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Analyse

Digitalisierung: Wer jetzt nicht exponentiell denkt, droht unterzugehen

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„Egal ob Klimawandel, Energieversorgung oder Welternährung – wir brauchen exponentielle Technologien.“

Die spannendste Entwicklung wird aber vermutlich für den Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zu beobachten sein – das Spezialgebiet von Ray Kurzweil, einem der Gründer der Singularity University. Von Kurzweil stammt auch der Begriff der technologischen Singularität, nach der die Organisation benannt wurde. Damit ist der von Kurzweil und anderen KI-Forschern erwartete Moment gemeint, in dem eine künstliche Intelligenz soweit fortgeschritten ist, dass sie sich selbst in einer immer schneller werdenden Spirale verbessert und somit zu einer so genannten Superintelligenz wird.

Futurist Pascal Finette: Siri wird sich in fünf Jahren wie ein Mensch unterhalten können

Bei Sprachassistenten wie Apples Siri, Amazon Alexa oder Google Now wiederholt sich für Finette derzeit, was schon für andere Technologien galt: Die Anfänge enttäuschen, doch schon bald werden die Assistenten riesige Fortschritte machen. „Siri ist fünf Jahre alt und sie ist selbstlernend“, sagt der Futurist. „Und sie wird exponentiell besser. Man kann das ausrechnen: In sieben Jahren wird sie 128 mal besser sein als heute – in fünf Jahren kann sie Gespräche führen wie ein Mensch.“ Skeptiker werden entgegnen, dass künstliche Intelligenz nicht alleine eine Frage der Rechenpower ist, sondern auch eine Frage der Qualität der Algorithmen.

Dass nicht alle Dozenten der Singularity University reine Zukunftsoptimisten sind, zeigte der IT-Sicherheitsforscher Marc Goodman auf dem SingularityU Germany Summit. „Exponentielle Technologien funktionieren auch für Kriminelle“, sagte Goodman. Software und das Internet hätten Verbrechen skalierbarer als je zuvor gemacht. „Am Anfang konnte ein Krimineller mit einem Messer einen Menschen ausrauben. Dann kamen die Kriminellen darauf, dass sie durch die Erfindung des Zuges als Zugräuber 300 Leute gleichzeitig ausrauben konnten.“

Doch digitale Technik eröffne Kriminellen völlig andere Sphären der Skalierbarkeit: „Heute können sie dank Internet Millionen von Menschen gleichzeitig ausrauben. Die Taten werden nicht mehr von Menschen begangen, sondern von Code – und das bedeutet exponentielles Wachstum für Kriminalität.“ Inzwischen gäbe es die ersten „Einhörner“ unter den kriminellen Banden – Cyberkriminelle, die mehr als eine Milliarde Dollar erbeuteten. Dabei will sich Goodman aber nicht als Technologie-Pessimist verstanden wissen. „Jede Technologie hat zwei Seiten – sie kann für Gutes und Schlechtes genutzt werden“, sagte der Cybersecurity-Experte. „So wie die erste Technologie überhaupt: Feuer kann dich wärmen und dein Essen zubereiten, aber auch das Dorf nebenan abfackeln.“

„Think big and act big“

Insgesamt aber überwiegt unter den Singularity-Vertretern des Silicon Valleys der feste Glaube daran, dass der technische Fortschritt die Menschheit in eine Art Schlaraffenland des Überflusses führen wird – sofern eine Umverteilung des Reichtums sichergestellt wird. Sowohl Finette als auch andere Sprecher auf der Konferenz sprachen sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus.

Für Finette ist die Ablösung des linearen Denkens durch exponentielles Denken die Voraussetzung, um die großen Menschheitsprobleme anzugehen. „Egal ob Klimawandel, Energieversorgung oder Welternährung – wir brauchen exponentielle Technologien“, sagt der gebürtige Deutsche, der seit zehn Jahren im Silicon Valley lebt. „Jetzt ist die Zeit für ,think big and act big‘.“

Mehr zum Thema: Digitale Transformation – ein praktischer Leitfaden für Unternehmen

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