Kommentar

DIN-Norm für Gründer: Ein Jodeldiplom für die Startup-Szene

(Foto: g-stockstudio/Shutterstock)

Manche Ideen wie die DIN-Norm für Startups sind so abstrus, dass man sie für ihre Kreativität schon wieder bewundern muss. Neben den Zertifizierern würde eine Gruppe davon profitieren.

Irgendwie klingt es nach einer Meldung vom Postillon: eine DIN-Norm für Startups, ein zertifizierter Rahmen für eine Gattung an Unternehmen, die oftmals so in gar keinen Rahmen passen wollen. Typisch deutsch wirkt das – und hochgradig überflüssig. Denn es ist ja oftmals gerade das Credo der Gründer, Dinge anders zu machen, als man es bisher gemacht hat – oder Großunternehmen mit unkonventionellen Ideen, die gerade nicht ins Schema passen, zu unterstützen.

Dass die Startup-Welt hier Zeter und Mordio schreit, ist daher naheliegend. Denn gewinnen könnten zumindest die Unternehmen wenig durch eine solche Maßnahme (allenfalls jene, die sich auf die Zertifizierung spezialisiert haben). Dass man die in einer solchen Norm abgefragten Daten als Startup kennen und haben sollte, versteht sich von selbst. Aber ob ein junges Unternehmen sich über die wichtigsten Rahmenbedingungen wie Geschäftsmodell, wirtschaftliche Rahmendaten, Finanzierung und Co. Gedanken gemacht hat, wird jeder Investor oder Großkunde recht schnell auch ohne einen solchen Zertifizierungsprozess herausfinden. Will sagen: Unternehmen, die noch nicht so weit sind, aufzuzeigen, dass sie erst einmal ihre Hausaufgaben machen müssen, geht auch anders.

DIN-Norm für Startups wäre allenfalls ein Schutz für Bankberater

Für alle anderen wäre eine solche DIN-Norm für Startups dagegen nur ein zeit- und kostenaufwendiger Pflichtprozess, um an Investorengelder oder staatliche Fördermittel zu kommen oder an bestimmten Wettbewerben teilnehmen zu können, bei denen ein solches Jodeldiplom der Startup-Welt gefordert wird.

Insofern wäre die Maßnahme höchstens ein Schutz für die Entscheider, wenn diese nicht in der Lage sind, ein Unternehmen mit vernünftigem Geschäftsmodell von einer Frickelbude ohne Zukunft zu unterscheiden. Der Bankberater, der über eine Finanzierung zu entscheiden hat, könnte sich dann später gegenüber seinem Chef rechtfertigen, dass der Laden doch ein Zertifikat hatte. Aber wäre es da nicht sinnvoller, den Entscheidern entsprechende Mittel an die Hand zu geben, um diese Entscheidungen auf einer vernünftigen Grundlage zu treffen?

Davon abgesehen ist die Vermessung von Startups eben nicht so einfach möglich, wie man sich das erhofft. Eine solche DIN-Norm, eine Zertifizierung würde Entscheidern eine Sicherheit vorgaukeln, die in den meisten Fällen eben nicht besteht, beispielsweise auch bei Crowd-Investments. Doch gerade in den ersten Jahren geht es viel um das Team, die Zusammenarbeit der Gründer, deren Erfahrungen im jeweiligen Geschäftsumfeld und deren Wissenshorizont – Dinge, die sich nur schwer in Zahlen packen lassen. Es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Zertifizierung mehr als nur der kleinste gemeinsame Nenner für Startups wäre und irgendetwas aussagen könnte.

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Samuel Speitelsbach
Samuel Speitelsbach

DDR 2.0

Nur der Staat weiß, wie ein Unternehmen zu führen ist!

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