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Startups

Crowdfunding in Eigenregie: So pfeifst du auf Kickstarter

Pfeif' auf Kickstarter. (Foto: © ffly – Fotolia.com)

Platzt der Traum vom eigenen Kickstarter-Erfolg, kann man sich nur noch mit Open-Source-Tools zu einer Crowdfunding-Kampagne verhelfen. Wir erklären, welche es gibt und warum ihre Nutzung sogar Vorteile haben kann.

Crowdfunding in Eigenregie: Mach's wie Lockitron

Plötzlich war der Traum erloschen. Sein smartes Türschloss wollte das Hardware-Startup Lockitron Ende 2012 unbedingt über Kickstarter finanzieren. Eine hohe Reichweite, viel Geld und starke Marketing-Effekte – das und mehr versprach die populärste aller Crowdfunding-Plattformen.

Doch daraus wurde nichts: Kickstarter lehnte die Kampagne von Lockitron überraschend ab und verwies darauf, wegen schlechter Erfahrungen mit nicht ausgelieferten Hardware-Produkten vorerst keine Kampagnen dieser Art mehr zuzulassen. Daraufhin entwickelte Lockitron selbst ein Plugin, mit dem sich Crowdfunding-Kampagnen ganz einfach über die eigene Webseite realisieren lassen. Innerhalb von nur einer Woche hatte das Startup sein Türschloss mit 1,8 Millionen US-Dollar finanziert.

3 Tools für deine eigene Crowdfunding-Kampagne

Losgelöst von den inzwischen stark professionalisierten Branchendinos wie Kickstarter oder Indiegogo, bieten Crowdfunding-Kampagnen in Eigenregie wertvolle Vorteile: Geltende und möglicherweise nicht immer nachvollziehbare Restriktionen können umgangen, teure Provisionen bei Finanzierungserfolgen gespart und außerdem die Kontrolle über die Nutzerdaten gewahrt werden. Das haben neben Lockitron inzwischen auch andere Startups erkannt. Wir stellen drei Tools vor, mit denen eure Crowdfunding-Kampagne DIY-Charakter bekommt.

1. CrowdtiltOpen

Die quelloffene Software Crowdtilt Open ist das „Wordpress für Crowdfunding-Kampagnen“. (Screenshot: t3n)
Die quelloffene Software Crowdtilt Open ist das „Wordpress für Crowdfunding-Kampagnen“. (Screenshot: t3n)

Als das „WordPress für Crowdfunding-Kampagnen“ wird Crowdtilt Open bezeichnet. Das Unternehmen bietet mit seinem gleichnamigen Plugin eine quelloffene Lösung für Crowdfunding-Kampagnen an, die Jedermann auf seiner eigenen Webseite platzieren kann. Zu den wichtigsten Features von Crowdtilt Open gehören eine Google-Analytics-Integration sowie die Möglichkeit, Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Die Nutzung von Crowdtilt Open ist grundsätzlich kostenlos, und auch bei einem Finanzierungserfolg müssen außer den Kreditkartengebühren keine weiteren Einnahmen an den Anbieter abgegeben werden. Wichtig: Bisher können Zahlungen nur von US-amerikanischen Bankkonten abgewickelt werden. Allerdings läuft schon eine internationale Betaphase, für die man sich hier anmelden kann.

Ein Erfolgsbeispiel für Crowdtilt Open ist Loomio: Das Startup aus Neuseeland hat eine App entwickelt, mit der Teams einfacher als je zuvor Entscheidungen treffen können. Um die Kosten für Entwicklung und Marketing zu decken, hat Loomio eine Crowdfunding-Kampagne auf seiner Webseite gestartet und dafür das Skript von Crowdtilt Open genutzt. Mit 100.000 US-Dollar hat das Startup die gewünschte Summe schon zusammen.

2. Selfstarter

Lockitron hat aus der Not eine Tugend gemacht: Weil Kickstarter ablehnte, wurde ein eigenes Script für Webseiten entwickelt. (Screenshot: t3n)
Lockitron hat aus der Not eine Tugend gemacht: Weil Kickstarter ablehnte, wurde ein eigenes Script für Webseiten entwickelt. (Screenshot: t3n)

Selfstarter ist die Antwort von Lockitron auf die erwähnte Abfuhr von Kickstarter. Dahinter steckt ähnlich wie bei Crowdtilt Open eine frei verfügbare Software auf Basis von Ruby on Rails, mit der Tüftler ihre Crowdfunding-Kampagne im Baukastensystem auf die eigene Webseite bringen können.

