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Deliveroo verlässt Deutschland

Deliveroo stellt Deutschland-Geschäft ein. (Foto: Deliveroo)

Der Essenszustelldienst Deliveroo gibt sein Engagement in Deutschland auf. Einmal mehr erweist sich die Bundesrepublik als schwieriges Pflaster für Services und Lieferdienste, die anderswo erfolgreich funktionieren.

Deliveroo zieht sich zum kommenden Freitag, 16. August, aus dem deutschen Markt zurück. Wie das Unternehmen in einer Mitteilung an die Kunden mitteilt, habe man in Deutschland nicht die gewünschten Ziele erreicht. „Bei Deliveroo ist unser Ziel, den weltbesten Essenslieferdienst zu schaffen, Herzstück davon ist es, den Kunden, Fahrern und Restaurants einen herausragenden Service zu bieten. Wo wir das nicht auf einem Level durchführen können, den wir erwarten und den Du verdienst, sind wir nicht tätig.“

Deshalb wolle man nun die Aktivitäten in anderen Ländern ausbauen. Kunden, die noch ein Guthaben auf dem Konto haben, sollen dieses ab dem 19. August erstattet bekommen – Dauer der Überweisung ist abhängig von der jeweiligen Bank, sollte aber in den darauffolgenden Tagen auf dem eigenen Bankkonto sein.

Lieferdienste oft kaum oder nicht profitabel in Deutschland

Das Unternehmen war in Deutschland ohnehin nicht flächendeckend tätig, erreichte aber immerhin in Großstädten und Ballungsräumen mit rund tausend Fahrern nach eigenen Angaben vier Millionen Kunden im Jahr (Stand Q2/2019). Doch Deliveroo bleiben noch diverse weitere Märkte weltweit. So ist das Unternehmen mit Hauptsitz in London nach eigenen Angaben für 80.000 Restaurants mit 60.000 Fahrern in 14 Ländern tätig und beliefert dort Kunden in 500 Städten.

Dass es nicht möglich ist, den „optimalen Service zu bieten“, hat einerseits mit dem Lohnniveau zu tun. Insbesondere in der Asia-Pazifik-Region ist hier deutlich mehr Spielraum und die Kunden sich oftmals auch eher bereit, dafür zu zahlen. Selbst im europäischen Vergleich gelten die Deutschen bei Lieferdiensten aller Art (auch Lebensmittel) als weniger zahlungsbereit als andere Nationen. Und gerade in Deutschland, wo Deliveroo insbesondere mit Restaurants in den ohnehin teureren Großstädten zusammengearbeitet hat, war es dem Vernehmen nach nicht immer leicht, Fahrer auf nicht-angestellter Basis zu finden – natürlich auch aufgrund der Bezahlung. Während der deutsche Marktführer Lieferando seine Fahrer als Angestellte beschäftigt, waren die Fahrer bei Deliveroo stets auf eigene Rechnung unterwegs – und das Modell schafft gerade bei schwankender Auslastung Probleme sowohl für die Fahrer als auch für die beteiligten Restaurants. Ein Grund für das Scheitern von Deliveroo dürfte auch der Schritt im vergangenen Jahr gewesen sein, dass man nur noch in ausgewählten Großstädten aktiv sein wollte. Die Streuverluste im Marketing sind in diesem Fall gewaltig – und gerade in den Metropolen war und ist der Konkurrenzkampf der Essenslieferdienste hart.

Somit wehte insbesondere hierzulande nicht nur den Fahrern von Deliveroo der Wind ins Gesicht: Lieferando, genauer Takeaway.com, hatte im April die Übernahme von Delivery Hero übernommen. Foodora soll im vergangenen Jahr in Deutschland laut Manager-Magazin 20 Millionen Euro Verlust gemacht haben und auch einige kleinere (regionale) Anbieter haben dem Vernehmen nach Probleme, sich zu positionieren oder profitabel zu werden. Und Uber Eats ist in Deutschland noch nicht gestartet, könnte aber auch noch für härtere Konkurrenz sorgen – ein hierzulande profitables Geschäft zu erzielen, dürfte aber auch ihnen schwerfallen.

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