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DHL will jetzt alle Pakete zustellen: Weiterleitungs-Flatrate für alle Zustelldienste

DHL erprobt jetzt einen Paketweiterleitungsdienst für Sendungen der Mitbewerber. (Foto: DHL)

Über Hermes versandt, aber mit DHL zugestellt. Mit einem kleinen Kniff will DHL es Kunden ermöglichen, bei Bedarf all ihre Pakete über den gelben Paketdienst zu beziehen. Auch Pakete der Mitbewerber.

Manche Kunden ziehen es vor, ihr Paket von ihrem Lieblingsdienstleister zustellen zu lassen. Vielleicht, weil der am Wohnort des Kunden besonders zuverlässig zustellt, oder weil der Paketshop direkt in der Nachbarschaft liegt. Leider berücksichtigen das in Deutschland bisher nur wenige Händler, der Kunde hat selten die Möglichkeit selbst den Zusteller auszuwählen. Laut dem Kölner Stadtanzeiger erprobt DHL jetzt einen neuen Dienst: eine Art Paketweiterleitungs-Abonnement.

DHL erprobt Paketweiterleitungs-Abo

In Köln und Bonn erprobt DHL mit 1.000 Kunden in einem Pilotprojekt einen Paketweiterleitungsdienst. Der Ablauf der Paketweiterleitung ist recht einfach: Der Kunde lässt sich seine Bestellung vom Onlinehändler einfach an das nächstgelegene DHL-Paketdepot liefern, dort nimmt DHL das Paket an und liefert es direkt an den Kunden aus.

Nach dem Testlauf soll der Dienst kostenpflichtig für eine monatliche Gebühr angeboten werden – wie hoch diese ausfallen könnte, soll im Pilotprojekt ermittelt werden.

Für das Pilotprojekt erhalten die Kunden eine sogenannten „Wunschdepotadresse“ und können sich dann das Paket von DHL zustellen lassen – wo immer sie auch möchten. Der Kölner Stadtanzeiger zitiert einen DHL-Manager, der von der Zustellung bis 21 Uhr am Abend, in die Packstation oder in den Kofferraum spricht.

DHL und Smart wollen euer Auto zur Paketannahmestelle machen. (Foto: Deutsche Post DHL Group / Oliver Lang)

DHL scheint hier viele momentan mögliche Aspekte der Zustellung gleich miterproben zu wollen – im Raum Köln und Bonn läuft nämlich seit letztem Jahr ein weiteres Pilotprojekt. Zusammen mit Smart stellt DHL dort bei einigen hundert Teilnehmern Pakete in den Kofferraum zu. Dazu wurden die Fahrzeuge extra umgerüstet.

Sollte der Testlauf erfolgreich enden und vom Kunden angenommen werden, dann könnten schon 2018 weitere Städte folgen – bis hin zum bundesweiten Start.

Wettbewerb um die letzte Meile

Der Stadtanzeiger sieht Parallelen zu den Versuchen der Paketdienstleister, ein gemeinsames System für Paketabholstationen einzurichten. An dem Gemeinschaftsunternehmen von Hermes, DPD und GLS Parcellock ist DHL nicht beteiligt. DHL favorisiert das eigene Netzwerk an Paketstationen und Paketbriefkästen für den Vorgarten. Parcellock bleibt trotz der Konkurrenzsituation nichts anderes übrig als DHL ebenfalls in die eigenen Paketstationen zustellen zu lassen. Sonst wäre das Paketabholsystem weniger attraktiv für Endkunden.

DHL positioniert sich geschickt

Die Entscheidungen Paketstationen und Paketkästen nicht für Wettbewerber zu öffnen, macht solche Produkte für DHL erst möglich. Wenn der Dienstleister sein Angebot von Zustellmöglichkeiten erweitert und exklusiv hält, dann könnten Endkunden unter Umständen auch Interesse an solchen Weiterleitungsdiensten haben.

Neben innovativen Zustellverfahren sorgt vor allem die Infrastruktur der Abholstationen und Paketbriefkästen für eine Verteilung der Paketmengen – wer einen DHL-Paketkasten vor der Haustür hat, lässt sich lieber von DHL Pakete zustellen. Aber manchmal hat der Kunde keine Wahl – und dann ist ein geschlossenes System zum Nachteil für den Kunden. Wenn der Hermesfahrer das Paket eben nicht in den DHL-Postkasten werfen kann. Diesen Nachteil eines geschlossenen Systems will DHL so beheben.

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