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Kommentar

Deutschlands Zukunft: Drei Schritte zur erfolgreichen KI-Nation

(Grafik: Shutterstock)

Künstliche Intelligenz wird über unseren Wohlstand entscheiden. Dabei ist elementar, ob Deutschland den Fortschritt mitgestaltet oder ob wir nur Zaungäste sind. Drei wichtige Schritte zum Erfolg.

Künstliche Intelligenz (KI) ist kein Selbstzweck. Wir nutzen sie nicht, um sie zu nutzen. Im Gegenteil: Die Entwicklungen, die mithilfe künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens gerade so rasant voranschreiten, betreffen unser gesamtes Leben. Den Erfolg unserer Wirtschaft ebenso wie soziale Teilhabe. Es geht um Kernfragen unserer Gesellschaft: Wie werden wir künftig (auch im Alter) mobil sein? Wie arbeiten wir? Was investieren wir in unsere Gesundheit? Wie schaffen wir eine saubere Energieversorgung?

Überall auf der Welt – in den USA und in China, in Frankreich und in Israel – forschen kluge Köpfe an der Frage, wie man gesellschaftliches Zusammenleben und wirtschaftlichen Fortschritt durch KI verbessern kann. KI wird auf immer mehr Themengebieten den Wettbewerb entscheiden. Sie ist unverzichtbar für Innovationen.

Wir stehen längst nicht mehr vor der Frage, ob es diese Entwicklungen geben wird. Das ist längst sicher. Vielmehr geht es darum, ob wir daran mitwirken werden. Dafür müssen wir drei wichtige Schritte gehen:

1. Stärken stärken

Zahlreiche exzellente Wissenschaftler forschen an unseren Einrichtungen und Universitäten. Wir haben große Stärken in Deutschland, gerade in der Grundlagenforschung. Und das schon seit Langem! Während wir das Thema KI gesellschaftlich erst seit einigen Jahren diskutieren, feiert beispielsweise das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Das Institut forscht seit Jahrzehnten auf Spitzenniveau im Bereich KI. Und die Wissenschaftler sind  bei Weitem nicht die Einzigen, die Deutschland durch KI-Forschung voranbringen. Wir haben herausragende Forschungseinrichtungen, beispielsweise an der RHTW Aachen sowie an den Unis in Dresden, Mannheim oder Ulm. Zudem bei Fraunhofer in Sankt Augustin oder Max Planck in Tübingen.

Deutschlands Forschungslandschaft ist eine Erfolgsgeschichte, die wir ausbauen und untermauern müssen. Das im Koalitionsvertrag vereinbarte nationale Forschungskonsortium für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen wäre ein wichtiger Schritt, unsere vorhandenen Stärken in der Forschung zu sichern und weiter auszubauen. Das muss jetzt so schnell wie möglich umgesetzt werden. Das Konsortium muss klare Strukturen schaffen und eine Organisationseinheit sein, die Zusammenarbeit in der KI-Forschung strukturieren sowie Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zuweisen. Wichtig ist dabei, dass wir die Forschung an ihren Standorten stärken und so der dezentralen Struktur unserer Forschungslandschaft den Rücken stärken.

2. Hidden Champions heben

Unser Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wir müssen ihn enger mit der Forschung verknüpfen. Im ganzen Land gibt es „Hidden Champions“, deren Potenziale riesig sind. Wir müssen sie dringend heben. Das Wissen über KI müssen wir dorthin bringen, wo das Wissen über die Märkte liegt.

Durch diesen Transfer der Forschung in die Anwendung werden aus Ergebnissen Strategien. Der Vorteil der Startups und kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) liegt dabei in ihrer Schnelligkeit. Außerdem sind sie eher bereit, branchenfremde Technologien zu nutzen. Ein Mittelständler bewegt sich schneller und flexibler als ein großer Industrietanker. Nicht zu vergessen ist dabei, dass in unseren Unternehmen tausende kluge Köpfe arbeiten. So ist der „German Engineer“ bis heute ein deutscher Exportschlager und es wäre ratsam, mit dem „Digital Engineer“ den gleichen Weg zu gehen. So können wir durch Qualität überzeugen.

Unsere Stärken – die top Grundlagenforschung und unseren hervorragenden Mittelstand – müssen wir nutzen, um ein Transfernetzwerk zu schaffen. Forschungseinrichtungen müssen bei Gründungen unkompliziert unterstützen können, aber auch mit bestehenden KMU zusammenarbeiten, die neue Technologien zur Anwendung bringen. Wir brauchen ein bundesweites Netzwerk, das einen niedrigschwelligen Einstieg schafft und schnell aktiv wird. Den Unternehmen wiederum müssen wir so die Möglichkeit geben, ihre Daten sicher zur Verfügung stellen zu können – damit die Forschung aus ihnen neues Wissen und neuen Fortschritt generieren kann.

Das wesentliche Ziel: Deutschlands wirtschaftliches Rückgrat in eine gesellschaftliche KI-Strategie einbinden. So wird exzellente Forschung zu wettbewerbsfähiger Anwendung.

