Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kolumne

Deutscher Mittelstand: Silo-Denken verhindert wirkliche Innovationen

(Foto: Shutterstock)

Viele Unternehmen scheitern trotz ernsthafter Innovationsbestrebungen an ihren eigenen Strukturen und am Silo-Denken ihrer Mitarbeiter. Kathleen Fritzsche betrachtet in ihrer Kolumne Kathleens digitale Welt die Auswirkungen.

Obwohl der deutsche Mittelstand sich mittlerweile intensiv mit Veränderungsprozessen und notwendigen Innovationen von Geschäftsmodellen beschäftigt, gibt es viele Unternehmen, die eins bei weitem noch nicht verstanden haben: Das Silo-Denken ihrer Teams und Abteilungen und die damit verbundenen Grabenkämpfe um Budgets und Anerkennung verhindern den risikofreudigen Schritt in ein neues Zeitalter und die Umsetzung von wirklichen Innovationen, nicht nur kosmetischen Verbesserungen des Status quo.

Nicht nur an das eigene Team denken

Die Unternehmensführung sieht zwar oft die Notwendigkeit des geschäftlichen und kulturellen Wandels, allerdings scheitert die Umsetzung an den Mitarbeitern, die über Jahrzehnte gelernt haben, dass es viel besser ist, zuerst die Ziele des eigenen Teams im Blick zu haben, statt die des ganzen Unternehmens. Das ist verständlich, denn von der Team-Performance hängt auch meist die Bewertung des einzelnen Mitarbeiters ab. Aber genau da liegt der Kern allen Übels: Sobald Teams und Abteilungen nur noch in Silos denken, sich nur auf ihren eigenen Vorteil konzentrieren, steht der Innovationswille und wirkliches Vorankommen im Team und Unternehmen still. Letztendlich leidet auch die Performance.

Natürlich, jedes Team hat seine eigenen Ziele und Herangehensweisen im Unternehmen, seine eigene Kultur und vor allem Angst um Machtverlust und den Absturz in die Bedeutungslosigkeit, wenn das Management mit Veränderungsmaßnahmen und Innovationsprojekten droht. Der Statuserhalt ist viel einfacher und stressfreier für alle. Neue Wege einzuschlagen, auszuprobieren, mit vereinten Kräften neue Ideen umzusetzen und auch Risiken einzugehen ist anstrengend. Egal wie groß das Unternehmen ist, die Mitarbeiter beäugen misstrauisch, was die anderen treiben. Denn die könnten ja erfolgreich sein und somit mehr Anerkennung von der Unternehmensführung bekommen, im nächsten Jahr eventuell sogar Anspruch auf mehr Budget erheben, welches dann bei den eigenen Projekten weggekürzt wird.

Für ein Umdenken in den Köpfen

Mit entsprechender Motivation kann die Unternehmensführung aber eingefahrene Prozesse und Denkweisen langsam aufweichen. Das dauert oft Jahre, erfordert viel Geduld und ein Umdenken in den Köpfen aller Beteiligten. Eine etablierte Unternehmenskultur verändert sich nun einmal nicht von einem Tag auf den anderen. Die transparente Kommunikation der Herausforderungen und Probleme, ständiges Vorleben der notwendigen Veränderungen und vor allem die Anerkennung von teamübergreifend bearbeiteten Projekten helfen dabei. Interdisziplinäre Teams produzieren viel bessere Ergebnisse als Kollegen mit ähnlichem Erfahrungsschatz und Aufgabengebieten, die schon seit Jahren zusammenarbeiten. Unterschiedlichste Lebensumstände, Interessen und Erfahrungen treffen aufeinander und produzieren ganz neue Denkansätze und kreative Ideen.

Wir Deutschen haben wahrscheinlich auch durch den Föderalismus einen Hang zur Abgrenzung voneinander und zum Silo-Denken. Denn noch heute sind wir ein zersplittertes Land, aufgeteilt in Nord und Süd, in 16 Bundesländer mit ihren eigenen Länderparlamenten, Ministerien und Bildungsplänen. Von Ost und West ganz zu schweigen. Dieser Föderalismus führt auch dazu, dass jedwede Fördergelder nicht länderübergreifend eingesetzt werden (können). An der Grenze des Bundeslandes ist Schluss, was kümmern uns denn die anderen mit ihren Problemen? Und somit verschenken auch öffentliche Initiativen und Projekte viel Potenzial, größere und vor allem nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Gründerinitiativen in deutschen Städten haben das Silo-Denken leider häufig verinnerlicht. Außerhalb Berlins prangt zusätzlich immer die Hauptstadt als Ursprung allen Übels, denn sie zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Die eigene Stadt ist aber natürlich immer die beste und erfolgreichste, auch wenn die tatsächliche Anzahl der Gründungen und Startups oder Finanzierungsrunden häufig andere Rückschlüsse ziehen lassen. Diese Initiativen verschenken auch hier viel Potenzial: Die meisten Startup-Communities und Gründerinitiativen sind zu klein, um wirklich wertvolle und große Erfolge in der Gründer- und Startup-Förderung zu erzielen. Ein Stück von einem kleinen Kuchen ist und bleibt nun mal ein kleines Stück und es wird durch Abgrenzen von anderen Städten und Initiativen nicht größer. Der Zusammenschluss mehrerer solcher Initiativen würde deutschen Städten und ihren Initiativen guttun und sie viel schneller voranbringen als Einzelkämpfe.

Ein Plädoyer für mehr Zusammenarbeit

Dies ist also ein Plädoyer für mehr Zusammenarbeit. Im Unternehmen über Team- und Abteilungsgrenzen hinweg, aber auch im deutschlandweiten Kontext über Bundesländergrenzen hinweg. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter zu grenzüberschreitenden, interdisziplinären Kollaborationen ermutigen und sie nicht nur kurzfristigen Einzelerfolgen hinterherlaufen lassen. Nur so können sich die Unternehmen langfristig positiv und innovativ weiterentwickeln und ihre Geschäftsmodelle hinterfragen beziehungsweise neue entwickeln. Nur die Unternehmen, die das schaffen, werden in Zukunft wirklich am Markt bestehen können und mit innovativen, manchmal sicher auch riskanten Geschäftsmodellen, Erfolg haben. Für alle anderen wird es ein Glücksspiel.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Finde einen Job, den du liebst