Kolumne

Wenn der kalte Cyber-Krieg heiß wird, ist das Internet am Ende

Wenn der kalte Cyber-Krieg heiß würde, wäre das Internet insgesamt gefährdet. (Foto: enzozo/Shutterstock)

Einen echten Cyber-Weltkrieg haben wir noch nicht erlebt. Sollte es dazu kommen, wäre das Internet, wie wir es kennen, zerstört. Die Neuland-Kolumne von Stephan Dörner.

Stell dir vor, es ist Cyber-Krieg und alle machen mit

Hinter den Kulissen findet seit vielen Jahren ein Wettrüsten der Cyber-Waffen statt – der kalte Krieg des Internet-Zeitalters. Gesehen hat die Öffentlichkeit davon immer nur kleinste Ausschnitte – anhand von extrem ausgefeilten, maßgeschneiderten Cyber-Waffen wie Stuxnet, die chirurgisch präzise einzelne Infrastrukturen angegriffen haben. Im Falle von Stuxnet beispielsweise das iranische Atomprogramm.

Bei Stuxnet und ähnlich präzisen Cyber-Waffen hatten die Angreifer kein Interesse an der breitflächigen Verbreitung der Schadsoftware, denn das hätte nur die Chance auf ihre Entdeckung vergrößert. Weniger zielgenaue Cyber-Waffen wie groß angelegte Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS), die breitflächig Internet-Infrastruktur lahmlegen, sind langfristig viel gefährlicher. Statt chirurgisch präziser Angriffe und der Spionage an individuellen Einrichtungen gehen DDoS-Angriffe mit roher Gewalt vor und überfluten die Opfer mit sinnlosen Anfragen, was ganze Server-Netzwerke in die Knie zwingt. Dadurch wird das Internet insgesamt in Mitleidenschaft gezogen.

Alles, was DDoS-Angreifer dafür benötigen, sind riesige Bot-Netzwerke aus mit dem Internet verbundenen Geräten. Es ist nicht schwer, solche Netzwerke zu rekrutieren – Millionen von Geräten, die am Netz hängen, sind schlecht oder gar nicht abgesichert. Bei einigen billigen IP-Kameras made in China ist beispielsweise sogar das allgemein bekannte Standard-Passwort hardwareseitig festgelegt und lässt sich nicht ändern.

DDoS: Schon „Skript-Kiddies“ können große Schäden anrichten

Leicht lassen sich die Angriffe so konfigurieren, dass die Anfrageflut von verschiedenen gefälschten IP-Adressen zu kommen scheint, was die Abwehr des Angriffes erschwert. Noch sind DDoS-Angriffe das Spielfeld vor allem von kriminellen Erpressern und wütenden „Skript-Kiddies“, also meist pubertierenden Jugendlichen, die zu nicht viel mehr in der Lage sind als bereits fertige, aus dem Internet heruntergeladene Malware zum Laufen zu bekommen.

Trotz der häufig relativ geringen technischen Kenntnisse innerhalb dieser Milieus sind die Schäden von DDoS-Angriffen schon heute enorm. Die wenigstens davon sind sichtbar. Wer sich unter Betreibern größerer Webauftritte umhört, weiß, dass regelmäßige DDoS-Angriffe zum Alltag vieler System-Administratoren gehören. Oft ist dabei völlig unklar, warum sie passieren. In den meisten Fällen halten die Server stand – auch wenn jeder DDoS-Angriff Kosten verursacht, allein durch den höheren Datenverbrauch im Rechenzentrum. Manchmal wie jüngst beim Angriff auf den DNS-Provider Dyn aber werden solche DDoS-Angriffe auch für normale Internetnutzer sichtbar. In diesem Fall waren zahlreiche Dienste von Twitter über Netflix bis zu Amazon vorübergehend schwer oder gar nicht erreichbar.

Wenn schon technisch oft nicht besonders versierte Kriminelle und Skript-Kiddies in der Lage sind, ein solches Internet-Erdbeben auszulösen, bekommen wir eine Ahnung davon, wozu staatliche Angreifer in der Lage wären, sollte der kalte von Spionage und Sabotage geprägte Cyber-Krieg einmal heiß werden. Ausgeschlossen ist das nicht: Nach dem Hack von E-Mails der Demokratischen Partei in den USA, hinter der die US-Regierung staatliche russische Hacker vermutet, drohte das Weiße Haus ganz offen mit dem Einsatz einer solchen Cyber-Waffe auf Russland als Racheakt.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
Brech
Brech

Ach, herrjeh, war das auch eines von diesen „Skript-Kiddies“, das diesen Text verfasst hat?!

Antworten
Karl Marks
Karl Marks

Durchaus eine sehr reale Gefahr, funktioniert in der Wirtschaft heut zu Tage doch so gut wie gar nichts mehr ohne Internet; es herrscht eine extrem hohe Abhängigkeit.

Antworten
Abbrechen

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung