Interview

„Ich bin ein alter Ruby-Hase“: CTO Peter Grosskopf von Solarisbank im Interview

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t3n.de: Gibt es spezielle Anforderungen an eure Infrastruktur?

Ja! Datenschutz ist ein großes Thema. Als wir angefangen haben, konnten wir noch nicht in der Cloud hosten. Inzwischen ist AWS so weit, dass man eine Bankeninfrastruktur dort betreiben könnte. Wir laufen in einer privaten Cloud, werden aber sicher über kurz oder lang wechseln. Zweites wichtiges Thema ist Security. Wir haben seit Anfang an einen Security-Experten dabei und bauen das Team laufend aus. Unsere Idee ist es, Security so automatisiert und damit unsichtbar wie möglich in unsere Prozesse zu integrieren. Dann kann die Technik dem Menschen helfen, Fehler zu finden und zu vermeiden.

t3n.de: Welche Hardware und welches Betriebssystem setzt ihr ein?

Unsere Teams verwenden Mac und PC gleichermaßen, mit Mac OS, Windows oder Linux drauf. Im Dev-Team nutzt niemand Windows.

t3n.de: Mac oder PC?

Ich nutze seit 2002 einen Mac. Ich hatte damals einen Kredit aufgenommen, um mir mein erstes iBook G3 zu leisten. Seither ist die Plattform ein treuer Begleiter.

t3n.de: In welchem Maße setzt ihr auf Open Source und gebt ihr der Community auch etwas zurück?

Open Source ist wichtig für uns. Wir setzen nur wenige Systeme ein, die Closed Source sind. Unsere Firma ist ja erst unwesentlich älter als ein Jahr. Wir haben schon kleinere Libs geshared, intern aber auch weitere Tools gebaut, die wir künftig teilen werden. Open Source heißt ja nicht nur, dass man Code auf Github veröffentlicht. Man geht auch eine Verantwortung ein, das Projekt und die Community zu managen. Da müssen wir noch etwas reifen. Aktuell beschränken sich unsere Tätigkeiten eher auf Contributions in fremden Projekten, Vorträge, Wissensaustausch und finanzielle Unterstützung von Projekten und Events.

t3n.de: Dein aktuell liebstes Tool?

Let’s Encrypt und HashiCorp Vault. Security ist im Zeitalter von IoT auch ein gesellschaftliches Thema. Es den Leuten möglichst einfach zu machen, sicheren Code zu schreiben und ihnen die Möglichkeit zu geben, den Giganten über die Schulter zu schauen, finde ich eine lobenswerte Entwicklung.

t3n.de: Was war technologisch gesehen bisher dein schlimmster Albtraum?

In der Uni musste ich ein Projektseminar mit Java, EJB, Model-Driven-Architecture und diversen anderen Tools machen. Wir haben gefühlt mehr Konfigurations-XML als Code geschrieben. Zu dem Zeitpunkt kannte ich schon Rails und Convention over Configuration. Das fühlte sich alles falsch an. Ich glaube, da hat in den Jahren danach auch die Community mit den Füßen abgestimmt.

t3n.de: Deine größte Baustelle im Moment?

Phew. Wir sind noch eine junge Firma, die in der kurzen Zeit schon sehr viel erreicht hat. Ich muss mich weiter von operativen Aufgaben lösen und auf Zukunftsthemen, die übergeordnete Vision und technische Innovationen konzentrieren. Das ist einfach total abgefahren, was noch alles kommt.

Peter Grosskopf schätzt die Arbeit in vertikalen, selbstorganisierten Teams. (Foto: Max Threlfall für Solarisbank)

t3n.de: Welches Feature würdest du gerne mal implementieren?

Ich habe mir mal einen Brain-Sensor von Muse gekauft und wollte einen Recommendation-Service schreiben, der mir Musik für verschiedene Gefühlslagen vorschlägt, also zum Beispiel Musik, die mich produktiv macht oder anderweitig emotional berührt (wenn man mal so richtig abheulen will ;-). Damit hatte ich zwar angefangen, bin aber nie fertig geworden.

Während des Studiums hatte ich auch die Idee, ein auf asymmetrischer Verschlüsselung basiertes Wahlsystem zu entwickeln, welches sich nicht manipulieren lässt. Blockchain-Technologie würde dies heutzutage sogar noch vereinfachen. Gerade letzteres Projekt wäre eins, in welchem Technologie einen gesellschaftlichen und nicht rein wirtschaftlichen Impact hätte. Ich hoffe, dass ich mein Wissen in der Zukunft auch stärker hier zur Anwendung bringen kann.

t3n.de: Das Schlimmste als CTO ist…?

Die Aufgaben eines CTOs in einer Zehn-plus-Leute-Organisation sind vor allem strategischer Natur. Manchmal vermisse ich es, operativ stärker mitzumachen. Auf der anderen Seite hat man die Möglichkeit, die Richtung einer Firma zu bestimmen – da ich auch für das Thema Research verantwortlich bin, sogar die Richtung einer ganzen Branche.

t3n.de: Was wird der nächste große Hype im Web?

Wir haben seit Anfang des Jahres ein Amazon Echo daheim. Das Ding funktioniert einfach erschreckend gut. Mir kommen täglich zig Ideen, die man damit machen könnte. Vielleicht könnte ich von Alexa Finnisch lernen? Hier kommen Machine Learning, Schnittstellen und Mashups ins Spiel. VR und Augmented Reality finde ich auch spannend. Nicht zuletzt Blockchain, aber da wird sicher noch eine Menge Wasser den Rhein runterfließen, bis wir hier im Mainstream ankommen. Da habe ich eine differenzierte Meinung, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

t3n.de: Welches sind deine Lieblingswebsites zu den Themen Webentwicklung und Sicherheit?

Ich lese viel auf Medium, diverse Newsletter und Podcasts, eine Mischung von Company Blogs (zum Beispiel von HashiCorp, Airbnb Engineering), Coindesk, The New Stack und natürlich Geek & Poke, weil das Entwickler-Leben auch humorvolle Seiten hat.

t3n.de: Danke für das Interview, Peter! 

 

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