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Analyse

Cross-Border Onlinehandel: Gewichtszoll verursacht Kopfzerbrechen

(Bild: Shutterstock: sarra22)

Gleiche Sprache und ähnliche Kulturen: Die Expansion von deutschen Onlineshops ins deutschsprachige Ausland Österreich und Schweiz ist nicht nur rein geographisch sehr naheliegend.

Zugegeben, für deutsche Online-Händler scheint der Schritt über die Grenze ins deutschsprachige Alpenland ziemlich einfach. Zwar gilt es, zumindest auf rechtlicher Seite, verschiedene Verbraucherschutzgesetze zu beachten, doch das lässt sich mit überschaubarem Aufwand lösen. Nicht zuletzt auch, da Österreich wie auch die Schweiz merklich weniger strenge gesetzliche Auflagen haben als Deutschland. Zudem sind Abmahnungen weniger gebräuchlich und erfolgsversprechend in den Alpenländern. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Gewichtszoll verursacht Kopfzerbrechen

Der grenzüberschreitende Handel zwischen Deutschland und Österreich ist aufgrund der EU-Zugehörigkeit und dem Euro mit weniger Herausforderungen behaftet, als der Handel mit der Schweiz. Denn gerade die Schweizer Politik hat in der Vergangenheit immer mal wieder protektionistische Maßnahmen beschlossen oder diese beibehalten.

Die Schweiz ist weltweit die einzige Handelsnation, die noch den Gewichtszoll anwendet und beharrlich daran festhält. Konkret bedeutet das, dass die Ware nicht nach Wert sondern nach Gewicht verzollt wird. Oder anders gesagt: Aboutyou, Outfittery, Zalando & Co. müssen jede Jeans, jedes Paar Schuhe, jede Gürtelschnalle und jeden Pullover für die Schweizer Konsumenten wiegen, damit diese Artikel korrekt verzollt werden können. Und damit einher geht natürlich, dass deren Systeme entsprechend ausgerüstet und die Prozesse definiert sind. Die großen deutschen Fashion-Anbieter sind verantwortlich für die Verzollung, Mehrwertsteuer und Retouren-Prozess.

Ganz anders, wenn der Kauf bei einem Onlineshop im Ausland stattfindet, der die Verzollung nicht selbst vornimmt. Da wird der Schweizer Käufer zum Importeur und muss Zoll und Mehrwertsteuer dem Transportdienstleister entrichten. Dies ist meist verbunden mit einer Administrationsgebühr, die schon mal 20 bis 30 Franken betragen kann. Das sind dann die unliebsamen Überraschungen beim vermeintlichen Schnäppchen-Einkauf.

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Zahlungsverfahren in den DACH-Ländern (Screenshot: ECC Köln)

Fingerspitzengefühl bei den Zahlungsmitteln

Auch bei den Zahlungsmitteln gibt es sehr viele Eigenheiten, die zu beachten sind. Ist in Deutschland zum Beispiel das Lastschriftverfahren (LSV) oder die Bankeinzugsermächtigung nicht ungewöhnlich, kennt man diese Methoden in der Schweiz nicht. Die Schweizer kennen zwar auch LSV, jedoch nicht für Einzeltransaktionen sondern für wiederkehrende Zahlungen wie Strom, Telefon oder Versicherungen.

Außerdem ist in keinem der drei DACH-Länder der Rechnungskauf so populär wie in der Schweiz. Nach den letzten Erhebungen des Verbandes der Schweizer Versandhändler (VSV) beträgt der Anteil an Käufen auf Rechnung immer noch mehr als 80 Prozent.

Und jeder Onlineshop-Betreiber weiß, dass der Kauf gegen Rechnung einige Besonderheiten bereithält. Eine davon ist die Bonitätsprüfung, die in der Regel von jedem seriösen Onlinehändler angewandt wird. Auch hier empfiehlt es sich, bei einer Expansion in ein Nachbarland mit lokalen Anbietern zusammenzuarbeiten. Denn für einen deutschen Dienstleister ist es aufgrund der Datengrundlage schwierig, die Bonität von österreichischen oder Schweizer Kunden zu prüfen.