3. Datenpolitik entscheidet über Wohlstand

Unsere aktuelle Datenpolitik ist Fluch und Segen zugleich. In der Forschung schadet ein zu strenger Datenschutz dem Fortschritt – vor allem in der KI. Diese muss, um vernünftig zu lernen und arbeiten zu können, so viele Informationen wie nötig verschlüsseln, speichern und weiterverarbeiten. Damit wird auch die Frage, wie wir mit Daten umgehen, wettbewerbsentscheidend sein. Das heißt auch: wohlstandsentscheidend. Wir brauchen eine Datenpolitik für eine funktionierende KI.

Diese müssen wir so ausgestalten, dass die Menschen das Gefühl haben: „Daten nutzen mir.“ Das heißt auch: Mit Datenreichtum verantwortungsvoll umgehen. Unser deutscher Weg des strengen Datenschutzes kann demnach auch ein Standortvorteil sein. Sicherheit ist ein Qualitätskriterium. Damit Forschung Daten nutzen kann, muss der Staat diese wirksam schützen.

Dafür brauchen wir eigene Datenbanken und Speicherorte in Deutschland. Das ist zum einen eine politische, zum anderen aber auch eine technische Frage. Sie zu lösen ist enorm wichtig für die datenbasierte Forschung. Bei uns vor Ort muss Forschung mit großen Datenmengen möglich sein. Datensicherheit muss hier bei uns gewährleistet werden können. Wir müssen Anonymisierung und Zugriffsrechte klar regeln.

Wir stehen aber auch vor der Frage: Woher bekommen wir die Daten? Die USA können auf eine umfassende Menge an Konsumentendaten zurückgreifen – und sie scheuen sich nicht davor, mit diesen Daten zu arbeiten, um in Forschung und Wissenschaft voranzukommen. Bei uns in Deutschland gäbe es beispielsweise ein großes Potenzial an Verkehrs- oder Gesundheitsdaten. Gerade die Medizindaten wären – selbstverständlich anonymisiert und sicher verwendet – kombiniert mit KI ein großer Fortschritt. Die Forschung muss die Daten, die wir in Deutschland haben, für unseren gemeinsamen Fortschritt nutzen können.

Damit Politik alle diese Punkte wirksam umsetzen kann, gibt es eine Grundvoraussetzung: Gesellschaftliches Vertrauen in künstliche Intelligenz.

Wir müssen dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen sich möglichst gut mit KI und ihren Folgewirkungen auskennen. An ganz praktischen Beispielen müssen wir erfahren, wo algorithmische Entscheidungen uns im persönlichen Leben betreffen – positiv wie negativ. Nur so können wir aktiv entscheiden, was wir wollen und was nicht. Ein Beispiel: Man kann einer KI die Daten von vielen Patienten zeigen, die eine Herzkrankheit haben. Sie kann daraus lernen, bei weiteren Patienten Herzprobleme zu diagnostizieren – und zwar lange bevor diese durch Symptome nach außen treten oder gar bedrohlich werden. Und mittlerweile viel treffsicherer als ein Arzt. Denn die KI kann in wenigen Stunden so viele Patientendaten studieren, wie ein Mensch sie in seinem ganzen Leben nicht ansehen könnte. Vermutlich wird jeder Patient, der hiervon einmal betroffen ist, froh sein, dass die KI die richtige Entscheidung trifft. Der wirkliche Fortschritt in der Medizin ist dann die Zusammenarbeit zwischen KI und Arzt. Dieser kann eine fundierte Diagnose stellen. Beruhend auf den technisch gefundenen Ergebnissen und auf seinen individuellen Erfahrungen. Eine unschlagbare Kombination aus künstlicher und menschlicher Intelligenz. Künstliche Intelligenz ist die Zukunft, ohne Wenn und Aber. Jetzt liegt es an uns, zu entscheiden: Wollen wir nach vorne schauen und das große Ganze gestalten?

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Eine Reaktion
Martin Wunderlich

Ich bin nicht sicher ob ich mit dem Begriff Künstliche Intelligenz in dem Zusammenhang zufrieden wäre. Wenn echte künstliche Intelligenz käme, hätten wir uns viel elementareren und existenzielleren Fragen zu stellen als wirtschaftlichen. Vermutlich hätten wir dann auch ein anderes politisches und wirtschaftliches System.

Hier geht es eher um Digitalisierung, Big Data, Entscheidungen aufgrund von Algorithmen ... aber das ist jetzt nur eine Definitionsfrage. Wenn man den Begriff Künstliche Intelligenz mit was anderem ersetzt unterschreibe ich den Inhalt des Beitrages.
Als betroffener finde ich es gerade im Bereich der Medizin bedauerlich, dass es noch etwas rückständig erscheint, dass die Digitalisierung dort noch kaum Einzug gehalten hat. Geschweige denn die drei Schritte danach Big Data einzusetzen um Leben zu retten.

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