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Analyse

Datenanalyse zeigt: Amazon-Rezensionen sind Bullshit

(Screenshot: Review Meta/Youtube)

Amazon-Rezensionen sind mit Vorsicht zu genießen. Wie sich Bewertungen von Nutzern auswirken, die ihre Produkte zum Test geschenkt bekommen, zeigt eine Analyse.

Amazon-Rezensionen für geschenkte Produkte

Rezensionen auf Amazon sollen potenziellen Kunden eine Orientierung bei ihrer Kaufentscheidung bieten. Klar, dass das auch Marketer und Hersteller diesen Kanal bestmöglich ausnutzen wollen. Schon lange kämpft Amazon gegen sogenannte Fake-Reviews, also (meist) Fünf-Sterne-Rezensionen von bezahlten Verfassern. Ein weiteres Einfallstor für Manipulationen hat jetzt der Tool-Anbieter Review Meta analysiert – die Incentive-Rezensionen. Dabei bekommen Nutzer Produkte günstiger oder sogar geschenkt, wenn sie dafür Amazon-Rezensionen liefern.

Amazon-Rezensionen: Wer ein Produkt gratis bekommt, bewertet besser. (Screenshot: Amazon.de)
Amazon-Rezensionen: Wer ein Produkt gratis bekommt, bewertet besser. (Screenshot: Amazon.de)

Review Meta bietet ein Online-Tool, das Informationen über alle auf Amazon angebotenen Produkte bietet und es ermöglicht, die oben beschriebenen Gefälligkeitsrezensionen auszuklammern. Zwar fordern die Hersteller die Nutzer nicht dazu auf, das geschenkte oder verbilligte Produkt positiv zu bewerten, aber die Incentive-Rezensionen fallen positiver aus als der Durchschnitt der Rezensionen auf Amazon. Das kann natürlich auch daran liegen, dass die Hersteller vor allem Produkte verschenken, die besser sind als der Durchschnitt.

In den USA müssen solche Incentives bei Kundenrezensionen gekennzeichnet werden, in Deutschland bietet Amazon selbst mit Vine den sogenannten „Club der Produkttester“. Diese Rezensionen sind durch einen grünen Streifen mit der Aufschrift „Kundenmeinung“ gekennzeichnet. Der Club wurde Ende 2013 von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen scharf kritisiert: Die Clubmitglieder vergäben besonders viele gute Bewertungen, weil sie die teils teuren Produkte kostenlos erhielten. Dabei sollte es laut Amazon „ehrliche und unbeeinflusste Rückmeldungen“ geben.

Amazon-Rezensionen: Einem geschenkten Gaul ...

Das von den Verbraucherschützern kritisierte Verhalten haben die US-Analysen jetzt bestätigt. Demnach machen die Gefälligkeitsrezensionen schon 20 Prozent aller Rezensionen aus. Im Schnitt erhält ein Produkt auf Amazon 4,4 Sterne, bei den Incentive-Rezensionen sind es 4,73 Sterne – ein solches Produkt rückt vom Durchschnitt unter die sechs Prozent der am besten bewerteten Produkte. Fast neun von zehn Rezensenten, die ihr Produkt geschenkt oder vergünstigt erhalten haben, gaben bessere Bewertungen ab als der durchschnittliche Rezensent.

Review Meta hat 807 Produkte analysiert, die mindestens zehn Incentive- und zehn normale Rezensionen hatten. Insgesamt wurden 1,7 Millionen Rezensionen durchforstet. Gegenüber TheNextWeb hat Amazon versprochen, dass es in Kürze deutliche Änderungen am System geben werde, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.

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5 Reaktionen
silvia.brass

Ich wollte nur ein absurd-witziges Echtbeispiel beitragen:

https://www.amazon.de/product-reviews/B01MR2A9NP/ref=cm_cr_dp_synop?ie=UTF8&reviewerType=all_reviews&showViewpoints=0&sortBy=recent#R1PO5NIED8X6F5

Hierbei handelt es sich um ein Produkt für Frauen mit Shape-/ Pushup-Funktion. Die meisten der Rezensionen würden jedoch von Männern eingestellt: Nils, Benjamin, Marco.... ich frage mich, wie die Pushup-Funktion wirkt? Alle sind nichtverifizierte Käufer, wen wundert's :0)
Die einzige verifizierte *Käuferin* bewertet das Produkt als eher schlecht, auch nicht verwunderlich.
Wann wird Amazon dieser Art von Fäschung und Manipulation endlich ein Ende setzen? Ein Anfang wäre doch so einfach, nur noch verifierte Käufer für Bewertungen zuzulassen.

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RudolfFiedler

Amazon hat offensichtlich kein Interesse an echten Rezensionen. Die gefälschten positiven Rezensionen. Die von Amazon angekündigten "Deutlichen Änderungen am System" sind Makulatur. Amazon selbst löscht schlechte Produktbewertungen (in meinem Fall Bewertung eines Netbooks).
Wenn der Spitzbube zum Aufpasser werden soll, bringt das der Sache nichts.

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Fake nerven - Aber an sich auch schon Produktsuche

Das schlimme ist, das Amazon die Fakes einfach löscht. Zur Abschreckung und damit die Kunden davon lernen, müssten sie stehen bleiben, aber in der Zählung natürlich nicht mitgezählt werden.
Die misten Screens wären breit genug für drei Rezensionen nebeneiner: Die guten, die schlechten und die hässlichen (The good the bad and the ugly) um einen Western zu zitieren...
"Die hässlichen" sind natürlich die gekauften Fake-Bewertungen.