So sind Beispiele von deutschen Onlinehändlern bekannt, die bei Markteintritt in die Schweiz vielen Kunden trotz guter Bonität die Zahlung gegen Rechnung verweigerten, weil sie deren Bonität nicht validieren konnten. Dies hat wiederum unweigerlich zu Umsatzeinbussen geführt, da bei fehlender Rechnungsoption zahlreiche Kunden den Kauf abgebrochen haben.

Und apropos Rechnungen; diese werden in der Schweiz nach wie vor mit dem beliebten Einzahlungsschein gestellt und beglichen. Ein Formular, das man in Deutschland oder Österreich weder kennt noch dort beheimatete Onlinehändler systemseitig generieren können. Auch hier ist es empfehlenswert, sich eingehend mit den lokalen Begebenheiten auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt auch wenn es darum geht, die weiteren Zahlungsmittel zu definieren. Sind die großen Kreditkarten ähnlich verbreitet in allen DACH-Ländern, so gibt es bereits bei den Debit-Karten nennenswerte Unterschiede. In der Schweiz ist die gelbe Postfinance-Karte weit verbreitet, in Österreich wiederum kennt man die lokale eps Online-Überweisung oder in Deutschland das Giropay.

WestwingNow
Kardinalfehler beim Launch von WestwingNow in der Schweiz: keine Währungsangabe (Screenshot: Westwing)

Schweizer wollen keine deutschen Klone sein

Die korrekte Kundenansprache ist das A und O im E-Commerce. Und der Schweizer Stolz lässt es kaum zu, dass er sich mit einem deutschen Klon abspeisen lässt. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Durchschnittsschweizer innerhalb weniger als zehn Sekunden einen Onlineshop negativ bewertet, wenn dieser eine rein deutsche Kopie ist. Nur Währung, Mehrwertsteuer und Preis-Darstellung anzupassen reicht eben nicht. Kulturelle Eigenheiten, spezielle Sortiments- und Produktbezeichnungen sollten adaptiert sowie die Ansprache nicht nur im Wording sondern auch in der Tonalität angepasst werden.

Im DACH-Raum reden zwar alle Deutsch, doch in den einzelnen Ländern unterscheiden sich doch so manche Produktbezeichnungen. Um den Schweizer Konsumenten also erreichen zu können, muss man seine Sprache sprechen. Und die ist in zwei Dritteln der Schweiz zwar Deutsch, doch es ist ein Deutsch mit Eigenheiten, das oft von der französischen Sprache geprägt ist, welche wiederum weitere knapp 20 Prozent der Schweizer als ihre Muttersprache bezeichnen.mSo ist der deutsche „Rock“ der Schweizer „Jupe“, das deutsche „Fahrrad“ das Schweizer „Velo“ oder das deutsche „Sakko“ der Schweizer „Veston“. Und genau diese Bezeichnungen findet man in gut helvetisierten Onlineshops wieder. Und damit findet sich auch der Schweizer Konsument wieder.

Werden in Österreich und Deutschland die Preise mit der Währung nach der Zahl ausgezeichnet, so gehört das „CHF“ in der Schweiz vor den Preis. Auch die Mehrwertsteuer wird bei den Eidgenossen generell mit „MwSt“ abgekürzt und nicht als Umsatzsteuer bezeichnet. Ganz schlau ist übrigens Westwing bei der Lancierung von WestwingNow in der Schweiz Ende Juli vorgegangen. Man hat die Währung gleich ganz weggelassen, was mehr zur Irritation als zur Freude beigetragen hat.

Noch weniger behutsam vorgegangen sind aber die deutschen Baumärkte bei ihrem Markteintritt in die Schweiz. Schon Hornbach hat anfänglich wenig Wert auf typisch schweizerische Bezeichnungen im DIY-Sortiment gelegt. Und noch hemdsärmeliger ging Obi in der Schweiz live – es scheint sehr verführerisch, per-se das deutsch/österreichische Sortiment inkl. der Informationen in den Schweizer Onlineshop zu pumpen ohne die sprachlich-kulturellen Unterschiede zu berücksichtigen.

