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Dieter Kempf im Changerider: So will der BDI-Chef den Verband ins Digitalzeitalter führen

(Screenshot: t3n.de)

Mit dem neuen Video-Format Changerider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Der aktuelle Interviewgast: Dieter Kempf.

In der neuen Folge des Video- und Podcastformats Changerider von Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n ist diesmal der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, zu Gast. Bei seiner Changerider-Fahrt erzählt er, was für ihn die wichtigsten vier Grundfragen der Digitalisierung sind und wieso die Chancen, dass revolutionäre Impulse aus einer alternden Gesellschaft kommen, eher gering sind.

Seit 2017 ist Dieter Kempf Präsident des BDI, der Spitzenorganisation der deutschen Industrie, und vertritt damit die Interessen von rund 36 Branchenverbänden und mehr als 100.000 Unternehmen mit gut acht Millionen Beschäftigten gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Eine große Verantwortung. Doch wer ist der Mann mit dem verschmitzten Lächeln? Der gebürtige Münchener begann seine Karriere 1971 in der ersten Filiale der Fastfood-Kette McDonalds. Neben seinem BWL-Studium arbeitet er sich zum Filialleiter hoch und wechselt wenige Jahre später zur Wirtschaftsprüfung Ernst & Young. Anschließend geht er zur Nürnberger Software-Genossenschaft Datev, sitzt dort insgesamt 25 Jahre im Vorstand, 20 Jahre davon als Vorstandsvorsitzender.

Seine 13 BDI-Vorgänger sind Männer aus der Industrie wie der Stahlunternehmer Jürgen R. Thumann oder zuletzt Ulrich Grillo, Chef der familieneigenen Grillo-Werke. Kempf, der zuletzt vier Jahre lang Präsident des Digitalverbands Bitkom war, kommt hingegen aus dem Dienstleistungsbereich und will nun den Verband ins digitale Zeitalter führen. Eine spannende Aufgabe.

„Die digitale Brezel wird es auch in 50 Jahren noch nicht geben“

Was macht die digitale Transformation eigentlich so besonders? „Denn digital“, so Kempf, „sind wir im Grunde bereits seit Erfindung der EDV.“ Allerdings haben sich die Grundlagen in den letzten Jahren verändert, beispielsweise durch Breitband-Kommunikation und das Internetprotokoll IPV6, das es erst möglich gemacht hat, dass nun Dinge miteinander kommunizieren, wie zum Beispiel eine Produktionsmaschine mit dem Flurförderzeug. „Die digitale Transformation braucht vier Dinge“, so der BDI-Präsident. „Man muss sich fragen: Kann ich das Produkt digitalisieren, kann ich den Prozess digitalisieren, wie kann ich digitale Plattformen nutzen und welche digitalen Technologien kann ich selbst anwenden?“ In jedem Unternehmen werde es eine unterschiedliche Kombination dieser vier Bestandteile geben. „Mein Lieblingsbeispiel: Die digitale Brezel wird es auch in 50 Jahren noch nicht geben. Aber ein Bäckermeister kann eben die anderen drei Prozesse anstoßen.“

Der BDI hat dabei nach eigenen Angaben ein klares Ziel vor Augen: Europa nachhaltig zu stärken und zukunftsfest zu machen. Erst kürzlich verfasste der Industrieverband ein umfassendes Positionspapier zu Europa, in dem auch das Thema Digitalisierung eine große Rolle spielt. Der BDI fordert darin den Ausbau hochleistungsfähiger Netze und ein gemeinsames Vorgehen bei der Cybersicherheit. Vor allem für Unternehmen, die ihren Sitz nicht in städtischen Ballungsräumen haben, sei der Ausbau der Netze enorm wichtig. Zudem, bemerkt Kempf kritisch, sei das Thema Datenschutz in der vergangenen Zeit sehr in den Vordergrund gerückt worden. Dies habe uns allerdings die Möglichkeit geraubt, über Datensouveränität zu reden, betont Kempf, der seit Juli 2018 Mitglied der Datenethikkommission der Bundesregierung ist. Datensouveränität als Basis des Datenschutzes sei ungeheuer wichtig, damit sich neue Welten erschließen können und wir mehr Plattformen nutzen können.

„Wir sind in Deutschland eine alternde und saturierte Gesellschaft“

„Wir müssen junge Menschen animieren und unterstützen, unternehmerische Risiken einzugehen und sich mit eigenen Ideen selbstständig zu machen“, so der BDI-Präsident. Doch wer kann Impulsgeber für mutige Ideen sein? „Wir sind in Deutschland eine alternde und saturierte Gesellschaft. Die Chance, dass nahezu revolutionäre Impulse aus so einer Gesellschaft kommen, ist eher gering.“ Dabei könnten aber Universitäten und die Öffentlichkeit durch Bildung bewusst Impulse setzen. Um ein Risiko eingehen zu können, gehören aber immer auch der Mut und die Akzeptanz des Scheiterns dazu. Gerade diese Akzeptanz fehle noch in Deutschland, so Kempf, ebenso wie der Faktor Agilität, insbesondere innerhalb der Unternehmen. „Meine These ist, dass wir uns hier als Vorstände im Unternehmen einiges kaputt gemacht haben. Wir müssen uns kritisch fragen: Wie viel Entwicklung haben wir zugelassen ohne Vorstandsvorlage?“

„Man kann schwierige Dinge nicht mit Logik kommunizieren. Wenn ich Menschen brauche, muss ich sie im Herzen erreichen“

Auch aus eigener Erfahrung kennt der Lobbyist das Scheitern. Während seiner Zeit bei Datev musste Kempf drei Anläufe für eine wichtige Satzungsänderung starten, bis diese ihm endlich gelungen ist. Dabei habe er erkannt, dass man Menschen manchmal eben nicht allein mit Logik gewinnt, sondern auch im Herzen erreichen muss.

Außerdem erklärt Kempf, warum die Debatte um Elektromobilität noch ergebnisoffen diskutiert werden sollte, wieso künstliche Intelligenz die Weichen in den nächsten Jahren stellen wird und warum das Programmieren die spannendste Art von Unterricht sein kann. Zum Thema digitale Bildung stellt er klar: „Der Umgang mit digitalen Technologien wird ein Stück Kernkompetenz dieses Jahrhunderts sein.“

Als nächste Mitfahrer nominiert der BDI-Präsident Lufhansa-Chef Carsten Spohr und Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler Gruppe.

Ihr kennt Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer! Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder als Podcast bei Soundcloud und Spotify verfügbar.

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