Analyse

Deutsche Bahn im Digitalisierungscheck: Das können die Kunden erwarten

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Herzstück des Bahnverkehrs verbessern

Neben nutzwertigen Angeboten für die Kunden gehe man das Thema Digitalisierung in zwei weiteren Bereichen an, heißt es. So gelte es, betriebliche und administrative Prozesse zu optimieren und neue datenbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dieses Schaffen von konkreten Produkten aus gigantischen Datenmengen ist natürlich auch jetzt schon möglich. Etwa dann, wenn es darum geht, die Pünktlichkeit oder Unpünktlichkeit von Zügen genauer vorherzusagen. Ab diesem Jahr setzt das Unternehmen hier ein neues Prognoseverfahren ein. Und überhaupt sei man gerade dabei, eine ganze Reihe von Algorithmen zu optimieren.

Stolz ist der Konzern auch darauf, dass er seine eigenen Daten öffentlich zur Verfügung stellt und es somit Programmierern und Entwicklern ermöglicht, mit ihnen zu experimentieren. Vorhanden sind etwa Bahnsteig- und Aufzugdaten, Datensätze über das Streckennetz und rund um das eigene Car-Sharing-Projekt „Flinkster“ und den Fahrradverleih „Call a Bike“.

Neben intelligenten Aufzügen, intelligenten Güterwaggons und intelligenten Weichen will man wenig überrraschend auch das Herzstück des Bahnverkehrs weiter verbessern: die Züge selbst. Automom sollen sie irgendwann fahren können. Getestet wird in diesem Jahr schon, und zwar im sächsischen Erzgebirge. Auf einer übersichtlich langen Nahverkehrsstrecke wird ein umgebauter Dieseltriebwagen ohne Lokführer pendeln.

Zunächst muss der Zug lernen, Hindernisse und optische Signale auf der Strecke zu erkennen. Das soll irgendwann möglich sein, und zwar praktischerweise ohne bestehende Infrastrukturanlagen umzubauen. Helfen können auch in diesem Bereich verschiedenartige Sensoren, die wertvolle Daten generieren. Entscheidungen selbst übernehmen, das kann der Triebzug allerdings noch nicht, die Steuerungsbefehle kommen zunächst aus einer Zentrale. Neue Erkenntnisse für das vieldiskutierte Feld Autonomes Fahren liefert das Fahrzeug freilich jetzt schon.

Digitalisierung in 3 Feldern angehen

Und so sind derartige Experimente natürlich auch eine gute Nachricht für den Güterverkehr, ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld der Bahn. Hier würden immerhin schon 500 Güterwagen regelmäßig Informationen zu ihrer Position und Richtung, zur Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Wagen und weiteren Parametern liefern, heißt es. Und auch wenn viele es gerne anders hätten: Neben der Schiene bleibt auch die oft überlastete Straße wichtig für den Konzern. Geplant sind diesbezüglich miteinander vernetzte LKW. Natürlich autonom fahrend. Mobilität von morgen eben.

„Wir wollen bei der Digitalisierung Treiber sein und die digitale Zukunft der Mobilität und Logistik aktiv gestalten“, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Dr. Rüdiger Grube.

Mittlerweile hat die Digitalisierung bei der DB viele Facetten, und ständig kommen neue hinzu. Elektronische Zeitungen und Sightseeing-Tipps im ICE-Portal unterhalten Reisende auf langen Zugfahrten, personalisierte Reiseinformation inklusive. Ab dem Frühjahr kommen Serien und Spielfilme hinzu. Ebenfalls vom Frühjahr 2017 an stehen Flinkster-Kunden neben Carsharing-Autos auch Elektro-Roller zur Verfügung. Industriekunden können bereits heute Gütertransporte in Echtzeit verfolgen, selbst Temperaturschwankungen oder Erschütterungen im Container. Erste vollautomatische Schienenfahrzeuge werden erprobt. Auf der Straße rollen bereits fahrerlose Shuttlebusse im Linienverkehr, autonom fahrende, vernetzte LKW (Platooning) werden folgen.

Die Deutsche Bahn geht die Digitalisierung in drei Feldern an – mit neuen Angeboten an der Kundenschnittstelle, bei den betrieblichen und administrativen Prozessen sowie mit der Entwicklung neuer datenbasierter Geschäftsmodelle. Dafür investiert die DB allein unternehmensweit rund eine Milliarde Euro in Digitalisierungsprojekte und hält bis 2019 zusätzlich 100 Millionen Euro Venture Capital bereit, um gezielt Startup- und Gründeraktivitäten zu fördern.

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