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Bahnchef gesteht Fehler bei der Digitalisierung ein

Bahnchef Richard Lutz. (Foto: dpa)

Der neue Deutsche-Bahn-Chef, Richard Lutz, hat auf der Noah-Konferenz in Berlin erklärt, wie er den einstigen Staatskonzern digitalisieren will. Dabei gestand er auch Fehler ein.

Dass es der neue Bahnchef ernst meint mit der Digitalisierung, deutet schon das Outfit an: Als Richard Lutz am Donnerstagabend die Bühne der Noah-Konferenz in Berlin betritt, sucht man Anzug und Krawatte vergeblich. Stattdessen: Weißes Hemd und lässige Stoffhose. Das passt zum Pioniergeist in der Hauptstadt.

Seit Lutz im März das Ruder bei der Deutschen Bahn übernommen hat, könnten seine Aufgaben kaum herausfordernder sein. Der 52-Jährige muss die vom Vorgänger Grube ausgerufene Pünktlichkeitsoffensive fortführen und den mehr als 180 Jahre alten Konzern vor allem in Sachen Digitalisierung ein gutes Stück voranbringen. Im Berliner Tempodrom stellte Lutz eine grobe Vision vor – gestand zunächst aber auch Fehler ein.

„Haben Chancen verpasst“

Deutsche-Bahn-Chef Richard Lutz erklärt seine Digitalisierungspläne. (Foto: dpa)

So habe die Bahn in den vergangenen Jahren viel Lehrgeld bezahlen müssen. „Wir mussten auf harte Weise erfahren, was Digitale Transformation bedeutet und haben dabei auch die ein oder andere Chance verpasst“, sagte Lutz selbstkritisch.

Als Beispiel nannte er den Verkauf von Online-Tickets, den die Bahn ursprünglich bereits 1999 mit den Surf-and-Rail-Tarifen angestoßen hatte. „Wir haben das Potenzial damals nicht voll verstanden“, so Lutz. Ähnliches gelte zudem für den „DB Navigator“, dessen Möglichkeiten der Konzern trotz wachsender Verbreitung von Smartphones unterschätzt habe. Die App sei nur sehr langsam weiterentwickelt worden. „Dabei werden heute jeden Tag vier Millionen Suchanfragen über die App gestellt“, so Lutz. Auch die für Zugreisende gedachte Chat-App Lokin führte der Bahnchef in seiner zwanzigminütigen Keynote als Fehlschlag auf.

Deutsche Bahn setzt auf Kooperationen

Umso mehr will Lutz der Deutschen Bahn neuen Pioniergeist einhauchen. Vor allem das Image des verschlossenen Konzerns soll einer neuen Offenheit für Veränderungen weichen. „Wir selbst müssen der Wandel sein und den Willen haben, anders zu denken“, sagte Lutz. Unter anderem will die Bahn künftig noch stärker auf Kooperationen mit Partnern aus der Industrie setzen.

Zwar stellte er anders als viele der CEOs aus dem Silicon Valley keine auf Jahre festgezurrte Roadmap vor, erste konkrete Beispiele nannte der Bahnchef aber trotzdem. Beispielsweise sollen die Bereiche Mobilität und Logistik unter dem Aspekt der Digitalisierung stärker zusammenwachsen. Erst im Frühjahr habe sich die Bahn-Tochter Schenker mit 25 Millionen Euro an dem Online-Frachtmarktplatz Uship beteiligt.

Ein Accelerator für Mitarbeiter

Apropos Beteiligungen: Auch Startups sollen in der Digitalisierungsstrategie der Bahn eine noch größere Rolle spielen als bisher. Mit DB Digital Ventures hat der Konzern erst im November einen 100 Millionen Euro schweren Geldtopf für Startups aufgelegt. Lutz nahm da auch seine eigenen Mitarbeiter in die Verantwortung: „Alle müssen als potenzieller Pionier und Unternehmer agieren“, sagte er.

Als Beweis nannte Lutz auch den erst vor drei Monaten in Partnerschaft mit Plug and Play gegründet Accelerator Beyond1435. In der Startup-Schmiede sollen Mitarbeiter der Deutschen Bahn die Möglichkeit erhalten, ihre Geschäftsideen unter idealen Rahmenbedingungen als Gründer zu verwirklichen.

„Kein Scherz der Chinesen“

Lutz hofft auf neue Impulse insbesondere im Transportbereich, die auch der Umwelt weiterhelfen. „Der Klimawandel ist kein Scherz der Chinesen, sondern eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Lutz. „Wir können ihn nur bewältigen, wenn wir unsere Mobilität smart denken.“

Dafür lud Lutz auch die anwesenden Gründer und Investoren zum Mitmachen ein. Wer an die digitale Mission der Deutschen Bahn glaube, sei herzlich willkommen. Die Deutsche Bahn jedenfalls sei bereit.

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