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Beispiele erfolgreicher Digitalisierung: Wolf-Ingelheim

(Foto: everything possible/Shutterstock)

Es ist immer einfach, zu meckern. Über Unternehmen und Entscheider, die keinen Mut haben, über zögerliches Vorgehen. Schluss damit! Unser Gastautor stellt positive Beispiele der Digitalisierung vor. Dieses Mal: Wolf-Ingelheim.

Genug mit der Jammerei! Unser Gastautor Alain Veuve hat genug von der Negativität, mit der der Fortschritt der Digitalisierung hierzulande betrachtet wird. Also rief er auf, ihm positive Beispiele vorzustellen, Unternehmen, die mit gutem Beispiel vorangehen, und zeigen, dass es sich auszahlt, das Thema mutig und kreativ anzugehen. Wichtig war ihm dabei, dass nicht nur Konzepte und Strategien vorliegen, sondern auch konkrete Dinge umgesetzt wurden. Die Ergebnisse stellen wir nun vor.

Ich finde es immer spannend, wenn Unternehmen die Digitalisierung sprichwörtlich selber in die Hand nehmen, also nicht per se an eine externe Beratung abgeben.

Natürlich ist das nicht in allen Fällen zielführend, wenn jedoch das notwendige Know-how und der Wandlungswille im Unternehmen vorhanden ist, ergibt die Wahl eines solchen Weges Sinn.

Das heute portraitierte Unternehmen, Wolf-Ingelheim, hat das im weiteren Sinne gleich doppelt getan.

Geschichtsträchtiges Unternehmen im Wandel der Zeit

Die Wolf-Gruppe besteht seit 1913 und fasst die Bereiche Druck, Werbemittel, Apothekenbedarfshandel und Logistik in verschiedenen Firmen zusammen. In den letzten 15 Jahren unternahm das Unternehmen verschiedene Anstrengungen, die internen Abläufe zu optimieren und zu digitalisieren.

So wurde in Ermangelung guter Alternativen zusammen mit Partnern ein ERP-System für Druckereien entwickelt und die Software im Betrieb eingesetzt. Die Software wurde bald auch von anderen Unternehmen eingesetzt und als eigenständige Gesellschaft ausgegründet. Keyline ist mittlerweile selbständig und mit eigenem Team von acht Leuten am Markt unterwegs.

Prozesse digitalisieren

Die Wolf-Gruppe hatte also schon einige Erfahrung mit der Ausgründung von Software-Unternehmen. Wohl diesem Umstand ist es geschuldet, dass man erkannte, dass die am Markt bestehenden Tools zu Digitalisierung von Geschäftsprozessen für die Wolf-Gruppe nicht ideal waren, und die Eigenentwicklung eines sogenannten No-Code Builders in Betracht zog.

Eine No-Code Software Builder ist eine Engine, die es Leuten ohne Software-Entwicklungs-Know-how ermöglicht, Applikationen nur mit Business-Know-how zu entwickeln. Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand: Eine Schnittstelle, nämlich die vom Business-Analyst zum Developer, fällt weg, das Erstellen von neuen Applikationen wird schneller und agiler, die Gesamtkosten sind niedriger.

Mit den Bedürfnissen der Wolf-Gruppe im Rücken gründeten zwei ehemalige Wolf-Mitarbeiter die Firma Necara, die das Produkt Saas.do entwickelte.

Selbständige Transformation

Mit der Nutzung von Saas.do konnte die Wolf-Gruppe mit einem begrenzten Budget viele Prozesse, die auf traditionelle Weise aus Kostengründen nicht digitalisierbar gewesen wären, trotzdem digital umsetzen. Es wurden so sämtliche Prozesse im Unternehmen digitalisiert, was schlussendlich den Kunden des Unternehmens zugutekommt. Sie profitieren von besseren Abläufen und verbesserten Dienstleistungen und Produkten.

Konkret wurden speziell für drei wichtige Kunden eigene Portallösungen entwickelt, die den Austausch und die Zusammenarbeit stark vereinfachen. Aber auch generische Prozesse, wie etwa ein zentralisierter und digitaler Rechnungseingang und nachfolgender Freigabeprozess, wurden umgesetzt.

Herausforderungen „en masse“

So gut und vorbildlich der Weg über eine Ausgründung und selbständige Gestaltung der Digitalisierung auch ist, so groß waren dabei naturgemäß auch die Herausforderungen. Geschäftsführer Thorsten Winternheimer beschreibt das so:

„Mitarbeiter mit zu Beginn ‚halbfertiger‘ Software zu konfrontieren, die dann mit täglichen Updates wieder verbessert wird, war eine große Herausforderung. Hier mussten wir entgegenwirken, damit keine Frustration oder Desinteresse aufkommt. Das geschieht am besten dadurch, in dem man den Endzustand der Software immer definieren kann und Abmachungen und Termine seitens der Entwickler dann auch eingehalten werden.“

Generell hat Thorsten Winternheimer die Digitalisierung nicht nur eng begleitet, sondern er ist die treibende Kraft dahinter. So sagt er denn auch: „In KMU, wie wir eines sind, muss der CEO auch der CDO sein.“

Paradebeispiel

Was die Wolf-Gruppe macht, finde ich herausragend. Während andere Unternehmen noch darüber diskutieren, ob Handlungsbedarf heute oder eventuell doch erst morgen besteht, hat das Unternehmen sich grundlegend mit der Hilfe von neuer Technologie weiterentwickelt. Spannend daran ist, dass es sich mit dieser Entwicklung auch neue Geschäftsfelder erschließt und so am zukünftigen Erfolg teilhaben kann.

Es ist dieses pragmatische Herangehen an Herausforderungen, der Einsatz von Technologie nicht um der Technologie Willen, sondern um konkrete Probleme zu lösen und sich neue Möglichkeiten zu schaffen – es ist diese Vorgehensweise, die in der Digitalisierung erfolgreiche Unternehmen von weniger erfolgreichen unterscheidet. Die Wolf-Gruppe hat es offensichtlich verinnerlicht und gewinnt damit nicht nur im Business. Im Juni hat das Unternehmen den Telekom-Award „Digitale Transformation Mittelstand“ gewonnen. Sehr verdient, wie ich finde.

Die anderen Best Practices findest du hier:

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