So zeigte ein kurzer Check folgende Diskrepanzen im Onlinesortiment von Obi in der Schweiz auf:

  • 4 Imbusschlüssel- und 6 Innensechskant-Artikel
  • 95 Schraubenzieher- und 109 Schraubendreher-Artikel
  • 1 Beisszange- und 5 Kantenzangen-Artikel
  • 1 Rohrzange- und 2 Wasserpumpenzangen-Artikel
  • 0 Arbeitskleider- und 95 Blaumann-Artikel

Diese Liste ließe sich wohl noch beliebig weiterführen.

Willst du die Kunden im Nachbarland also wirklich für dich und deine Produkte gewinnen, solltest du dich mit spezifischen Eigenheiten im jeweiligen Land auseinanderzusetzen. Insbesondere dann, wenn du glaubst, dass man dort vermeintlich die gleiche Sprache spricht.

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Zalando wächst und wächst und wächst

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3 Reaktionen
Einfuhr-Umsatzsteuer

@Lars: 19% Einfuhr-Umsatz-Steuer ?
Das ist Deutschlands Antwort auf Gewichtszoll. Deutschland ist nämlich auch nicht besser als Schweiz.
Wir werden praktisch gezwungen, legale MARKEN-Produkte, Apple-Geräte usw. in New York usw. zu kaufen weil sie dort billiger sind und dafür sollen wir noch 19% einer deutschen Regierung als Einfuhr-Umsatz-Steuer geben welche den Markenfirmen dieselben guten USA-Preise von NEW YORK (wo Hochpreis-Mieten herrschen) auch hier ermöglichen müsste, aber nicht hinbekommen weil Holdingketten wichtiger sind. Die haben ja nicht mal die möblierte Mietmafia gestoppt oder DSL gebaut oder einen Flughafen:
http://www.golem.de/news/speckguertel-kaum-schnelles-internet-im-umland-deutscher-grossstaedte-1610-123897.html

Und die Zukunft wird nicht besser wenn man die Nachrückenden Generationen und die Antwort auf Eure Stellen-Anzeigen bei t3n heranwachsen sieht:
Dez 2002: http://www.informationsdienst.ruhr/archiv/detail/archiv/2002/december/artikel/nrw-studenten-haben-mangelhafte-mathe-kenntnisse.html
Okt 2016: http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/nrw/Studenten-sind-zunehmend-studierunfähig-article3390759.html
Bisher dachten alle Har har har, bedauerliche Einzelfälle. Pech gehabt. Meine Aussagen (wie gestern auch die FPGAs welche ich vor 15 Jahren schon wollte) wurden jetzt offiziell bestätigt:
Viel Spaß in der Zukunft der Leistungs-Dichte...
news.google.de: deutsch-test bewerber
Diese Leute sichern die Atomkraftwerke und gegen Spam und Eure Konten und Kreditkarten. Solche ABITURIENTEN (deren Abschluss-Kollegen) mischen Krebs-Medikamente, entscheiden, welches Gerät Euch 12 Jahre mit Internet vom Grauen Kasten aus versorg und planen die Strom-Netze wenn bald die E-Autos alle heimkommen und die Strom-Leitungen leer saugen: denn die kommen GLEICHZEITIG HEIM wie Euch im Supermarkt eigentlich aufgefallen sein müsste. http://www.golem.de/news/medientage-muenchen-auch-streaming-hat-eine-hauptsendezeit-im-wohnzimmer-1610-124052.html

Guck mal Amazon. Unten ist Amazon China. Dann fall mal aus den Schuhen wenn du siehst, wie billig LEGALE TV-Serien und Blurays von Kinofilmen usw. sind. Zehn Yuan/Rinmimbi waren früher 1 Euro, jetzt sind es 8 Yuan. Früher musste man im Kopf nur das Komma um eine Stelle verschieben.
Gib einfach dort Game of Thrones oder Walking Dead Bluray oder sowas ein und erkennen, wieso die EU-Kommission für den Bürger überflüssig ist.

