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Das Ende der kostenlosen Haustürzustellung ist bereits abzusehen

Die Paketdienste liebäugeln schon damit, jetzt sehen auch Analysten das Ende der gratis Haustürzustellung. (Foto: © YinYang - iStock.com)

Die Paketzustellung wird immer teurer und das macht laut Analysten auch vor dem Verbraucher nicht halt: Haustürzustellung wird zukünftig Geld kosten.

Milliarden Pakete werden pro Jahr in Deutschland verschickt, in zehn Jahren soll sich die Menge von 3,5 auf gut neun Milliarden verdreifachen. Der Personalmangel wird zu höheren Löhnen führen und dafür sorgen, dass sich die Zustellkosten bis 2028 nahezu verdoppeln. Die Analysten von Oliver Wyman sind sich sicher, dass das nicht nur zu mehr Paketautomaten- und Shops führen wird, sondern auch zu Mehrkosten auf der sogenannten letzten Meile, der Zustellung zum Endkunden. Im Moment trifft das bei einigen Logistik-Anbietern nur den Händler, aber das wird nicht so bleiben.

Stark steigende Kosten in der Paketzustellung

Das steigende Paketaufkommen belastet die Paketdienste und sorgt für höhere Kosten. Die von Oliver Wyman aufgezeigten Szenarien demonstrieren mit Nachdruck wie: Der Bedarf der Paketdienste für Lieferfahrer soll von derzeitigen 90.000 auf bis zu 200.000 ansteigen. Dadurch würden die Lohnkosten von aktuell bis zu 15 Euro auf bis zu 30 Euro pro Stunde steigen.

Durch diesen Faktor sollen die Kosten einer Haustürzustellung von 2,50 Euro auf 4,50 Euro ansteigen. Das logistische Problem der Haustürzustellung: Hier wird nur eine Sendung pro Stopp zugestellt. Bei einer Zustellung an eine Abholeinrichtung wie einem Paketautomaten oder einem Paketshop werden mehrere Sendungen mit einem Stopp abgeliefert. Das spart Zeit, Fahrtwege und Geld. Deshalb kostet diese Zustellung den Paketdienst auch weniger, die Analysten beziffern die Kosten auf etwa ein Drittel der Haustürzustellung: 2028 sollen die bei 2,80 Euro bis 3,30 Euro liegen.

Zukünftig heißt es: Paketshop oder für Haustürzustellung zahlen

Daraus folgern die Experten von Oliver Wyman, dass Besteller zukünftig mit Zusatzkosten für die Zustellung an die Haustüre rechnen müssen. Abgeneigt zeigen sich viele Zusteller schon heute nicht. Die Zustellung an Automaten oder Paketshops ist für die Paketdienstleister um ein vielfaches attraktiver und wird nach Meinung der Experten zukünftig stark bevorzugt. In vielen europäischen Nachbarländern ist die Zustellung an diese kleinen Abgabestationen weit verbreitet, deshalb ist damit zu rechnen, dass auch der Verbraucher in Deutschland sich langfristig umgewöhnen muss.

Paketdienstleister müssen neue Wege gehen und agiler werden

Viele Verbraucher bestellen über das Wochenende, deshalb ist Montags und Dienstags in den Paketdepots fast doppelt soviel los, wie unter der Woche. Olyver Wyman prognostiziert deshalb nicht nur eine steigende Anzahl an Abgabestationen, sondern empfiehlt auch flexiblere Depot- und Hubstrukturen um solche Schwankungen auszugleichen. Predictive Analytics für Paketmengen und agile Routenplanung werden in Zukunft zum Standard gehören.