Ratten und Brennesseln können rückstandsfrei beseitigt werden weil die davon nix lernen würden. Aber die Lügen/Fakes sollten stehen bleiben und klar markeirt werden. Das hätte einen Abschreckungseffekt und man würde gängige Werber/Lügen/Faker-Formulierungen/Sprech/Sprache schneller erkennen und dann auch bei anderen Produkten. So wie die Kreuze an den Straßen anzeigen, wo man besser vorsichtig fährt und die Speed-Limits - insbesondere im Dunkeln und bei Regen - besser mal einhält.

Einen Fake-Account kann man vielleicht schon durch eine Email-Adresse im Amazon Appstore anlegen und dann vielleicht auch echte Produkte bewerten. Vielleicht geht das automatisiert und so gesehen sind bestimmte Fake-Account-Profile vielleicht leider doch einfacher anzulegen als früher wo man sich wirklich was echtes an eine Post-Adresse schicken lassen musste.

Allerdings sehen viele Postings auch aus wie von einem Deutschlehrer oder Germanisten der endlich zugeben soll das sein Studium nicht viel einbringt damit es ein paar Jahre lang geschlossen wird bis die Lebens-Einnahmen der vorhandenen Absolventen endlich wieder stimmen. Piraten und AfD fordern sowas ! triviales ! leider nicht... Denn das Finanzamt kennt das Diplom und die Einnahmen und kann die Statistik verkünden und die Studiengänge dann eine Weile lang schliessen...

Man muss halt alle Rezensionen überfliegen und sehen was man glaubt. Lästig ist das oft schon. Also geht man auf die Bestseller, aber ich glaube in der Amazon-App wo man bequem bestellen kann, geht das nicht. Sehr nervig vom HOCHBEGABTEN Jeff Bezos der vor 15 Jahren nicht schlau genug war, in Berlin verfügbare Sachen sofort auszuliefern... Das benutzt ja weder Deep Learning noch Drohnen sondern ist nur ein Pizza-Taxi für Waren... Und das gabs sogar schon zu rot-grün...
Bei Amazon könnte vieles besser sein und die Boni-Manager verdienen die meisten Bonis wohl nicht wirklich... Ausser vielleicht die von der Cloud die zwar auch ausgefallen ist, aber wohl ganz gut leistet und vielleicht sogar Profit einbringt ! Auch der Appstore klappt besser als der Play-Store von Google !

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Guido

Die Manipulation der Rezension hat noch eine zweite Ebene. Anbieter und Händler bewerten positive Rezensionen mit "hilfreich" und negative Rezensionen mit "nicht hilfreich". Die vermeintlich hilfreichsten Bewertungen zeigt Amazon ganz vorn direkt unter der Produktbeschreibung. Alle anderen Bewertungen muss man sich mit zusätzlichen Klicks erarbeiten. Standardmäßig sehen Interessenten so nur sehr positive Bewertungen, die ggf. ein verzerrtes Bild vom Produkt zeichnen.

Und während bei den Rezensionen ein Blick auf das Profil des Rezensenten zu 90% Klarheit verschafft, sind die Manipulation der "Hilreich" oder "Nicht Hilfreich"-Klicks von außen nicht aufzudecken. Bei den Rezensionen gilt: Wer nur einmal ein Produkt äußerst positiv bewertet hat, ist wenig vertrauenswürdig. Wer vor allem mehrere Produkte eines Anbieters positiv bewertet hat, ist noch weniger vertrauenswürdig. Wer seit 10 Jahren ein paar wenige Bewertungen im Jahr abgibt, ist dagegen relativ vertrauenswürdig. So ein Profil zu faken oder einzukaufen ist relativ aufwändig/teuer.

Mir ist das bei eignen Rezensionen aufgefallen. ich habe in sachlicher Sprache aufgezeigt, wo die Vorteile aber auch serienmäßige Mängel eines Produktes liegen und das noch mit Fotos unterlegt. Insgesamt gab es ca. 100 Rezensionen. Ca. 20 andere Rezensenten hatten schon die gleichen Mängel benannt. Es war also kein Einzelfall. 1 Tag nach Veröffentlichung hatte ich 30 "Nicht hilfreich"-Klicks und war ganz hinten.

Nichtsdestotrotz halte ich die Rezensionen bei Amazon immer noch für sehr hilfreich. Man muss eben etwas filtern. Das ein Anbieter wie Review Meta , der vertrauenwürdige Rezensionen "verkauft", zu dem Schluß kommt, dass das bei Amazon Mist ist und das eigene System viel besser ist, das ist nun keine Überraschung. Alles andere würde heißen, das Review Meta sich selbst überflüssig findet.

Antworten
Jens Pacholsky

Hinzu kommen ja auch noch die fielen Fake-Rezensionen / gekauften Rezensionen. Ich bin teilweise schon über Rezensionen gestoßen, die identisch oder ähnlich bei mehreren Produkten eines Anbieters auftauchten. Immer waren es Accounts mit komischen generischen Namen. Hier müsste Amazon sicherstellen, dass die Bewertungen mal bereinigt werden. Eigentlich müsste Amazon strikt sein und nur Bewertungen zu lassen, wenn der User das Produkt auch wirklich bei Amazon bestellt hat. Zusätzlich müsste dann auch gegengeprüft werden, ob eine Bewertung mit dem Verkaufsverlauf übereinstimmen kann. Wenn zum Beispiel reklamiert wurde, sollte auch die Bewertung entsprechend sein.

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