Analyse

So wird die Digitalisierung nachhaltig – meinen die Grünen

„Damit die Digitalisierung nicht zum Klimakiller wird, braucht sie dringend einen ökologischen Ordnungsrahmen“, meint Dieter Janecek von den Grünen (Foto: dieterjanecek.de)

Mit neuen Vorgaben wollen die Grünen die Digitalisierung nachhaltiger gestalten. Andernfalls könne sie zum Klimakiller statt zum Klimaretter werden.

Die Digitalisierung als Nachhaltigkeitsmotor auszugestalten, sei eine Chance für Deutschland und für Europa, im digitalen Wettbewerb wieder aufzuschließen und Vorsprünge zu erarbeiten, schreiben die Grünen in ihrem Antrag. Bislang würden weltweit enorme Potenziale liegen gelassen. Die ökologische Dimension der Digitalisierung sei für die Bundesregierung ein weitgehend blinder Fleck. Mit verbindlichen Vorgaben wollen sie daher die Digitalisierung nachhaltiger gestalten. Mit ihnen wollen sie so etwa den hohen Stromverbrauch beim Streamen von Videos und den Rohstoffbedarf bei der Herstellung von Handys, Computern und anderen Elektrogeräten senken.

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Digitalisierung könnte Brandbeschleuniger für den Klimawandel werden

Bis 2030 könnte der Anteil der Digitalisierung am weltweiten Stromverbrauch nach Ansicht der Grünen 20 bis 50 Prozent betragen. Insbesondere die Verbreitung und Nutzung von Streamingdiensten sei dafür Haupttreiber. Sie habe im vergangenen Jahr einen Stromverbrauch ausgemacht, der dem gesamten jährlichen Stromverbrauch aller Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen gleichkommen soll.

Positive Effekte der Digitalisierung sehen die Grünen derzeit scheinbar nur bedingt. Sie würden allenfalls realisiert, wenn man die Digitalisierung konsequent in den Dienst der Nachhaltigkeit stellt, fordert Dieter Janecek, Sprecher für Industriepolitik und digitale Wirtschaft. Andernfalls könne die Digitalisierung zum Klimakiller, zum Brandbeschleuniger für den Klimawandel, statt zum Klimaretter werden.

Maßnahmen der Grünen für eine nachhaltigere Digitalisierung

Der Bundestag soll im ersten Halbjahr 2020 eine „Green-IT-Strategie“ vorlegen, sich für eine „IT-Ökodesign-Richtlinie“ einsetzen und die Digitalpolitik aktiv entsprechend der Klima- und Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ausrichten. So sollen unter anderem „ambitionierte Ziele“ hinsichtlich der Energie- und Ressourceneffizienz für Gaia-X definiert werden. Zudem soll etwa der Schwerpunkt bei der KI-Strategie auf energiesparsame KI-Anwendungen gelegt und die Umsetzungsstrategie Digitalisierung überarbeitet werden.

Konkreter fordern die Grünen in ihrem Antrag außerdem:

Skurrile Forderungen für Streamingdienste

Um den hohen Stromverbrauch beim Streamen von Videos zu unterbinden, sollen Plattformen wie Youtube es per default ermöglichen, Videos nicht automatisch abzuspielen und Einstellungen zur Videoauflösung treffen zu können. Die meisten relevanten Streaming-Dienste bieten solche Einstellungsmöglichkeiten jedoch bereits.

Weiterhin soll Usern die Möglichkeit eingeräumt werden, nur den Ton der Videos abzuspielen, was bei Video-Plattformen meist recht irrsinnig sein dürfte. Youtube beispielsweise ermöglicht dies bereits jetzt dennoch über eine Premium-Mitgliedschaft.

Umstellung auf Wasserkühlung und Abwärmenutzung bei Rechenzentren

Rechenzentren der öffentlichen IT sollen zukünftig auf effizientere Wasserkühlungssysteme setzen. Für neue Einrichtungen soll die Abwärmenutzung zudem verbindlich vorgeschrieben werden.

Mit der Umstellung auf Kühlung durch Wasser anstatt Luft ließe sich die Leistungsdichte von Server-Racks durchaus optimieren. Systeme gibt es bereits seit Jahren, in der Privatwirtschaft behindern der Grundsatz „Never change a running System“ und die Angst vor Schäden jedoch den flächendeckenden Einsatz.

Würde die öffentliche Hand mit ihren Rechenzentren als Pionier erfolgreich vorausgehen, könnte dies also dazu führen, dass private Unternehmen sich dies zum Vorbild machen und nachziehen. Dies könnte tatsächlich zu effizienteren Rechenzentren und einer nachhaltigeren Digitalisierung beitragen.

Effizientere Rohstoffnutzung bei Elektrogeräten

Auf EU-Ebene sollen für Elektrogeräte verbindliche Standards und Ziele für „Energieeffizienz, Ressourceneinsparungen, Recyclingfähigkeit und Reparierbarkeit von IT-Geräten“ gelten. Mit den Standards sollen Rohstoffe verstärkt zurückgewonnen und wiederverwertet werden. Weiter wollen die Grünen ein „Right to repair“ etablieren und die Rechte von Nutzern stärken, auf ihren Geräten Open-Source-Software einzusetzen.

Da Hersteller von Smartphones und anderen elektronischen Geräten jedoch meist außerhalb der EU kommen, dürfte ein solcher Open-Source-Zwang größtenteils ins Leere laufen. Mit Material der dpa.

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2 Kommentare
Gunar Gürgens
Gunar Gürgens

Wow mit der Abwärme von Nutztieren (-maschinen) die Bude heizen, irre Idee. Das machen meine Nachbarn am Kuhstall seit 50 Jahren. Wie innovativ die Digitalbranche doch ist…

Antworten
Robert W.
Robert W.

Wie jetzt. Dachte die Digitalisierung macht alles unweltfreundlicher, weil ich es nicht ausdrucken muss? Ihr wollt gar dem Problem gar mit Technologie begegnen?

Wie wäre es, wenn ihr ähnlich wie beim Flug -oder Autoverkehr den Verzicht auf Internetnutzung mal proklamiert? Öfters mal ein Buch lesen (aus der Bib) oder sich mit Freunden an der frischen Luft treffen statt Netflix oder Facebook? #ironieOff

Eure Maßnahmen sind leider unvollständig. Es fehlt die kritische Betrachtung des Konsums, der Cloud-Nutzung, von ineffizienter Ressourcen-Nutzung durch Programmiersprachen (nodeJS ist z.B. auch OpenSource aber ein nightmare in Sachen Ressourcen). Wozu brauche ich immer neue Server? Da geht es weniger um Reparatur als um Erweiterbarkeit. Da geht es um die Grundsatzfrage, ob immer das Internet gebraucht wird. Möglicherweise ist Satelliten-TV klimaschonender als Streaming? ‍♂️

Solange das Internet nur aus der Steckdose kommt …

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