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Bankensektor abgehängt: Digitalisierung bleibt Zukunftsmusik

Skyline von Frankfurt am Main. (Foto: Vichie81/Shutterstock)

Monolithische IT-Landschaften dominierten, während nutzerzentrierte IT-Architekturen noch vielfach ein Zukunftsszenario seien. So beschreibt die Unternehmensberatung ZEB den europäischen Bankensektor.

In zentralen Regionen des europäischen Bankensektors gibt es zurzeit keinen „Digital Leader“, der alle Facetten eines digitalen Geschäftsmodells umfassend abdeckt. So lautet das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung ZEB zum Stand der Digitalisierung in Kernregionen des europäischen Bankensektors.

Die untersuchten Institute, heißt es in der Studie, befänden sich durchgehend in niedrigeren Digitalisierungsstadien, die von der Pilotierung erster Digitalisierungsideen bis zur Umsetzung erster, konkreter Projekte reichen.

Großbanken und Spezialinstitute würden bei der digitalen Transformation ihrer Geschäftsmodelle mit knappem Vorsprung an der Spitze liegen. Regionalbanken hätten einen etwas niedrigeren Digitalisierungsstand, gleichwohl würden auch hier einige Institutsgruppen im europäischen Vergleich Spitzenpositionen besetzen.

Regional betrachtet, so die Studie, lägen Banken in Central Eastern Europe (CEE) bei der digitalen Transformation leicht vorne. In South West Europe (SW-EU) sei das Angebot an digitalen Finanzdienstleistungen deutlich geringer ausgeprägt.

Andere Branchen setzen Standards

Immerhin: „Europäische Banken investieren erheblich in den digitalen Umbau ihrer Geschäftsmodelle“, sagt André Ehlerding, Leiter der Studie und Director bei ZEB. Allerdings würden andere Branchen nach wie vor die digitalen Standards für innovatives Banking setzen, heißt es weiter. Inzwischen nutze die Hälfte aller Bankkunden Angebote von sogenannten „Non-Banks“ wie beispielsweise Fintechs.

Die Studienergebnisse zeigen, dass europäische Finanzinstitute die Digitalisierung ihrer bestehenden Geschäftsmodelle hauptsächlich am direkten Bankenwettbewerb ausrichten. Durchgreifend innovative Ansätze in der Branche seien dagegen selten zu beobachten.  Zudem finde eine grundsätzliche strategische Neupositionierung von Geschäftsmodellen noch nicht statt, lautet eines der Ergebnisse.

Notwendige Innovationsgeschwindigkeit fehlt

Sichtbar sei stattdessen eine Vielzahl von Einzelinitiativen. Deren Ableitung aus einer umfassenden Digitalisierungs- und Transformationsstrategie erfolge nach Angaben der Institute jedoch nur fragmentarisch, sagt die Unternehmensberatung ZEB: „Banken sehen ihre digitale Transformation eher als evolutionären Prozess, die notwendige Innovationsgeschwindigkeit fehlt jedoch.“

Wesentliche Änderung zur letzten Umfrage von 2015: Die befragten Institute sehen Fintechs als externe Partner und nicht länger als Bedrohung. Fast alle Banken seien grundsätzlich kooperationsbereit, heißt es, und schätzten die agilen und kundenorientierten Ansätze der Finanz-Startups, um ihre eigenen Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln.

Zukäufe von Fintechs erwartet

Die Studienautoren erwarten, dass die Anzahl der Fintech-Kooperationen und Zukäufe zukünftig deutlich steigen wird. Wenig innovative europäische Banken könnten so auf Teilgebieten schnelle Digitalisierungserfolge erreichen, heißt es.

Ein wesentlicher Aspekt der ZEB-Studie habe darin bestanden, „die Selbsteinschätzung der Banken bezüglich ihrer aktuellen Prozess- und IT-Landschaft abzufragen“, sagen die Autoren. Die Vereinheitlichung und Digitalisierung von Daten sei unerlässlich, um sie umfassend über verschiedene Kanäle miteinander zu verknüpfen und nutzbar zu machen. Die Befragung im Rahmen der Studienerhebung habe jedoch ergeben, dass die bisherigen Prozesse sowie die heutige IT nach Ansicht der Bankmanager „grundsätzlich nicht auf neue, digitale Geschäftsmodelle ausgelegt sind“.

Monolithische IT-Landschaften dominieren

Hier stehe der geringe Automatisierungsgrad in deutlichem Widerspruch zu zentralen Anforderungen der Bankkunden nach schneller Abwicklung und hoher Transparenz. Effizienzpotenziale, so die Studie, würden de facto nicht genutzt. Weiter heißt es: „Monolithische IT-Landschaften dominieren, während nutzerzentrierte IT-Architekturen mit Echtzeitausrichtung und offenen Wertschöpfungsstrukturen noch vielfach ein Zukunftsszenario sind“.

Obwohl die Banken die grundsätzliche Notwendigkeit zur digitalen Transformation erkannt hätten, hinkten Management und Organisation bei der Implementierung des notwendigen Mindsets hinterher. So fehle es in der gesamten Branche an Digital Leaderhip. Die Rolle des „Digital Leaders“ als übergreifender, kreativer Antreiber und Motor des digitalen Wandels sei von den Studienteilnehmern vermisst worden, sagen diese.

Personal: „unzureichend vorbereitet“

Auch innerhalb der Banken fühle sich das Personal, so die Analyse, nur unzureichend auf den digitalen Wandel vorbereitet. Weder würden die Mitarbeiter digital denken oder fühlen, noch seien Innovationskraft und digitales Mindset bisher hinreichend in der Kultur verankert. Die Studienautoren kritisieren deshalb „zu wenige Freiräume für die Entwicklung digitaler Kreativität“.

Die Strategie- und Managementberatung ZEB, die die europäische Finanzindustrie berät, hatte für den sogenannten „zeb.pulse check 2.0“ unter anderem eine Befragung von über 100 Top-Entscheidern europäischer Banken durchgeführt, um eine Selbsteinschätzung der Branche zum Stand der digitalen Transformation zu erhalten. Die Studie wurde nach 2015 zum zweiten Mal durchgeführt.

Mehr zum Thema: Digitale Transformation – ein praktischer Leitfaden für Unternehmen

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