Den Quellcode hat Lockitron auf GitHub zur Verfügung gestellt. Als Zahlungsterminal zur Reservierung der Bestellungen kommt Amazon Payments zum Einsatz, das allerdings erst greift, wenn das unterstützte Produkt tatsächlich verschickt wird.

Es können aber weitere Zahlungskanäle (Stripe, WePay) integriert werden. Ohnehin hat man mit Selfstarter viele Freiheiten, denn: Selfstarter ist, so erklären die Macher, nur eine Art erster Baustein. Um eine vollwertige Crowdfunding-Kampagne auf die Beine zu stellen, muss man selbst noch einige Handgriffe in Sachen Authentifizierung und Administration vornehmen.

3. IgnitionDeck

IgnitionDeck ist die Rundumlösung für unabhängige Crowdfunding-Kampagnen. Das kostet allerdings Geld. (Bild: IgnitionDeck)
IgnitionDeck ist die Rundumlösung für unabhängige Crowdfunding-Kampagnen. Das kostet allerdings Geld. (Bild: IgnitionDeck)

Ein echtes WordPress-Plugin für Crowdfunding-Kampagnen bietet IgnitionDeck. Ohne sich den Geschäftsbedingungen von Kickstarter oder Indiegogo unterwerfen zu müssen, behalten Startups und Bastler mit einer auf dem CMS basierenden Webseite immer die Kontrolle über ihre Kampagne. Im Unterschied zum eher rudimentärem Skript von Selfstarter bietet IgnitionDeck ein Rundum-sorglos-Paket für Crowdfunding-Fans an.

Eingehende Zahlungen werden mit PayPal, Stripe oder Bitcoins abgewickelt, der Kampagnen-Erfolg lässt sich mit einem proprietären Analytics-Tool messen. Zudem gibt es automatisierte E-Mail-Listen und die Möglichkeit, bei Bedarf Stretch-Goals festzulegen. Das Gesamtpaket ist jedoch nicht kostenlos: Die Grundversion kostet 79 US-Dollar, die funktionstechnisch besser ausgestattete Premium- beziehungsweise Enterprise-Version 149 bis 349 US-Dollar.

Warum sich dieses Modell für Startups und Projektler lohnt, erklärt die Plattform in ihrem Blogbeitrag unter dem Titel „IgnitionDeck vs Crowdfunding Platforms: A Cost-Benefit Analysis“. Es gibt also Alternativen zu Kickstarter und Co. Jetzt braucht ihr nur noch ein Projekt.

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3 Reaktionen
Markus

Die beschriebene Erfahrung ist zwar einerseits traurig, andererseits bietet eine selbst durchgeführte Crowdfunding Kampagne sicherlich einige entscheidende Vorteile, etwa hinsichtlich der Ausgestaltung. Was die Reichweite angeht, kann man auch versuchen, in Foren, per AdWords und vor allem über Fachmagazine auf sich aufmerksam zu machen.

KonradBrunner

Ha ABER da gibt es noch viele andere Crowdfunding Seiten die manchmal VIEL besser passen als Kickstarter:
Ich erinnere da z.B an SIMPLEWISH (https://www.simplewish.eu)
Oder wer würde ein Geschenk über Kickstarter organisieren? :D

Tschesche

Coole Zusammenstellung und Beschreibung der Features!
Bisher bieten die meisten Crowdfunding-Plugins allerdings kein deutsches Sprachpaket an. Das dürfte für viele ein Hindernis sein.
Allerdings dürfte die Übersetzung nur eine Frage der Zeit sein, da das ja nicht soo furchtbar kompliziert ist.
Es gibt aber auch noch eine Reihe weiterer Crowdfunding-Plugins für diverse CMS, die teilweise auch für den deutschen Markt geeignetere Zahlungsschnittstellen bieten.
Wer eine eigene Crowdfundingseite betreiben oder sein eigenes Projekt aufsetzen möchte, sollte sich allerdings auch ein Paar Gedanken zur rechtlichen Situation (Vertragslage etc.) und vor allem zum Marketing machen. Das eigene Crowdfunding-Projekt wird nicht Kraft eigener Arroganz bekannt!
Ich hoffe, dass die Verfügbarkeit dieser Plugins ansteigt und viele innovative Projekte oder nachhaltige Vorhaben finanziert werden.

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