Bezüglich Volumetrik:
Die Herkunft ist vielleicht die von Ebay bekannte Pseudoporto-Abzocke: Produkt 99 Cent aber Versand 13 Euro macht 13,99 um die Ebay-Gebühren zu sparen.
Bei Porto gibts auch Volumetrisches Gewicht damit man einen USB-Stick nicht bis 100 Gramm (oder welche Höchst-Grenze man unterschreiten will bevor man die nächste Portostufe erreicht) mit Luft auf-füllt und 10 Liter Leere Luft drumherum macht sondern auch am Volumen spart.

Der schlaue Schweizer hat also vielleicht damals den Produktwert auf 1 Franken gesetzt und den Rest des Warenwertes per Porto bezahlt. Auch bei weiten Strecken und Pferdekutschen sind kleine Schwere Produkte leichter zu transportieren als großer unhandlicher Kram denn bei Großeinkäufen ist das Volumen das Limit und eher nicht so sehr das Gewicht. bei Schiffscontainern und Wohnungen oder t3n-Magazin-Werbe-Anzeigen in der Papier-Zeitschrift bezahlt man ja auch Volumen bzw. Fläche und nicht Gewicht oder Wert: Halber container, drittel Container, Halbe t3n-Seite, t3n-Kleinanzeige usw.

Forwarding usw. ist recht teuer. Das lohnt eher für regelmäßige Bestellungen oder Fanclubs oder so. Bei Einzelbestellungen ärgert man sich über die hohen Zusatz-Kosten.
Aber Einkaufs-Tourismus war - wie ein Wunder - gestern ja auch schon Thema:
news.google.de: einkaufstouristen
Artikel von gestern: http://www.spiegel.de/wirtschaft/schweizer-einkaufstourismus-auf-rekordniveau-a-1124330.html
"Viele Kunden schaffen Probleme". So heruntergewirtschaftet muss man als Land erst mal sein. Dann verdienen die Chinesen die Übernahme. Denn die sind Business-Orientiert... New York und Dubai machen Werbung für Einkaufs-Touristen z.B. in Dubai-Zollfrei-Gebieten. Florida schreibt sicher nicht "Viele Touristen schaffen Probleme".
Das erinnert übrigens an: http://www.spiegel.de/sport/formel1/michael-schumacher-kein-kommentar-zu-den-beleidigungen-a-151507.html "Marmelade" suchen.
Denn in Schweiz herrscht wohl Alters-Armut... und als Freiberufler muss man extrateuer überall bezahlen so das die optisch üppigen 20% Mehr-Einnahmen schnell weg sind wenn man kein Grenz-Tourist ist.

Antworten
Lars

Eine wichtige Info fehlt mir in dem Artikel noch:
Viele Schweizer nutzen eine deutsche Lieferadresse für den Versand. Im gesamten deutschsprachigen Grenzraum gibt kleine Firmen, die für uns in der Schweiz lebenden die Pakete aus aller Welt annehmen. Wir holen diese Paket dann ab, tragen sie über den Zoll und übernehmen die (eigentlich sehr einfache) Verzollung.
Es wäre grossartig mehr deutsche Shops würden das zur Kenntnis nehmen und so indirekt Schweizer Kunden beliefern. Damit bleibt die Rechnungsadresse in der Schweiz, aber die Lieferadresse ist Deutschland, was keine lästige Verzollung bedeutet.
Da wir in der Schweiz lebenden die deutsche MwSt. zurückerhalten, wäre ein einfacher Weg dafür wünschenswert. Amazon Deutschland macht es vor: Ich kann meine Amazon Deutschland Rechnung beim Zoll stempeln lassen und dann für die Mehrwertsteuer Erstattung einschicken. Einige Tage später ist das Geld auf meiner Kreditkarte.
Was die Zahlungsmethoden anbelangt haben die meisten schweizer Online-Shopper, die ich kenne eine Kreditkarte.

Antworten
Timo Fegeler

@Lars
Für Online-Käufte gibt es an der Grenze doch keine Stempel mehr:
http://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/konsum/deutschland-stoppt-mehrwertsteuer-rueckgabe-bei-onlinehandel

Oder hast du einen anderen Trick? :-)

Grüsse

Timo

Antworten

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