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Bestellen per Knopfdruck – Gericht verbietet Amazon den Dash-Button

Praktisch zum Nachbestellen, aber intransparent für den Kunden, urteilten die Richter des OLG München. (Foto: Amazon)

Das Oberlandesgericht München hat den Dash-Button, mit dem Kunden Verbrauchsgüter wie Waschmittel oder Katzenstreu nachbestellen können, verboten.

Amazon muss den Dash-Button in Deutschland vom Markt nehmen. Wie das Oberlandesgericht München heute urteilte, verstößt der WLAN-Bestellknopf, mit dem man beispielsweise Waschmittel, Kaffee und andere Waren des täglichen Bedarfs in Deutschland bestellen kann, gegen deutsches Recht. Die aufklebbaren, nur mit dem jeweiligen Herstellerlogo versehenen Knöpfe führten zu intransparenten Bestellungen.

Insbesondere entschied das Gericht, das über eine Klage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu urteilen hatte, dass klare Informationen zu Inhalt, Preis und der klare Hinweis auf eine zahlungspflichtige Bestellung fehlten – insbesondere letzterer Hinweis dürfte auch durch eine Umgestaltung der Buttons oder eine Änderung der Workflows nicht zu bewerkstelligen sein. Interessant ist die Frage, ob dieser Hinweis auf die zahlungspflichtige Bestellung, der ja EU-Recht ist, auch in anderen Ländern zu Beanstandungen führt.

Gericht: Dash-Button lässt Amazon-Kunden im Unklaren

Problematisch waren jedoch auch andere Punkte, etwa dass der Kunde nicht wissen konnte, ob er die Ware in der gewünschten Gebindegröße oder gegebenenfalls auch in der nächst größeren Packung bekommen wird und welchen Preis er dafür zahlen wird. Bereits in erster Instanz hatte das Landgericht München geurteilt, dass der Kunde nur bei Installation der App über die jeweiligen Details informiert werde, nicht aber im Rahmen des jeweiligen Kaufprozesses selbst.

Wie vielen Kunden in Deutschland Amazon seit dem Start im August 2016 solche Bestellknöpfe verkauft hat und wie viel Umsatz damit gemacht wird, dazu gab Amazon keine näheren Angaben heraus. Gerne hätte es das Unternehmen aber naturgemäß gesehen, „wenn die Kunden nicht daran gehindert würden, selbst eine Entscheidung darüber zu treffen, ob ihnen ein Service wie der Dash Button ein bequemes Einkaufserlebnis ermöglicht.“ Man sei immer noch davon überzeugt, dass der Dash Button und die dazugehörige App dem deutschen Recht entsprächen und werde Rechtsmittel einlegen.

Andererseits dürfte der Verzicht auf die Dash-Button-Technologie, wenn sie denn rechtskräftig wird, Amazon nicht allzu hart treffen, da inzwischen Voice-Commerce-Technologien auf Smartphone- oder Smartspeaker-Basis auf dem Vormarsch sind, auch wenn es bis zur Akzeptanz von Voice-Commerce noch ein weiter Weg ist.

Wer noch einen oder mehrere der Dash Buttons hat, muss allerdings nicht traurig sein. Auch wenn man als Amazon-Kunde damit dann nichts mehr anfangen kann, bietet das Gerät, das ja über einen WLAN-Empfänger verfügt, noch einige interessante Anwendungs- und Steuerungsmöglichkeiten, etwa im Bereich Hausautomation. Mit Material von dpa

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2 Kommentare
Sebastian Böttcher
Sebastian Böttcher

Es ist doch eine aktive Entscheidung den Dash-Button zu kaufen und zu installieren. Ich finde diese Art von Verbraucher-„Schutz“ komplett sinnbefreit. Jeder, der diesen Button nutzt, weiß worauf er sich einlässt. Es ist eher eine Art der Beraubung der freien Entscheidungen, diesen zu verbieten.

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Markus
Markus

im ersten Impuls habe ich mir das auch gedacht.
Das einzig problematische finde ich, dass ich nicht weiss und nicht unbedingt erfahre, ob sich der Preis in der Zwischenzeit geänert hat. Das Problem habe ich aber eigenltich auch mit einem Amazon SparAbo. Da habe ich letztens auch eine Mail erhalten, dass sich die Preise geändert haben. Mh…

Die Entscheidung den Knopf zu drücken und damit einen Kauf auszulösen liegt doch in meiner Hand! Ich weiss, dass ich dann eine Bestellung auslöse. Ob auf dem Button jetzt „Jetzt zahlungspflichtig Kaufen“ oder „DASH“ steht ist natürlich juristisch ein großer Unterschied, ich denke aber ich weiss was ich da tue. Das ist eindeutiger als irgendwelche Buttons auf einer Website, bei denen es nicht immer klar ist, ob das eine Bestellung erfolgt oder nicht…

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