Als Beispiel für einen agilen Paketdienstleister führen die Analysten Amazon an, die heute schon auf einen Mix aus eigener Zustellung, eigenen Paketstationen und fremder Infrastruktur setzt. Agile Routenplanung ist für Amazon jetzt schon ein Standard.


t3n meint:
Die Paketdienstleister werden bis zum letztmöglichen Zeitpunkt warten, bevor Sie Endkunden Zustellgebühren berechnen. Als Bremse wird sich hier sicher Amazon erweisen, da sie sich vermutlich bis zuletzt weigern werden, dem Kunden solche Gebühren aufzuerlegen. Ersatzweise versucht Amazon bei der eigenen Zustellung heute schon Bestellungen mit dem „Amazon-Day“ auf bestimmte Tage zu legen.

Die Logistikanbieter werden die Gebühr aber vermutlich als Steuerungsmöglichkeit für die Zustellung zur Paketstation oder in den Shop betrachten, deshalb ist eine Einführung im Laufe der nächsten Jahre denkbar. Schlauer wäre es, einen deutlichen Mehrwert in den Shops und Paketstationen zu schaffen.
Jochen G. Fuchs

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15 Kommentare
Paul
Paul

Das mag in einer großen Stadt vielleicht funktionieren, aber auf dem Land ist es das Letzte in das nächste Kuhdorf zu fahren um die Pakete abzuholen. Dann ist die Post nur morgens, wergtags zwischen 9 und 12 Uhr auf. Also soll ich meine Pakete denn nie bekommen?!

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Max Headroom
Max Headroom

@Paul Mach Dir keine Gedanken, irgendwann wird ganz Deutschland zu „BERLIN“ umgewidmet und dann leben wir Alle in dem verfi…Moloch…..;-))

Dann hat sich das Problem mit den Kuhkäffern auch erledigt, die gibt´s dann nicht mehr….

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Stefan
Stefan

Wie kommt ihr auf den schmalen Trichter, das die Zustellung an der Haustür kostenlos ist? Ein Paket zu versenden kostet Geld, das machen DHL & Co. nicht umsonst. Und bisher beinhaltet diese bezahlte Leistung eben die Zustellung an der Haustür. Das macht diese Leistung noch lange nicht kostenlos. Aber mit diesem Framing kann man natürlich irgendwann die Kosten besser rechtfertigen…

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Micha
Micha

Anscheinend sind Versandkosten nur für die Kaffeekasse.
Ich hatte schon immer den Verdacht, dass DHL & Co. das alles nur aus Liebe machen und alles Freiwillige sind.
Kann man den Bon wohl als Spendenquittung einreichen?

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Micha
Micha

So erlebt mit einem Paketshop:
> „Hallo, ich würde gern ein Paket abholen.“
„Laut Sendungsverfolgung sollte es hier sein.“
„Hallo, ist das Paket heute da?“
„Ich war gestern da, als es angeblich nicht hier war. Wann hätte ich bitte früher da sein sollen?“
< "Hmm… Blöd gelaufen, wa?"

So geschehen mit Hermes.

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Micha
Micha

@t3n
Hier fehlen Textpassagen. Ich habe mich mit „Spitze Klammer zu“ und den Paketshopangestellten mit „Spitze Klammer auf“ eingeleitet. Hat hier ein fehlerhafter Filter zugeschlagen?

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ICU
ICU

Glaubt nicht alles was Analysten sagen ;-)

Wie schon kommentiert, ist die Zustellung ja nicht kostenlos. Da bezahlt immer jemand, entweder der Empfänger oder der Versender.
Nur haben die Paketdienste irgendwann angefangen, statt bis an die Haustür zu liefern, Paketstationen aufzustellen, weil das in der Zustellung günstiger ist (da kann man dem Analysten ja doch mal was abnehmen ;-)
Eigentlich müsste aktuell die Zustellung zum/zur Paketshop/-station ja für den Kunden (egal ob Versender oder Empfänger) günstiger sein, denn es wurde ja für die Haustürzustellung bezahlt.

Das dachte sich auch Hermes bei meinem letzten Paket. Nach Ankündigung der Zustellung habe ich das auf den nächstgelegene Paketshop umgebucht, aber Hermes hat trotzdem an der Haustür zugestellt. Also alles richtig gemacht, „ich“ zahle für Zustellung an Haustür, dann machen Hermes das auch ;-) Über die anderen Probleme die Hermes gerade macht, reden wir erst einmal nicht.

