Ratgeber

Was bedeutet digitale Transformation eigentlich konkret?

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Welche Daten habe ich? Welche benötige ich noch? Wie kann ich sie auswerten?

Big Data klingt hochtrabend – doch was dahintersteckt, ist im ersten Schritt häufig ganz einfach: Der digitale Kanal bietet die Möglichkeit, Erfolg zu messen – zum Beispiel den Erfolg von Gutschein-Aktionen im Marketing. Zahlreiche Startups haben schon hohe Summen für Gutscheinaktionen verbraten, ohne zu messen, wie viele der teuer erkauften Neukunden auch zurückkommen.

Dabei bietet die Digitalisierung recht einfach Tools, um genau solche Dinge zu messen – im Falle des Erfolgs von Gutscheinaktionen beispielsweise Talon One vom Lieferando-Gründer Christian Gerber. Doch auch abseits vom Erfolg von Gutscheinen gibt es viele Dinge, die sich durch Software zuverlässig messen lassen – von Marketing über Produktion bis hin zu Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit. Um letzteres fortlaufend digital zu erfassen, gibt es beispielsweise Officevibe. Wichtig: Digitale Tools zur Mitarbeiterzufriedenheit dienen immer nur als Ergänzung und häufig auch als Grundlage für Feedback-Gespräche. Das persönliche Gespräch zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter ersetzt Software natürlich nicht.

Bei der Digitalisierung so gut wie aller Unternehmen stehen Datenerfassung und Datenauswertung im Zentrum. Dabei geht es sowohl darum, bereits vorhandene Daten sinnvoll auszuwerten, als auch darum, noch mehr sinnvolle Daten zu erfassen – beispielsweise durch neue vernetzte Sensoren.

Welche Daten relevant sind und wozu diese im Einzelnen genutzt werden können, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Eine große Rolle für industrielle Anlagen spielt Predictive Maintenance – datengetriebene Frühwarnsysteme, die eine Wartung von Anlagen anzeigen, bevor diese ausfallen oder fehleranfällig werden. Diese Systeme sparen dem Unternehmen bares Geld. In vielen Fällen müssen dafür neue vernetzte Sensoren installiert werden, die dem Internet of Things (IoT) zugerechnet werden.

Viele Daten fallen in Unternehmen auch schon an, es fehlt aber die passende Software, um sie auszuwerten und auf Basis der Daten Entscheidungen zu fällen. Häufig geht es darum, die bereits vorhandenen Daten mit neuen Datenerhebungen zusammenzuführen und mithilfe von Business Intelligence – also der systematischen Auswertung der Daten per Software – das sogenannte HIPPO-Prinzip abzulösen. HIPPO steht dabei für „highest paid person’s opinions“ – also die Meinung der bestbezahlten Person im Raum, die nicht immer die Fundierteste ist. Die systematische Auswertung von Daten – bei Produktion über Vertrieb bis Marketing – ist oft die beste Grundlage für Entscheidungen, auch für HIPPOs.

Dabei spielt maschinelles Lernen, ein Ansatz der künstlichen Intelligenz, eine bedeutende Rolle. Besonders angesagt ist der Ansatz des Deep Learning, eine spezielle Technik beim Einsatz künstlicher neuronaler Netze für das Maschinenlernen. Dabei werden große Mengen von Daten über tiefe Schichten künstlicher neuronaler Netze verarbeitet. Die Technik ist recht simpel, erfordert aber besonders schnelle und im besten Fall spezialisierte Prozessoren. Bei der Auswertung der Daten können AI-Lösungen wie IBM Watson helfen.

Digitale Transformation: Digitalisierung bedeutet Individualisierung

Früher war die Welt für Unternehmen mit Konsumenten-Produkten einfach: In der Zeit bis etwa Ende der 1960er Jahre, als viele Produkte tendenziell eher knapp waren, konnten Unternehmen sich in erster Linie auf das Produzieren von Gütern konzentrieren – in Zeiten, in denen manch einer wochenlang auf einen neuen Kühlschrank wartete, fanden sich in der Regel schon Abnehmer. Die Qualität musste schon besonders mies oder das Produkt komplett am Bedarf des Marktes vorbei konzipiert sein, damit ein Unternehmen beim Absatz Probleme hatte.

Doch der Markt hat sich in Zeiten des Überflusses auf Produzentenseite verändert: Spätestens seit den 1970er Jahren investieren Unternehmen steigende Summen ins Marketing ihrer Produkte – vor allem aber gilt es, sich heute Kundenwünschen möglichst schnell anzupassen und stärker auf die Wünsche einzelner Kunden einzugehen.

