommen habe? Gerade weil dein Kommentar fehlt, habe ich ja offensichtlich nicht abgeschrieben.. ;-)

Nein, ernsthaft: Ich hab mich, wie anhand der Screenshots leicht zu erkennen ist, selber durch die App gewühlt.

Dass dafür Geldwäsche-Bestimmungen verantwortlich gemacht werden, steht ja schon im Artikel. Wer wirklich wissen will, welcher Paragraf dafür verantwortlich gemacht wird, weiß das jetzt ja auch.^^ Danke dir.

Das ist aber wohl der Nachteil, wenn man sich eine deutsche Bank als Klotz an's Bein bindet. Kein mir bekannter Anbieter vergleichbarer Dienste hat eine derartige Beschränkung.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Jochen G. Fuchs

Der reinen Ordnung halber: Seit rund zwei Jahren ist es §25n, nicht §25i:
https://dejure.org/gesetze/KWG/25n.html

Patrick

Mir erscheint die App komplett unnötig.
Mit der Paypal App versende ich auch kostenlos an Freunde.
Verstehe daher den USP nicht so recht.

Malte

Hallo Patrick,
wir sehen unseren USP darin, dass die über Cringle gesendete Gelder per Lastschrift direkt zwischen den Konten der Nutzer transferiert werden. Du hast das Geld also immer direkt zur Verfügung und nicht auf einem virtuellen Zwischenkonto. Solltest Du weitere Fragen haben, kannst Du auch gerne jederzeit an info@cringle.net schreiben und wir werden versuchen, Deine Frage schnellstmöglich zu beantworten.
Beste Grüße,
Malte

Patrick

Ob das bei 5€ für nen ausgelegtes Essen wirklich so wichtig ist, die 5€ direkt wieder ohne Zwischenkonto wiederzuhaben? Ich weiß ja nicht...

Also mich überzeugt's nicht, aber trotzdem wünsche ich euch viel Erfolg!

Bert_

Habe jetzt die App Paar mal benutzt und finde die ist echt eine gute PayPal Alternative, besonders für Alltag und kleine Transaktionen mit Freunden. Kontakt aus Telefonbuch auswählen, zack und fertig, das Geld landet direkt auf meinem Bankkonto. Dafür finde die App echt gut gemacht. Bin gespannt wie sich das weiter entwickelt.

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