Spass bei Seite, (oder schreibt man beseite?) Grundsätzlich ist ja auch nichts daran auszusetzen für unterschiedliche Leistungen unterschiedliche Preise zu nehmen, z. B. kostet das Einliefern des Pakets im Shop ja nur die normalen Versandkosten, bei Abholung zahlt man extra. Da ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch Zustellungspreise zwischen Haustür und Paketshop oder -station unterschiedlich sind. Aber dazu braucht es keine Analysten, das merken die Paketdienste von alleine. Und wenn der Kunde das nicht bezahlen will, dann macht es der Versender (und legt ggf. die Zusatzkosten auf den Verkaufspreis um). Aber auch das ist normales kaufmännisches Verhalten.

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Philipp
Philipp

Um diese Entwicklung abzusehen, braucht man nun wirklich kein Hellseher mehr sein. Wenn man sich überlegt, dass Paketboten pro Zustellung nur ein Zeitfenster haben, das sich besser in Sekunden denn in Minuten beschreiben lässt, war das eine logische Konsquenz.

Zudem ist es für den Endkunden auch sehr attraktiv. Denn diese Paketstationen haben deutlich bessere Öffnungszeiten als jede Postfiliale (bei der ein Paket landet, wenn man nicht zu Hause angetroffen wird). Daher kann ich sehr gut damit leben, dass ich als Kunde die letzte Meile übernehme. Für mich ist das ebenfalls ein zugewinn an Komfort, auch wenn ich das Haus verlassen muss. Ich kann mich an kein Paket der letzten Jahre erinnern, das ich persönlich an der Haustür entgegen genommen haben. Und wenn es doch eins gab, dann hat sich an diesem Tag immer die Frage gestellt „Wann kommt denn die Lieferung? Schaffe ich noch meinen Einkauf vorher oder bleibe ich lieber zu Hause?“ Das ist praktisch eine Win-Win-Situation.

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thowe
thowe

… und wie wäre es, einfach in das Geschäft gehen?

Warum betreiben die Filialisten, die Geschäfte nicht selbst einen „Paketshop“. Online einkaufen, und einfach zum Schaufenster das Paket abholen. Zu jeder Zeit.

Wenn ich schon zu faul bin, mein Einkäufe selbst im Geschäft zu erledigen, aber bereit bin in einen Paketshop zu laufen, dann kann ich auch zum Schaufenster, nicht?

Übrigens, ich habe bis heute noch alles ohne Online zu shoppen von A) wie amazon bis Z) wie zalando, bekommen, was ich einkaufen wollte. In der gewünschten Qualität und zum gewünschten Preis.

Meine lokale/regionale Wirtschaft freut sich. Und man glaubt es gar nicht, wenn ein Artikel gerade nicht verfügbar ist, bestellen die das sogar und man kann es dann abholen, nach Lieferung.

Mit etwas Geduld und Grips umschifft man damit sogar die Ausbeutung der armen Zusteller.

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Shadowwolf12
Shadowwolf12

Machen doch schon etliche Läden. Mediamarkt, Saturn, Unique, CA, H&M usw. Es besteht bloß vom Kunden kein Interesse daran. Warum soll ich zu ein Laden lartschen der trotz alldem gut 3-5km entfernt ist.

Schön das du nichts online kaufst da hast du aber auch zu 60% drauf gezahlt weil manche Sachen nur online super günstig Angeboten werden.

Regionale Wirtschaft ist doch schon seit Jahren am sterben. Sieht man ganz gut daran das selbst die super tollen Malls die Fläsche nicht mehr voll bekommen. Warum weil kleiner Laden online mehr Umsatz macht als offline und weniger Risko tragen muss. Und dazu kommt das Mieten so abgehoben sind das man lieber in der Pamper sich Lagerbaut und von dort das dann verschickt.

