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Kommentar

„Tschüss, Facebook! See you on Instagram!“ Warum euer Protest stumpf ist

Datenskandal: Facebook-Account löschen? Dann aber richtig! (Grafik: t3n.de)

Seinen eigenen Facebook-Account aufgrund des Datenskandals löschen? Klar, kann man machen. Aber bitte mit Bedacht – und vor allem mit Stil!

„See you on Instagram!“ Ah, ja. Denke ich mir. Derzeit ist es wieder en vogue, öffentlichkeitswirksam den eigenen Facebook-Account zu löschen, um seinen Protest in die Welt zu spitten. Hashtag #Deletefacebook. Schon unzählige Male gelesen, beispielsweise damals, als der NSA-Skandal hochkochte, und jetzt wieder, weil Facebook von Cambridge Analytica aufs Kreuz gelegt wurde. Fahrlässigerweise – so viel Einordnung muss sein. Ich frage mich dann immer, wozu die große Bühne? Ihr findet Facebook nicht mehr cool? Ihr bezweifelt, dass Merkel dem blauen Riesen ihr Vertrauen aussprechen würde? Okay, euer Ding. Löschen? Euer Ding. Aber diese irrationale Empörungswelle reiten und dann alles falsch machen, was man falsch machen kann? Alda, Alda!

Facebook ist tot, lang lebe Instagram!

Protest so stumpf wie ein Bleistift: Facebook löschen und zu Instagram wechseln. (Screenshot: t3n.de)

Vor allem ist das ganze Thema supernervig, weil ich drei von vier Empörten dann doch irgendwann wieder im Newsfeed habe. Anders als beim Abgang passiert die Rückkehr – wenn der Buzz sich dann gelegt hat und Facebook doch wieder ganz okay ist – plötzlich ganz kleinlaut. Keine großen Reden, keine Blog-Postings, keine Youtube-Erklärungen und schon gar keine Hashtags à la #joinedfacebookagain oder #jaichbineinclown. Zuzugeben, sich geirrt zu haben, ist ein Arschloch. Ich weiß.

#DeleteFacebook! Hab mein Adressbuch aktualisiert, hochgeladen und all meinen Freunden gewhatsappt, Facebook zu boykottieren. Instagram ist eh viel sympathischer.

Posted by Richard Gutjahr on Saturday, March 24, 2018

Vollkommen zu einer hohlen Geste wird der Protest aber, wenn ich lese, dass Leute auf der Flucht vor Facebook dann Netzwerke wie Instagram aufsuchen: Was läuft bei euch denn schief? Unseren t3n-Lesern muss ich das ja nicht erklären, aber den Freunden unserer Freunde anscheinend schon (gerne teilen!): Instagram gehört zu Facebook, genau wie auch Whatsapp. Von da nach da zu wechseln, verlagert nur den Schauplatz, dem Datenschutz tut ihr damit keinen Gefallen. Und euer Protest ist so stumpf wie ein abgebrochener Bleistift. Wenn ihr protestieren wollt, dann achtet wenigstens auf die Regeln!

Hier eine Roadmap, wie ein/e reflektierte/r Typ/in (Zeiten gendern dich?) damit umgeht:

  1. Zuerst mal fragen: Warum will ich Facebook löschen? Um ein Zeichen für den Datenschutz zu setzen? Okay, dann aber bitte zu Diaspora und Co. wechseln, direkt Whatsapp und Instagram mitlöschen und auf Signal oder Threema setzen! Übrigens: Auch Twitter ist keine Lösung!
  2. Steckt dahinter der Grund, das eigene Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zu stillen? Dann vielleicht doch lieber im Facebook-Kosmos bleiben, denn die digitale Aufmerksamkeitsökonomie wurde sozusagen hier erfunden. Woanders wirst du ziemlich einsam sein.
  3. Du willst einfach nur raus aus dem blauen Haus, weil du Facebook öde findest und ein cooleres Netzwerk suchst? Digger, dann verlagere dein Social Life einfach rüber und tu nicht so, als ob du ein politisches Statement setzen willst.

Damit mich hier keiner falsch versteht. Ein Zeichen zu setzen ist gut, solange dahinter kein blinder Aktionismus steht oder der eigentliche Grund sich hinter einer wichtigtuerischen Fadenscheinigkeit versteckt. Meine These: 95 Prozent der Delete-Facebook-Schreier würden auch Tierschutz-Petitionen unterschreiben, anschließend öffentlichkeitswirksam teilen, dass sie teilgenommen haben und dann rüber in den nächstgelegenen Supermarkt laufen, um noch schnell das 2,49 Euro billige Suppenhuhn von Wiesenhof zu kaufen, bevor es ausverkauft ist.

Applaus für so viel Rückgrat, Leute!

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3 Reaktionen
johannes.wbs

nunja.
wenn in der sache keinerlei messbare / fuehlbare aufklaerung betrieben wird, drehen die leute halt frei u. machen unlogische sachen. fuer mich ist dieser "protest" nicht besonders verwunderlich, da sich dieser durch eine schlechte aufklaerung zu den dataminingansaetzen u. datenverarbeitungsstrategien generiert. ich wuerde daher nicht unbedingt auf die mio privatpersonen eindreschen. das ist zwar ein einfacher weg u. irgendwie amuesiert das mich auch, aber die eigentliche problematik sehe ich bei den vielen akteuren, die auf fratzenbuch & co. werbung schalten, dort werben, dort dienstleistungen zu "paidsocial" anbieten u. in teilen auch auf xing & co. whatsapp als neues kommunikationsspielzeug bewerben. ich will nicht in die richtung "moral" argumentieren, aber ich sehe ein dilemma dahingehend, dass dieses neumodische socialmediazeug eben voellig kritiklos / analyselos auf die branchen losgelassen wird.
gruß

Johannes

Kann mich nur anschließen. Danke!

#ichdeletejetztmeinent3naccountwieder

hurrelmann

Ein wirklich herrlich zu lesender Text. Inhaltlich gelungen, aber sprachlich noch viel geiler. Einfach mal auf dieses stupide "normal" geschreibe scheißen, so macht es noch viel mehr Laune eure Artikel zu lesen. Bitte mehr davon. Vielen Dank.

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