News

Deutsche Post: Warum der Paketboom dem Versandriesen zum Verhängnis wird

Mit Investitionen will die Deutsche Post Ihr Paketgeschäft wieder auf den richtigen Kurs bringen.  (Bild: Deutsche Post)

Der Paketboom im Onlinehandel der letzten Jahre ist an der Deutschen Post nicht spurlos vorübergegangen. Jetzt muss der Logistikriese gegensteuern, weil die Kosten aus dem Ruder laufen.

Die Deutsche Post kommt unter die Räder. Überraschend hat das Unternehmen seine Gewinnprognose von 4,15 auf 3,1 Milliarden Euro reduziert. Die Aktie verlor daraufhin zwischenzeitlich bis zu 8,8 Prozent. Die Gründe für die schlechten Entwicklungen liegen auf der Hand: Das Unternehmen, genauer der Paketsektor, ist in den letzten Jahren durch den E-Commerce-Boom überdurchschnittlich gewachsen. Doch die Deutsche Post hat gerade in den vergangenen Jahren zu wenig im Paketbereich investiert. Die Folge: Man musste vieles über Dienstleister und Dritte zukaufen, was nicht immer die effizienteste Lösung war (oftmals aber die einzig praktikable, um etwa die vorweihnachtlichen Anforderungen der Kunden zu erfüllen).

Man wolle jetzt, so Post-Chef Frank Appel, den Gürtel enger schnallen und an den entscheidenden Stellen, etwa bei Paketen, einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. „Wir nehmen jetzt bewusst kurzfristige negative Ergebniseffekte in Kauf, um langfristig nachhaltiges Wachstum zu sichern“, erklärt Appel gegenüber den Medien. In schönstem Investor-Relations-Deutsch liest sich das so: „Zur Verbesserung der Produktivität wird der Konzern durch betriebliche Ausgaben in Höhe von 100 bis 150 Millionen Euro jährlich die operativen Kapazitäten des Pep-Paketgeschäfts (Deutsche Post – E-Commerce – Parcel, kurz Pep), auf die nächste S-Kurve überführen.“

Post will teure Altverträge loswerden

Als Altlast erweisen sich dabei vor allem die alten Beamtenverträge. Die Beamten verdienen nämlich bis heute deutlich mehr als ihre angestellten Kollegen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten eingestellt wurden. Seit drei Jahren werden Paketboten ohnehin nur noch als Mitarbeiter der DHL Delivery angestellt – zu noch geringeren Löhnen. Rund 200 Millionen Euro sollen die Personalkosten im Stammgeschäft mit Briefen und Paketen sinken. Dazu hat das Unternehmen jetzt 500 Millionen Euro zurückgelegt, um damit noch tätige Beamte früher in den Ruhestand schicken zu können. Rund 30.000 Beamte sollen es laut Süddeutsche Zeitung noch insgesamt sein.

Unter dieser Prämisse ist es sehr wahrscheinlich, dass die Deutsche Post so bald wie möglich versuchen wird, höhere Portokosten durchzusetzen: Zum Jahresbeginn 2019 könnte deswegen das Porto für Briefe auf 80 Cent steigen – wenn die Bundesnetzagentur hier kein Veto einlegt. Schon deutlich früher, ab Juli 2018 nämlich, wird das Porto für Bücher- und Warensendungen angehoben.

Das könnte dich auch interessieren:

 

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

3 Kommentare
Webling
Webling

Awww, nur noch drei Milliarden Gewinn.

Wir werden alle sterben.

Antworten
Christian Mees
Christian Mees

Nur kurz zur Info Pep heißt Post – eCommerce -Parcel.

Packet Ensemble Protocol ist ein Protokoll für Modems…

Antworten
Tobias Weidemann

@Christian Mees: Vollkommen korrekt – und auch lediglich ein Missverständnis unseres Lektorats. In der ursprünglichen Fassung stand lediglich die Abkürzung Pep, ohne die Langform. Hierzu wurde eine nicht korrekte Langform ergänzt, eben jenes Modemprotokoll – und jetzt korrigiert. Danke für den Hinweis.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.