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Darum arbeiten Internet-Händler mit extrem schwankenden Preisen

Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Preise haben Nachteile. (Foto: Shutterstock)

Im Internethandel ändern sich Preise oft mehrmals am Tag. Die Verbraucherzentrale hat das jetzt untersucht und einige spannende Ergebnisse rund um Dynamic Pricing ermittelt. 

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat im Rahmen einer Untersuchung die Preise von mehr als 1.100 Produkten bei 16 Händlern über 34 Tage lang beobachtet und analysiert. Deutlich wird, dass viele Preise im Laufe des Untersuchungszeitraums schwankten und teils im Stundenrhythmus angepasst wurden. Einzige Ausnahme war eine Online-Apotheke, bei anderen Mitbewerbern indes war durchaus Bewegung in den Preisen.

Dass die Preise so stark schwanken, ist nicht verwunderlich: Denn inzwischen untersuchen zahlreiche Bots permanent die Preise der wichtigsten Mitbewerber, Verkaufsportale und -plattformen sowie Preisvergleichsportale. Mit 37 Prozent der ausgewählten Stichprobe schwankte der Preis bei rund jedem dritten Produkt – hier aber dafür gewaltig. Eine andere Untersuchung hatte kürzlich ergeben, dass bisher vier von zehn Händlern mit Dynamic Pricing arbeiten und einige weitere den Einstieg in die individualisierte Preisgestaltung planen.

Bis zu 32 Preissprünge in 34 Tagen

Bei zwei von drei Produkten änderte sich der Preis im Untersuchungszeitraum bis zu dreimal, bei etwa einem Drittel bis zu 15-mal, der Preis einiger Waren änderte sich innerhalb der 34 Tage sogar 32-mal. Dabei waren die Preisänderungen in den meisten Fällen gering, allerdings gab es auch ein Smartphone, das im Beobachtungszeitraum über 220 Euro im Preis stieg. Sinnvoll ist es daher, als Kunde auf den Preisverlauf zu schauen, wie ihn die gängigen Preisvergleichsportale wie Idealo anzeigen. Wer zu zahlreichen Produkten die Preisverläufe speziell bei Amazon wissen will, kann sich über Mein Preisalarm informieren und gegebenenfalls selbst einen Artikel in die Beobachtung aufnehmen.

Technisch möglich, aber hierzulande noch nicht so verbreitet, ist personalisiertes Bepreisen von Waren (Dynamic-Personalized-Pricing). Dabei wird die Preisgestaltung auch daran ausgerichtet, wie oft ein Kunde im eingeloggten Konto sich eine bestimmte Ware angesehen hat. Hat er dies häufiger getan, kann man davon ausgehen, dass er diese auch kaufen will, so die Idee dahinter. Deshalb empfiehlt es sich in manchen Fällen, Preisrecherchen im Inkognito-Modus des Browsers durchzuführen. Auch die Nutzung unterschiedlicher Endgeräte kann zum selben Zeitpunkt unterschiedliche Preise hervorrufen. Dynamic Pricing ist bei den Kunden allerdings hierzulande noch verpönt. Uns ist kein Fall bekannt, in dem es offensichtlich gemacht wird, wohl aber Fälle, in denen das Upselling über entsprechende Paketpreise erfolgt, sodass es weniger offensichtlich ist (etwa im Reise- und Hotelbereich).

Dynamic Pricing: So machst du Schnäppchen

Die Muster, nach denen die Preisgestaltung erfolgt, sind nicht immer eindeutig. Die Verbraucherschützer bemerkten beim Autoteile-Händler ATU, dass es einen Zusammenhang zwischen Preisgestaltung und Tageszeit gab, der sich aber nicht bei allen Produkten nachvollziehen lässt. So waren Autoreifen und Autobatterien oftmals morgens um einige Prozent teurer als in den Abendstunden. Mediamarkt hingegen hat, wie andere Elektronikversender, den Abend als Schnäppchenzeit entdeckt und startet daher viele Aktionen am frühen Abend.

Größere Preisschwankungen gibt es, tendenziell nach unten, bei Kleidung. Hier kann man gerade gegen Ende der Saison gut verfolgen, wie der frühere Schlussverkauf heutzutage um einiges detaillierter stattfindet. Doch insbesondere große Preissprünge bedeuten hier auch, dass ein Kleidungsstück schnell nicht mehr in der gesuchten Größe oder Ausführung verfügbar ist.

Allerdings könnte das ständige Hin und Her bei den Preisen den Händlern auch zum Problem werden. Dann nämlich, wenn der verunsicherte Kunde nicht bestellt, weil er immer noch mit einem besseren Schnäppchen rechnet. Kirsti Dautzenberg, bei der Verbraucherzentrale verantwortlich für das sogenannte Marktwächter-Team der digitalen Welt, erklärt, dass der Verlust an Richtpreisen ein Problem für den Handel werden könnte, weil der Kunde keine Erfahrungswerte mehr wie in der analogen Welt habe: „Der Kunde hat dadurch keinen verlässlichen Referenzpreis mehr, an dem er den Wert eines Produkts bemessen kann“, erklärt Dautzenberg gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

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