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Dieses KI-System soll Schwarzfahrer identifizieren

(Foto: Shutterstock / Milkovasa)

Nicht jeder, der in die U-Bahn einsteigt, hat zuvor auch einen Fahrschein gekauft. Ein in Spanien entwickeltes KI-System soll Schwarzfahrer erkennen, wenn diese unrechtmäßig die Sperre auf dem Bahnhof überwinden. Das System wird in Barcelona getestet.

Wer in Paris, London oder Athen U-Bahn fährt, der kennt das Prozedere: Bevor der Fahrgast auf den Bahnsteig gelangt, muss er durch eine Sperre, die ihn erst nach dem Vorzeigen der Fahrkarte passieren lässt. Manchen Fahrgast ficht das nicht an: Es gibt viele Wege, die Barriere auch ohne Billett zu überwinden: Springen zum Beispiel, Klettern oder Tailgating – dabei drängelt sich ein Fahrgast dicht hinter einem anderen durch die Sperre. Detector, ein System mit künstlicher Intelligenz, soll mutmaßliche Schwarzfahrer erfassen und einen Fahrkartenkontrolleur auf diese aufmerksam machen.

Entwickelt wurde das System von dem Unternehmen Awaait aus Barcelona, das es auf der Messe Innotrans in Berlin vorstellt. Das System bestehe aus einer Kamera, die die Sperren überwache, und einer lernfähigen Software, die das Verhalten der Fahrgäste erfasse und analysiere, erklärt Xavier Arrufat, Chef und Gründer von Awaait, im Gespräch mit Golem.de. „Die Kamera kann das Verhaltensmuster der Passierenden erkennen. Wenn sie eine Anomalie erfasst, also eine Person, die nicht bezahlt hat – das erkennen wir anhand der Bewegungsanalyse – erzeugt das System einen Alarm.“

Der Alarm funktioniert so, dass das System einige Fotos der Betreffenden beim Überwinden der Schranke aufnimmt und auf das Mobilgerät einer Aufsichtsperson in der Station schickt. Dieser soll die mutmaßlichen Schwarzfahrer anhand der Bilder identifizieren, vor dem Bahnsteig abfangen und die Fahrkarte kontrollieren.

Detector erkennt Verhaltensmuster

Bei der Einrichtung wird das System auf die jeweilige Station angelernt. Es wird zunächst mit Videos der Station, die es kontrollieren soll, gefüttert. Anschließend werden Probanden beim normalen Passieren, beim Überspringen, Klettern oder Tailgating gefilmt. „So bringen wir dem System bei, wie es zwischen einer Person, die bezahlt hat, und einer, die nicht bezahlt hat, unterscheidet. Nach einigem Training kann das System automatisch Bewegungsmuster erkennen, die darauf hinweisen, dass die Person nicht bezahlt hat“, sagt Arrufat.

Die Privatsphäre der Passanten sei dabei geschützt, sagt Arrufat: Die Kamera beobachte, zeichne aber nicht dauerhaft auf. Es würden lediglich die Bilder der mutmaßlichen Schwarzfahrer gespeichert und an den Kontrolleur geschickt. Und auch diese Bilder sollen nur für kurze Zeit gespeichert und anschließend wieder gelöscht werden. Das gilt auch, wenn die Person nicht unmittelbar kontrolliert werden könne.

Detector kann Fahrrad und Mensch nicht unterscheiden

False Positives, also die vermeintliche Erkennung eines Fehlverhaltens, sei nicht auszuschließen, sagt Arrufat. Eine Möglichkeit sei beispielsweise, dass ein Fahrgast sein Fahrrad über dem Kopf durch die Sperre trage. Da das System über keine Gesichtserkennung verfüge und deshalb Mensch und Fahrrad nicht unterscheide, könnte es das als Versuch auffassen, die Sperre zu überwinden. In so einem Fall würde ein Kontrolleur gar nicht erst aktiv werden. In anderen Fällen würde die Fahrkarte kontrolliert und das Bild nach Vorzeigen gelöscht.

Aber das sei eher die Ausnahme. „Wenn Sie von unserem System erfasst werden, dann haben Sie normalerweise keine Fahrkarte“, sagt Arrufat. „Sie haben sie verloren und so weiter – es gibt zehn übliche Ausreden, die immer und überall angeführt werden.“

Detector ist derzeit in fünf U-Bahn-Stationen in Barcelona im Einsatz und soll in weiteren installiert werden. Das System kann derzeit nur an Sperren eingesetzt werden, nicht aber auf schrankenlosen Bahnhöfen, wie sie bei uns in Deutschland üblich sind. Awaait hat nach eigenen Angaben aber Anfragen erhalten, ob das System nicht auch dafür angepasst werden kann. Dafür müssen die Passagiere aber eine Fahrkarte entwerten oder ihre Dauerkarte vor einen Leser halten – anders als in Berlin beispielsweise, wo eine Dauerkarte nicht validiert werden muss.

Autor des Artikels ist Werner Pluta.

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