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thowe
thowe

ooh wußte ich gar nicht. Aber bei diesen Geschäften kaufe ich nicht ein.

Mir geht es nicht um saugünstig. Übrigens im Konsumverzicht liegt der Reichtum. Das vergisst man halt in der Welt von „du darfst, ich bin und Co“…. Einen Aufpreis akzeptiere ich für das „old fashioned“ einkaufen. 60% natürlich nicht, den ich informiere mich schon. Das natürlich online und kostenlos (die Info) :-)

Shadowwolf12
Shadowwolf12

Intressant wie die Personalkosten auf 30 Euro die Stunde anfallen sollen, wenn sie aktuell was geschribene wird nicht jeden zahlen also die 15 Euro. Da sie ja Clevere System haben mit Leihfirmen. Also von wegen Lohnkosten werden teurer ist unfug. Und je mehr bestellen umso mehr wird dann an ein Haus auch geliefert wieder weg einsparen. Das sehen ja die Finaz heinis nicht und rechnen es sich schön, damit man es teurer machen kann. Deutsche Post versucht ja auch verzweifelt die Birfe teurer zumachen gott sei dank greift da das Kartelamt ein. Versteh eh nicht warum das teurer wird.

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Da. Potato
Da. Potato

Dann soll DHL mal bitte genügend Packstationen aufstellen. Ich würde liebend gerne nur noch an die Packstation bestellen. Nur leider ist die einzige Packstation in meiner Nähe (Hauptbahnhof einer kleineren Großstadt) in 90% der Fälle überfüllt. Die Sendung geht dann zur Post-Filiale, wo man mindestends 20 Minuten warten muss. Zumindest erhalte ich mein Paket dann ordentlich, im Gegensatz zu der Haustürzustellung. Mir werden vom Postboten Pakete einfach vor die Haustür gestellt (egal was drin ist). Das ist am Hauptbahnhof einfach total inakzeptabel!

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Ulrich
Ulrich

Die Zustellzng kostet auch jetzt schon Geld, der Punkt wird sein, welche Alternative sich denn sonst noch bietet. Bevor die Innenstätte zu Autofreien, grü ein Oasen mit wunderbarer Luft werden wird der Einzelhandel dort schon beerdigt worden sein. Die Zustellung wird ein Nebenprodukt von autonom selbstfahrenden Objekten sein, die dank Google oder Amazon 24h arbeiten und absolut effizient sein können. Der Post oder Paketbote wird ein anderes Problem haben. Denn er muss sich dank eines Mindestlohns neu erfinden., denn er kann vermutlich auch nicht zufriedener sein, wenn er nicht gesagt bekommt was er zu tun hat.

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Hel
Hel

Und schon wieder ein „Experte“, der von Nichts eine Ahnung hat… mit einer „Kostenrechnung“ bestenfalls vom Milchmädchen.

Haustürzustellung wird immer besser und besser, bei mir funktioniert sie (Dank Ablageerlaubnis und auch immer mehr Paketshops, z. B. in Tankstellen, etc.) derzeit zu über 90% einwandfrei.

Ausserdem ist es ja wohl auch klüger, wenn EIN Paketauto 100 Lieferungen zustellt als wenn 100 Käufer kreuz und quer durch die Gegend fahren müssen und dann die Hälfte davon doch nicht das findet, was sie suchen…

Dass die Bezahlung der Lieferdienste endlich verbessert werden muss, ist natürlich vollkommen richtig.
Und dass man dafür ein bisschen Geld umverteilen muss vom Grossverdiener zum Arbeiter/Subunternehmer, ist auch nix Neues.
Ok, das ist wohl leider auch nicht ganz so einfach…
Aber machbar!
Und wenn´s jetzt tatsächlich auch 50 Cent teurer werden würde… WTF?
Zahl ich gerne, und der Paketbote hat pro Lieferung dann wieviel mehr?!
Aber deswegen die direkte Zustellung grundsätzlich für tot zu erklären ist absolut lächerlich.

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