Diese Dynamik verstärkt sich durch die Digitalisierung: Die Industrialisierung brachte das einheitliche Massenprodukt – die Digitalisierung könnte bei vielen Produkten und Dienstleistungen die Individualität zurückbringen. 3D-Drucker beispielsweise werden derzeit noch vor allem für die schnelle Erstellung von Prototypen, individuellen Prothesen in der Medizintechnik oder selten benötigten Ersatzteilen beispielsweise im Flugzeugbau genutzt. Für die Massenproduktion sind traditionelle Herstellungsverfahren immer noch deutlich günstiger.

3D-Drucker. (Foto: Alexander Kirch/Shutterstock)

Doch 3D-Druck könnte perspektivisch so günstig werden, dass maßgefertigte, individuelle Produkte ein Comeback erleben. Ein Schlüsselbegriff ist hier die additive Fertigung. Für zahlreiche Unternehmen dreht sich aktuell die Kostenkalkulation für die Herstellung individuellerer Industrieprodukte: Insbesondere bei geringen Stückzahlen ist es nun oft günstiger, Bauteile im individuellen 3D-Druckverfahren herzustellen, als in klassischen Verfahren wie dem Druckguss, die günstigste Methode für Massenprodukte.

So berichtet der Economist beispielsweise von der britischen Firma Domin Fluid Power, die unter anderem hydraulische Pumpen und Servoventile herstellt. Beides wird dazu genutzt, Flüssigkeiten in mechanischen Bauteilen beispielsweise in der Flugzeugindustrie zu steuern. Dank eines 3D-Druckers der deutschen Firma EOS ist eine Designänderung bei einem Bauteil nun eine kleine Veränderung in der Software. Noch lohnt das nur bei Bauteilen, die in geringer Stückzahl hergestellt werden – eben beispielsweise im Flugzeugbau.

„Die Individualisierung steht im Vordergrund und das hat Einfluss auf die Produktion“

Doch je weiter sich die Technik verbilligt, desto größer können die Stückzahlen werden, bei denen sich additive Fertigung lohnt, um mehr Individualisierung und Flexibilität zu ermöglichen. So könnte additive Fertigung perspektivisch auch für B2C-Unternehmen relevant werden. Siemens sieht die Individualisierung im Kundenverhalten als Treiber dieser Entwicklung. „Die Individualisierung steht im Vordergrund und das hat Einfluss auf die Produktion“, zitiert cio.de Klaus Helmrich, Mitglied des Vorstands von Siemens.

Auch der digitale Absatzkanal bietet Chancen für die Individualisierung – Vertrieb und Marketing von Produkten kann online deutlich zielgerichteter stattfinden als im klassischen Marketing.

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5 Kommentare
StefanM
StefanM

Sehr guter Artikel. Danke

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e6836b3448d6ad5b

Ja stimmt. Nur leider nicht als PDF zum runterladen – also nicht zum Weitergeben an die, die es wirklich brauchen – also ab ins Nrvana damit. Schön aber unbrauchbar, wie schade.

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Wilfried Russ - AKAD University
Wilfried Russ - AKAD University

Sehr guter Übersichtsartikel zu den diversen Hot Spots der Digitalen Transformation. Danke!

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Mülli
Mülli

Der Anfang ist leider ziemlich schwach, aber zum Glück kann man sich ja hintenraus noch steigern ;-). Wenn man sich schon aufschwingt so ein komplexes Thema wie die Digitale Transformation zu erläutern sollte man wenigstens die die „einfachen“ Begrifflichkeiten wie „On-Premise“ oder „Software-as-a-Service“ recherchiert haben, dann wüsste man auch, dass diese Begriffe Alternativen füreinander sind. Und ein „Instant Messenger“ wie Slack, wenn auch mit der mittlerweile hoch integrierbar, ersetzt im Geschäftlichen nicht einfach die E-Mail, so schön es auch wäre. Big Data als aufgemotzte Reichweitenmessung zu beschreiben zeugt leider auch nicht gerade von einem großen Verständnis für die Materie. Ansonsten ganz netter Artikel, aber wenn digitale Transformation so einfach wäre, wenn dann wären sicher schon weiter und ich müsste wahrscheinlich nicht mehr arbeiten. Aktuell lässt sich allerdings ganz gut Geld mit der digitalen Transformation verdienen ,-).

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Mülli
Mülli

und wie man sieht muss die Spracherkennung auch noch perfektioniert werden :-) :-)

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